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Biathlon - Miriam Gössner läuft die Zeit davon: Die Frohnatur strahlt nicht mehr

Frohnatur a.D.: Was ist mit Gössner los?
Von SID

10/01/2017 um 11:48

Miriam Gössner kommt nicht in Schwung, auch der Weltcup in Oberhof war eine einzige Enttäuschung. Immer mehr wirft sich die Frage auf, ob sie jemals an alte Zeiten anknüpfen kann. "Ich habe den Sonntag lieber daheim zur Regeneration genutzt und eine lockere Klassikrunde absolviert, um die beiden Rennen aus den Beinen zu laufen", begründete Gössner ihre vorzeitige Abreise aus dem Thüringer Wald.

Miriam Gössners Blicke sprachen Bände. Nach dem neuerlichen Fehler-Festival und einer weiteren Enttäuschung stapfte die Frohnatur a.D. übellaunig und mit grimmiger Miene durch den Oberhofer Schnee, sechs Fahrkarten in der Verfolgung hatten ihr endgültig den Rest gegeben.

Und weil die 26-Jährige keine Zeit zu verlieren hatte, lautete die Devise: Bloß weg von hier! Die Hoffnung heißt Ruhpolding.

Gössner bangt um WM-Teilnahme

Miriam Gössner reiste aus Oberhof vorzeitige ab um zu regenerieren - was allerdings nur die halbe Wahrheit war. Denn nach enttäuschenden Wettkämpfen in Sprint und Verfolgung war für Gössner am Sonntag im Massenstart der 30 besten Athletinnen schlichtweg kein Platz.

Auch der Auftakt ins neue Jahr warf somit die Frage auf, ob die dreimalige Weltcup-Siegerin je wieder an alte Erfolgszeiten anknüpfen kann. Und während ihre erfolgreichen Teamkollegen um Laura Dahlmeier und Simon Schempp von Erfolg zu Erfolg eilen, läuft Gössner allmählich die Zeit davon.

Noch hat sie die Qualifikation für die WM in Hochfilzen/Österreich (9. bis 19. Februar) nicht geschafft. Die Weltcups in dieser Woche in Ruhpolding und Ende Januar in Antholz bleiben Gössner noch, um den Trainern zu zeigen: Hey, an mir führt kein Weg vorbei!

Die Hoffnungen ruhen dabei vor allem auf den Rennen beim zweiten Heimspiel im Chiemgau. Dort, wo Gössner 2012 an der Seite der großen Magdalena Neuner mit WM-Gold in der Staffel den größten Erfolg ihrer Karriere gefeiert hatte.

Laura Dahlmeier (l.) und Miriam Gössner

Laura Dahlmeier (l.) und Miriam GössnerImago

Und sollte sie es tatsächlich noch schaffen, die Entscheider von sich zu überzeugen, droht ihr nichtsdestotrotz wie im vergangenen Jahr in Oslo die Rolle als WM-Touristin.

Denn Überfliegerin Laura Dahlmeier, Franziska Hildebrand und Franziska Preuß dürften gesetzt sein, Vanessa Hinz und Maren Hammerschmidt liegen im Gesamtweltcup auch vor Gössner.

Gössner überzeugte nur in Pokljuka

Sicherlich, Hinz und Hammerschmidt haben auch immer wieder schwächere Wettkämpfe, aber sie liefern auch die Ausreißer nach oben, den es bei Gössner in dieser Saison nur einmal gegeben hat.

Der zehnte Platz vom Sprint in Pokljuka steht bislang als bestes Resultat in den Ergebnislisten, ansonsten lesen sich die Platzierungen der Freundin von Alpin-Star Felix Neureuther ernüchternd: 82, 37, 54, 25, 59, 50, 26, 24.

Wenn sich daran nichts ändert, muss sich Gössner ohnehin keine Gedanken über die WM machen. Denn die vom Deutschen Skiverband (DSV) geforderte WM-Norm (einmal Top 8 oder zweimal Top 15) hat sie noch immer nicht erfüllt - als Einzige im erfolgsverwöhnten deutschen Team.

Dabei sah sie sich nach dem schrecklichen Mountainbike-Unfall im Frühjahr 2013, der sie beinahe in den Rollstuhl gebracht hätte, eigenen Angaben zufolge schon wieder auf dem aufsteigenden Ast. "Ich habe wirklich gut trainiert und strahle so viel, weil ich gerade mit meiner Lebenssituation sehr zufrieden bin", hatte sie dem "SID" vor dem Weltcup-Auftakt noch gesagt.

Sie wolle "die Aufgaben erfüllen und einen guten Job machen", lautete damals die Devise, "und ich wünsche mir, dass es endlich wieder ein guter Winter wird." Danach sieht es im Moment allerdings ganz und gar nicht aus.

Video - Biathlon Massenstart in Oberhof: Koukalová siegt vor Dahlmeier

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