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FC Bayern München vor Umbruch: Kommen jetzt die Super-Transfers?

FC Bayern vor Umbruch: Kommen jetzt die Super-Transfers?

21/04/2017 um 08:25

Für den FC Bayern München ist das Aus in der Champions League nach den zwei Niederlagen gegen Real Madrid besiegelt. Um im direkten Vergleich mit den europäischen Spitzenteams auch künftig wettbewerbsfähig zu bleiben, muss der Verein eine große Herausforderung bewältigen. Eines steht schon jetzt fest: Die Verpflichtungen von Niklas Süle und Sebastian Rudy werden nicht reichen.

Der Frust saß tief beim FC Bayern nach dem deprimierenden Aus im Viertelfinale der Champions League gegen Real Madrid.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch sowie am folgenden Tag ließen die Münchner ihrer Wut freien Lauf, indem sie reichlich Tiraden gegen Schiedsrichter Viktor Kassai abfeuerten.

Schon ab Donnerstag, mit ein wenig mehr emotionalem Abstand, werden die Verantwortlichen jedoch - wie immer - die Lage scharfsinnig analysieren. Denn sie sind erfahren und schlau genug, um zu wissen, dass es zu kurz greift, das Ausscheiden allein an Kassai festzumachen.

Unter dem Strich waren Real und Cristiano Ronaldo einfach besser. Und genau dort gilt es bei der Planung der Zukunft anzusetzen. Es kommt auch nicht von ungefähr, dass jetzt bereits zum vierten Mal in Serie ein spanisches Spitzenteam spätestens im Halbfinale eine Nummer zu groß war.

Eine entscheidende Frage ist also: Wie verkürzt der FC Bayern den Abstand auf die Spanier wieder?

Franck Ribéry während Real Madrid - FC Bayern München

Franck Ribéry während Real Madrid - FC Bayern MünchenGetty Images

Ein heißer Transfer-Sommer naht

Die Antwort liegt dabei auch auf dem Transfermarkt. Schon der Sommer könnte diesbezüglich heiß werden. Niklas Süle und Sebastian Rudy von der TSG 1899 Hoffenheim stehen als Neuzugänge bereits fest, Kingsley Coman wird von Juventus Turin fest verpflichtet.

"Erste Schritte" nennt Vorstandschef diese Verstärkungen, wohlwissend, dass es mehr braucht, um die Abgänge des Kapitäns Philipp Lahm und des Strategen Xabi Alonso zu kompensieren. 2018/19 werden auch Franck Ribéry und Arjen Robben wohl nicht mehr da sein. Gleichzeitig müssen Akteure wie Joshua Kimmich, Douglas Costa, Coman und Renato Sanches erst noch reifen, ehe sie zu echten Leistungsträgern werden können.

Der nötige Umbruch erfordert Geduld, welche die Münchner mit ihren hohen Ansprüchen eher selten aufbringen.

"Natürlich verlassen uns mit Philipp und Xabi wichtige Spieler, die das Spiel sehr geprägt haben, aber dann wird man andere Spieler holen", wird Rummenigge in der "Sport Bild" zitiert.

Bricht der FC Bayern mit seinen Idealen?

Dort liegt aber auch ein Problem, denn die Summen für echte Spitzenspieler haben mittlerweile astronomische Höhen erreicht. Will der FC Bayern beispielsweise bei einem Antoine Griezmann von Atlético Madrid mitbieten, müssten sie mit einigen ihrer Ideale brechen. Bei Spielern wie Julian Brandt oder Benjamin Henrichs von Bayer Leverkusen, mit denen der Rekordmeister in Kontakt steht, ist die Chance schon höher.

2007/08 reagierte der FC Bayern auf die Weggänge von unter anderem Mehmet Scholl, Roy Makaay, Brazzo Salihamidzic oder Claudio Pizarro mit einer nie dagewesenen Transfer-Offensive mit Miroslav Klose, Luca Toni und Ribéry.

FC Bayern 2007/08: Klose, Toni, Ribéry

FC Bayern 2007/08: Klose, Toni, RibéryImago

Kaderplaner Michael Reschke schließt solche "Super-Transfers" allerdings aus.

Jahre ohne Titel könnten drohen

Die neue Philosophie, die vor allem auch Alt- und Neu-Präsident Uli Hoeneß vorantreiben will, beinhaltet dabei die verbesserte Förderung von Talenten, die künftig auf dem extra geschaffenen "FC Bayern Campus" ausgebildet werden sollen. "Es kann natürlich nicht der Sinn sein, dass wir Millionen in die Jugendausbildung investieren und den Talenten den Weg mit teuren Stars von außen verbauen", erklärt Hoeneß gegenüber der "Sport Bild" dazu. Seit David Alaba 2009 hat es kein Eigengewächs mehr zu den Profis geschafft.

Er und Rummenigge stehen nach den Absagen von Lahm und Max Eberl (Borussia Mönchengladbach) besonders in der Pflicht, da ihr Vorhaben, einen Sportdirektor zu installieren vorerst gescheitert ist. Sie müssen beweisen, dass sie alleine mit Reschke die richtigen Entscheidungen treffen. Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass Coach Carlo Ancelotti eher nicht der Mann für einen Neuaufbau ist. Hält Hoeneß deshalb den steten Kontakt zu 1899-Trainer Julian Nagelsmann?

Uli Hoeneß

Uli HoeneßImago

Es ist nicht mehr zu übersehen, dass in diesen Wochen und Monaten der Start in eine andere Zukunft, eine neue Ära, vollzogen wird. Der FC Bayern muss sich neu ausrichten und es wird etwas dauern, bis der Übergang vollzogen ist. Womöglich luchst RB Leipzig oder Borussia Dortmund den Münchnern in dieser Phase den einen oder anderen Meistertitel ab.

Und vielleicht saß der Frust nach dem Aus gegen Real auch deshalb so tief, weil die Bayern schon ahnen, dass die Chancen auf einen erneuten Triumph in der Champions League in den nächsten Jahren nicht unbedingt größer werden.

Festzuhalten bleibt jedoch: Der FC Bayern kann selbstbewusst nach vorne schauen, weil die Voraussetzungen in allen Bereichen stimmen. Gelingt es den Bossen damit tatsächlich, das Bayern-Gen in die neue Vereins-DNS zu verpflanzen, muss den Spaniern - und nicht nur diesen - mittel- und langfristig das Herz wieder in die Hose rutschen.

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