Getty Images

Lewis Hamilton nicht der Schnellste: Was Mercedes wieder rettete

Hamilton nicht der Schnellste: Was Mercedes erneut rettete

08/10/2017 um 17:29

Lewis Hamilton (Mercedes) betont nach seinem Sieg beim Japan-GP, dass Verfolger Max Verstappen ihn stärker unter Druck gesetzt hätte als es den Anschein erweckte. Wie der WM-Führende erklärt, sei der Red Bull nicht nur vor einer Woche in Sepang, sondern auch in Suzuka das bessere Auto gewesen. "Ich denke, er war heute schneller - nur ein bisschen schneller", räumt Hamilton ein.

"Er war immer in der Lage, die Zeiten, die wir gefahren sind, mitzugehen."

Die Differenz auf einer möglichen Vollgas-Runde im Renntrimm beziffert der Brite mit "mindestens einer Zehntelsekunde" zugunsten Verstappens. Jedoch befand sich auch Hamilton nicht am Limit, weil er zurückgepfiffen wurde. Sportchef Toto Wolff behielt die WM im Blick - und seine Ingenieure hatten Ferrari im Vorfeld offenbar stärker eingeschätzt als Red Bull: "Als wir wussten, dass Sebastian Vettel ausgeschieden ist, ging es nur darum, es nach Hause zu bringen", sagt er.

Dass Hamilton am Schluss die Reifen einbrachen, bewies, dass Mercedes nicht zu konservativ vorgegangen war. Im Cockpit rechnete der spätere Sieger drei Runden vor Ende mit dem Schlimmsten, als die zur Überrundung anstehenden Fernando Alonso und Felipe Massa zunächst nur ihn aufhielten - und Verstappen in seinem Diffusor hing: "Ich habe so viel Zeit verloren. Sein Auto wurde in meinen Rückspiegeln riesig groß. Ich dachte: 'Oh mein Gott, das ist richtig, richtig knapp!'"

Massa-Hilfe kurz vorm Ziel

Hamilton sorgte sich um eine Attacke Verstappens, weil der Red Bull mit seinem Abtriebsplus in den kurvigen Sektoren eins und zwei ohne die Hilfe anderer Autos Boden gutmachte. Mit dem in Suzuka wirkungsvollen DRS wäre der Niederländer wohl in der Lage gewesen, den Topspeed-Nachteil gegenüber Mercedes auszugleichen - zumal Hamilton Verstappen früh im Windschatten vermutet hätte. Der RB13 offenbarte kaum Probleme mit Luftverwirbelungen anderer Boliden: "Wenn ich aber in der Nähe von jemandem war, konnte ich nicht hinterherfahren", moniert er.

Felipe Massa beim Rennen in Japan

Felipe Massa beim Rennen in Japan Getty Images

Doch so locker wie noch in Malaysia hätte Hamilton Verstappen nicht ziehen lassen, wären ihm Alonso und Massa nicht zur Hilfe gekommen. Nicht, weil der Tempounterschied der Autos kleiner, sondern weil sein Siegeshunger war größer: "Heute dachte ich mir: 'Er hat das vergangene Rennen gewonnen. Dieses überlasse ich ihm nicht. Der Kerl hinter mir ist viel jünger. Ich muss meinen Mann stehen, Reife zeigen und vorne bleiben. Zeigen, dass ich im Herzen noch sehr jung bin.'" Verstappen quittiert die Aussage daraufhin breit grinsend: "Und ich dachte mir: 'Der Typ ist so alt!'"

Hohe Temperaturen von Vorteil

Mit einem zweiten Halt bei der Crew und frischen Pneus auf sich abzeichnende Grip-Probleme zu reagieren, war übrigens nie eine Option für Hamilton und Mercedes. "Eine Einstoppstrategie war das Mittel der Wahl. Wir hätten zwei Reifenwechsel unmöglich hinbekommen, aber wir waren mit dem Verschleiß und dem Abbau definitiv am Limit", sagt der WM-Führende. Weiterer Vorteil: So konnte Hamilton Verstappen nach dessen Tausch von Supersoft auf Soft in die Box folgen, ohne hohes Risiko gehen zu müssen. Seine Outlap hätte er sogar "locker angehen" können, meint Hamilton.

Zu verdanken war es auch den höheren Temperaturen am Rennsonntag in Suzuka, die den empfindlichen W08 in sein Arbeitsfenster brachten. Das Thermometer war im Vergleich zum Qualifying um fünf Grad auf 27 Grad Celsius geklettert - genau richtig für den Silberpfeil, der bekanntermaßen auch mit Hitze nicht klarkommt. "Die Strecke war so warm wie nie an diesem Wochenende. Es war elementar für uns", betont Hamilton. Auch Wolff weiß: "Die höheren Temperaturen haben uns geholfen. Es war auf den Supersoft klar zu sehen - da hatten wir das schnellste Auto auf der Strecke."

Video - Michael Schumacher: Der größte Formel-1-Fahrer aller Zeiten

01:46
0
0