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Eintracht Frankfurt - Fredi Bobic exklusiv: "Alles was jetzt kommt, ist ein zusätzliches Bonbon"

Bobic exklusiv: "Alles was jetzt kommt, ist ein zusätzliches Bonbon"

18/02/2017 um 15:36

Eintracht Frankfurt spielt eine herausragende Saison. Eurosport.de sprach mit Sportvorstand Fredi Bobic über seinen Verein, den FC Bayern und BVB-Trainer Thomas Tuchel. Der Ex-Nationalspieler geht davon aus, dass die Meisterschaft schon lange entschieden ist. Dahinter kämpfen die anderen Mannschaften um die internationalen Plätze. Außerdem äußert sich Bobic zur aktuellen Situation von Mario Götze.

Das Interview führte Dirk Adam

Eintracht Frankfurt spielt eine starke Saison. Was sind die Gründe, dass die Rädchen alle so gut ineinandergreifen?

Fredi Bobic: Nach der letzten Saison waren wir davon getrieben, dass wir etwas ändern mussten. Das haben wir von Beginn an gemacht. Wir hatten viele Personalwechsel. Fast um die 30, Spieler die kamen oder gingen, oder auch im Kompetenz-Team, um die Mannschaft. Ich habe mit Niko Kovac und Bruno Hübner zusammengesessen, um den neuen Kader zu planen. Das war vom ersten Tag an einfach fantastisch. Dass es am Ende des Tages so gut funktioniert, hätten wir sicher nicht für möglich gehalten. Wir haben uns im Sommer gewünscht, eine sorgenfreie Saison zu spielen. Diesen Wunsch haben wir uns erfüllt. Alles was jetzt noch kommt, ist ein zusätzliches Bonbon.

Wie viel Freiheit haben Sie bei Ihrer Arbeit als Sportvorstand und was läuft schwerer als gedacht?

Bobic: Wir wissen, wo wir stehen, wir stehen vom Budget her im letzten Drittel der Liga. Aber Wachstumschancen sind vorhanden, wenn auch auf einer soliden Basis mit einem sehr niedrigen Level. Wir jammern deswegen nicht, sondern versuchen aus den bestehenden Möglichkeiten das Beste zu machen. Punktuell investieren wir lieber in die Qualität des Umfelds, als immer nur direkt in die Mannschaft. Wir wollen die Jungs, die wir haben besser machen. Wir sind ein gehobener Ausbildungsverein. Früher oder später wird uns ein Talent, das sich bei uns gut entwickelt hat, auch verlassen. Dementsprechend können wir Geld einspielen und das Budget weiter steigern.

Wer sind die wichtigsten Spieler bei Eintracht Frankfurt, die auf jeden Fall bleiben sollen?

Bobic: Wichtig sind vor allem unsere erfahrenen Spieler. Man braucht eine gewisse Achse. Da hat sich Lukas Hradecky im Tor herauskristallisiert, mit dem wir verlängern wollen. Da haben wir noch etwas Zeit, da müssen wir nicht in Eile verfallen. David Abraham auf der Innenverteidiger-Position, oder Spieler Timothy Chandler und Bastian Oczipka, die schon länger da sind und eine sehr gute Saison spielen, sind sehr wichtig für die Mannschaft. Oder im Mittelfeld Hasebe oder Alexander Meier im Sturm, der schon ewig dabei ist. Wir haben viele junge Spieler, die sich an den erfahrenen Leuten orientieren. Das ist wichtig, dass der Prozess bei uns funktioniert.

Makoto Hasebe schießt die Eintracht auf die Siegerstraße

Makoto Hasebe schießt die Eintracht auf die SiegerstraßeSID

Der letzte Spieltag lief komplett für Bayern München. Ist die Meisterschaft schon entschieden?

Bobic: Die Meisterschaft war für mich schon entschieden. An die Märchen-Story von Leicester City in der Premier League habe ich bei RB Leipzig nicht geglaubt. Sie spielen mit einem extrem hohen Aufwand bei Topspielen wie gegen München. Da hat man das gesehen, dass sie noch nicht so weit sind dem großen FC Bayern wirklich ein Bein zu stellen. Aber sie haben Bayern geärgert - und das ist schon mal gut. Dortmund ist sicherlich ein bisschen hinter den Erwartungen zurück. Dann gibt es den großen Kampf zwischen Platz drei und sieben. Mit Gladbach, Schalke und Leverkusen folgen drei starke Mannschaften, die sicher noch heranrücken werden. Aber die Meisterschaft hat Bayern München ganz klar schon sicher.

