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Kein Tag wie jeder andere: Die Nacht von Belgrad

Kein Tag wie jeder andere: Die Nacht von Belgrad
Von Eurosport

20/06/2017 um 00:07

Kein Sport-Tag wie jeder andere: Jubiläen & Rekorde, Feiertage & Dramen, großes Kino & vergessene Helden: Unser täglicher Blick zurück in die Sportgeschichte - heute mit der Nacht von Belgrad.

20. Juni

Sie waren Europameister 1972 und Weltmeister 1974. Und auch ins EM-Turnier 1976 in Jugoslawien startete die deutsche Nationalmannschaft als klarer Favorit. Doch nach dem Endspiel am 20. Juni jubelte nicht die DFB-Elf, sondern die Tschechoslowakei.

Das Match in Belgrad war gleich in zweifacher Hinsicht denkwürdig. Zum einen war es das 100. Länderspiel in der Karriere von Franz Beckenbauer. Der "Kaiser" war damit erst der fünfte Spieler weltweit und der erste Deutsche, der diese Schallmauer erreicht hatte.

Zum anderen war es das erste Finale einer großen Meisterschaft, das im Elfmeterschießen entschieden wurde. Jan Svehlik (8. Minute) und Karol Dobias (25.) brachten die Tschechoslowaken mit 2:0 in Führung. Dieter Müller (28.) und Bernd Hölzenbein (90.) sorgten für den Ausgleich, der auch nach 30 Minuten Verlängerung noch Bestand hatte.

Die ersten vier Tschechoslowaken und die ersten drei Deutschen trafen jeweils ihre Elfmeter. Und dann lief Uli Hoeneß an und wurde in Belgrad zur tragischen Gestalt. Der Ball flog weit über das Tor. Keeper Ivo Viktor brauchte gar nicht erst einzugreifen.

"Ich lief an wie in Trance und schoss, ohne auf den Torwart zu blicken. Ich schaute dem Ball nach, sah ihn immer höher steigen. Wie eine Rakete sauste er in Richtung Wolken. In diesem Moment war ich völlig apathisch, alles um mich rückte in weite Ferne, wurde grau. Ich registrierte nichts mehr", sagte Hoeneß später.

Antonin Panenka traf im Anschluss zum 5:3 im Elfmeterschießen. Die Entscheidung war gefallen, und der große Außenseiter aus der Tschechoslowakei krönte sich zum Europameister.

Uli Hoeneß, Belgrad 1976

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