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Der LIGAstheniker: Die Eberl-Posse - Flunkerei statt echte Fakten

Der LIGAstheniker: Die Eberl-Posse - Flunkerei statt echte Fakten

20/03/2017 um 15:15Aktualisiert 20/03/2017 um 22:51

Für den LIGAstheniker ist der Eiertanz von und um Max Eberl und dessen möglichen Wechsel von Borussia Mönchengladbach zum FC Bayern München ein echtes Ärgernis. Die immer wiederkehrende Flunkerei statt echter Fakten um den Posten des Sportdirektors oder Sportvorstandes beim FCB dauert ihm schon viel zu lange und schadet allen Beteiligten.

Es gehört offensichtlich zu den ironischen Brechungen des hiesigen Fußballgeschäfts, dass man für das so richtig berühmt werden kann, was man gar nicht ist.

Nehmen wir also mal Max Eberl, den neuen Sportdirektor des FC Bayern, der er nicht ist. Noch letztes Jahr hätte bei einer typischen Fußgängerzonenumfrage kaum einer beantworten können, welche Aufgabe bei welchem Verein "Max Wer?" bitte innehabe. Heute ist Eberl der Mann, der bei Bayern ab Sommer eine Schlüsselposition besetzen soll. Jedenfalls ist er jetzt berühmt und ein Star. Das scheint ihm zu gefallen.

Offenkundige Flunkerei

Gestern Abend also Gladbach gegen Bayern, DER 70er-Jahre-Klassiker schlechthin. Über das Spiel redet kaum einer, aber alle reden über ihn, den Max aus dem niederbayerischen Bogen, der den selbigen ziemlich überspannt (Achtung Wortwitz!).

Max macht nicht das, was jeder Wirtschaftsführer, Automanager oder Hollywood-Star in einer vergleichbaren Situation tun würde, also den Fernsehkameras aus dem Weg gehen oder zumindest die "Kein Kommentar"-Salve der neugierigen Öffentlichkeit um die Ohren schießen. Was macht Max? Er kokettiert mit der Situation, er gefällt sich in seiner Nachgefragtheit.

Eberl soll im Visier des FCB sein, Rummenigge dementiert

Eberl soll im Visier des FCB sein, Rummenigge dementiertSID

Wenn es noch eines Beleges bedurft hätte, dass die Bayern (in Person von Uli Hoeneß) ihm tatsächlich eine (mutmaßlich mündlich formulierte) "Max, könntest Du Dir vorstellen..."-Anfrage haben zukommen lassen, dann ist es genau diese Koketterie, die Eberl entlarvt.

Er erzählt bei Sky in aller Breite, er könne Bayern gar nicht absagen, weil es gar kein Angebot gebe. Natürlich hätte er mit Hoeneß gesprochen, aber natürlich nicht über die Sportdirektorenfrage. Sondern über dessen sonntägliche Freizeitgestaltung, womöglich auch noch über das Befinden seiner Frau oder die Qualität seiner Bratwürste. 'türlich, 'türlich, sicher doch. Wenn man so offenkundig angeflunkert wird, wird es ärgerlich.

Eberl verplappert sich

Im Grunde ist es doch ganz einfach. Gibt es dieses ominöse Angebot der Bayern an Eberl tatsächlich, dann reicht ein "Kein Kommentar! Bitte um Ihr Verständnis" völlig aus. Oder er verweigert ein öffentliches Statement, kann man ihn schließlich nicht dazu zwingen. Gibt es dieses Angebot nicht, könnte er einfach sagen, er wird auch in der kommenden Saison bei der Borussia arbeiten und seinen Vertrag erfüllen, ohne wenn und aber. Beides aber macht er nicht.

Stattdessen versteckt er in scheinbar klaren Ansagen Minibotschaften, die seinen neuen Arbeitgeber beruhigen sollen. Auch gestern wieder. "Aktuell" sei es Fakt, dass er bleibe, eiert Eberl herum. "Hoffentlich" noch drei Jahre. Was aber bitte ist ein aktueller Fakt? Einer, der schon morgen nicht mehr aktuell ist, beziehungsweise kein Fakt mehr? Und warum hoffentlich? 2020 steht schließlich in seinem Vertrag. Hat er vor, diesen, aus welchen Gründen auch immer, gar nicht einzuhalten?

Eberl, das wird offensichtlich, verplappert sich zusehends, je länger die Posse um seine Person andauert. Und sie dauert schon viel zu lange.

Video - Eberl erklärt: So baue ich eine Erfolgsmannschaft

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Programmatisches Patt

Zur Erinnerung: Anfang Februar hatte Philipp Lahm den Bayern überraschend abgesagt. Überraschend deshalb, weil der Klub und vor allem Vorstandsboss Rummenigge davon sichtlich überrumpelt wurden. Jener Rummenigge, der den Mitgliedern noch auf der Jahreshauptversammlung im November letzten Jahres - ohne jede Not und Absprache mit seinem Präsidenten - signalisierte, die Lahm-Personalie sei nur noch Formsache ("...den Namen haben Sie sicher schon gehört, den werden wir auch holen, aber der muss im Moment noch Fußball spielen"). Eindeutiger ging es nicht. Dachte man.

Karl-Heinz Rummenigge

Karl-Heinz RummeniggeImago

Gut eine Stunde später auf der mitternächtlichen ersten Pressekonferenz des neuen und alten Präsidenten Hoeneß klang die Lahm-Chose schon wieder deutlich diffuser. Warum, ist heute klar. Rummenigge wollte Lahm unbedingt, Hoeneß aber will bis heute Max Eberl auf dem Posten installieren, über den schon damals heftig spekuliert worden war. Diese programmatische Pattsituation in der Führung des FC Bayern ist bis heute dafür verantwortlich, warum sich im Fall Eberl nichts bewegt. Der Max möchte, so heißt es, das "Ja" von Beiden, das er offenbar nicht bekommt.

Klar ist vor allem eins: Die Causa Eberl ist alles, nur kein gehaltloses Gerücht. Denn es ist schlicht undenkbar, dass sich der FC Bayern eine derartige öffentliche Diskussion über Monate bieten lässt, ohne dass tatsächlich was dran ist.

Video - kicker.tv - Der Talk: Die ganze Sendung mit Max Eberl, Thomas von Heesen und Uli Borowka

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