RB Leipzig hat gegen den vermeintlichen Abstiegskandidaten Hamburger SV verloren. Ist bei den Sachsen die Luft schon raus?

Bobic: Das glaube ich nicht. Ich denke, dass sie zurückkommen werden. Dass Leipzig einmal verloren hat, ist nichts Schlimmes. So etwas passiert. Sie hatten gegen den HSV einen schlechten Tag. In Leipzig wird von heute auf morgen nicht alles zusammenbrechen, dafür sind sie zu gefestigt und haben auch wirklich Qualität im Kader - vor allem in der Offensive.

Wie beurteilen Sie das Konzept RB Leipzig?

Bobic: Natürlich dürfen wir über dieses Konstrukt diskutieren, aber Anfeindungen jeglicher Art, die weit über die rote Linie gehen, sind absolut fehl am Platz. RB Leipzig spielt seit sieben Monaten in der Bundesliga. Das sollten wir respektieren.

Sind Kollektivstrafen, wie beim BVB mit der Sperrung der Südtribüne der richtige Weg?

Bobic: Ich habe grundsätzlich mit Kollektivstrafen immer Probleme, weil es meistens die Falschen trifft. Das hatten wir in Frankfurt nach dem Magdeburg-Spiel auch. In diesem Fall wurde der Täter sogar erkannt und gestellt. Trotzdem wurde kollektiv bestraft. Damit habe ich ein Problem, denn die meisten waren daran nicht beteiligt. Deswegen macht es keinen Sinn und es ist kein schönes Bild für den Fußball.

Werden die Leute, die so etwas initiiert haben oder ausrasten, zu gering bestraft?

Bobic: Wir haben sehr viele Sicherheitssysteme in den Stadien mit unheimlich vielen Kameras. Dann sollte man die Leute auch gezielt herauspicken und aus den Stadien raushalten.

Während es in Frankfurt läuft, kommt der BVB nicht in Schwung. Ist Thomas Tuchel der richtige Trainer für Borussia Dortmund?

Bobic: Ich halte Thomas Tuchel für einen hervorragenden Trainer. Vor allem wenn man sieht, wie viele junge Spieler er im Kader hat. Beim BVB gab es einen kleinen Umbruch, nachdem drei große Spieler gegangen sind. Sie haben viel Geld investiert und große Talente geholt. Wir hätten am liebsten auch gerne den ein oder anderen gehabt. Aber wir haben die finanziellen Mittel nicht.

RB Leipzig gegen Eintracht Frankfurt

RB Leipzig gegen Eintracht FrankfurtImago

Wie geht's mit Tuchel weiter?

Bobic: Man muss Tuchel für diesen Umbruch ein bisschen Zeit geben. Natürlich wird er daran gemessen, sich mit dem BVB für die Champions League zu qualifizieren - das weiß Tuchel auch. Ich glaube, dass es der BVB nach 34 Spieltagen schaffen wird, auf diesen Champions League Platz zu kommen. Dortmund wird gegen alle, die wie Frankfurt oder Hoffenheim davon träumen, das Rennen machen.

Mario Götze steht beim BVB auf dem Abstellgleis? Kann er sich in Dortmund durchsetzen?

Bobic: Das kann ich von außen schwer beurteilen. Das ist ein extrem schwieriges Thema. Ich denke, Tuchel stellt immer die Spieler auf, von denen er überzeugt ist, dass sie ein Spiel gewinnen können. Da spielen auch die Trainingsleistungen eine Rolle. Ob es wirklich ein Problem bei Götze gibt, weiß ich nicht. Ich finde es aber schade, weil er unglaubliche Voraussetzung hat und ein extrem talentierter Fußballer ist. Nur die Beteiligten selbst können sagen, was der Kern des Problems ist.

Wie sehen Frankfurts Ziele aus? Auch Richtung internationales Geschäft?

Bobic: Das wäre sicherlich etwas ganz Besonderes, aber darüber machen wir uns keine Gedanken. Wir sind mit der Strategie gut gefahren, erst einmal die 40 Punkte voll zu machen. Jetzt fehlen uns noch fünf - und die wollen wir so schnell wie möglich haben. Dann wollen wir uns oben festbeißen. Falls wir am Saisonende auf Platz neun landen, haben wir mit unseren Möglichkeiten eine überragende Saison gespielt. Da muss keiner enttäuscht sein. Aber Fakt ist, dass wir wirklich von Spiel zu Spiel denken. Man muss in jedem Spiel 100 Prozent bringen, dann hat auch Eintracht Frankfurt die Chance, viele Spiele zu gewinnen.

Video - Bobic über die TV-Geld-Debatte: Keine Geschenke für Traditionsvereine

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