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Marvin Compper von RB Leipzig exklusiv: "Geben uns nicht mit Zwischenschritten zufrieden"

Leipzigs Compper exklusiv: "Geben uns nicht mit Zwischenschritten zufrieden"

18/07/2017 um 20:54

Marvin Compper hat sich im exklusiven Gespräch mit Eurosport.de zu den Zielen von Vizemeister RB Leipzig in der kommenden Saison geäußert. "Die Champions League soll erst der Anfang sein. Wir wollen uns etablieren", sagte der 32-Jährige, der genau wie sein Verein erstmals in Europas "Königsklasse" vertreten sein wird. Außerdem spricht Compper über Timo Werner und die Anfeindungen gegen RB.

Das Interview führte Tobias Hlusiak

Eurosport: Herr Compper, die Vorbereitung läuft seit einigen Tagen. Ist die Champions-League-Euphorie im Leipziger Umfeld zu spüren?

Marvin Compper: "Ein Stück weit auf alle Fälle. Man sieht, dass jeder darauf fokussiert ist, sich bestens auf die schweren Aufgaben vorzubereiten, die dieses Jahr auf uns warten."

Mit 32 Jahren sind auch Sie persönlich endlich in Europas "Königsklasse" angekommen. Hat sich damit ein Traum erfüllt?

Compper: "Absolut. Seit Beginn meiner Karriere habe ich davon geträumt, mich auf diesem Niveau beweisen zu dürfen. Als ganzes Team haben wir uns das einfach verdient. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns gut präsentieren werden. Mal schauen, was wir schaffen können."

Wie wichtig ist es für einen Profi, dort mal gespielt zu haben. Hatten Sie das Gefühl, es hat ihnen bislang etwas gefehlt?

Compper: "Man sollte nicht nur darauf schauen, was man nicht erreicht hat, sondern viel mehr auf die Dinge, die man erreicht hat. Da würden sich in meinem Fall viele andere Spieler die Finger nach lecken. Ich habe viele tolle Dinge erleben dürfen. Andererseits sollte man sich als Profi nie zufriedengeben und stets nach Größerem streben. Das habe ich mit meinem Wechsel zu RB getan, obwohl viele zu Beginn dachten 'Der macht sich jetzt ein paar ruhige Tage in Leipzig…' Aber ich wollte meine Leistung vom ersten Tag an weiter steigern. Dass wir die Champions League schon im dritten Jahr erreichen, hätte ich nicht zu träumen gewagt. Ich bin super glücklich, dass wir das gepackt haben und freue mich auf die Herausforderung."

Viele ihrer Mannschaftskollegen sind im Vergleich zu Ihnen sehr jung. Weisen Sie hier und dort darauf hin, wie hoch dieser Erfolg zu bewerten ist, gerade weil sie so lange gewartet haben?

Compper: "Das muss jeder Spieler für sich selbst einordnen. Grundsätzlich haben wir aber eine sehr ehrgeizige Mannschaft. Das ist gut, weil sich niemand mit Zwischenschritten zufriedengibt. Viele der Jungs haben schon eine Menge gezeigt, haben aber auch noch jede Menge Potenzial. Wir müssen versuchen, uns weiter zu verbessern. Das ist unsere Maxime hier in Leipzig. Dafür steht RB: immer weiter zu arbeiten, aber demütig zu bleiben. Das ist Teil unserer DNA."

RB Leipzig

RB LeipzigGetty Images

Letzte Saison waren Sie Stammspieler, haben 25 Bundesliga-Spiele gemacht. Zur Belohnung gab es einen neuen Vertrag mit der Laufzeit bis 2019. Hatten Sie das Gefühl, dass Ihr Weg mit RB noch nicht zu Ende ist?

Compper: "Die Champions League soll erst der Anfang sein. Wir wollen uns etablieren. Wir gehen erst in die zweite Bundesliga-Saison mit diesem sehr jungen Verein. Mein persönlicher Weg ist darüber hinaus nicht zu Ende. Ich bin hier, um meine bestmögliche Leistung einzubringen und will dann auch den jungen Spielern weiter eine Unterstützung sein, wenn es notwendig ist. Ich werde auch den neuen Spielern mit Rat und Tat zur Seite stehen. Unsere größte Stärke ist, dass wir eine eingeschworene Mannschaft sind. Das gilt es zu pflegen."

Sportdirektor Ralf Rangnick lobt vor allem Ihre Sprachbegabung und ihren hohen Integrationsfaktor. Wie wichtig ist es Ihnen, diese sportfremden Kompetenzen ins Team einzubringen?

Compper: "Ich würde sie nicht als sportfremd bezeichnen. Ich denke, dass in einer Gemeinschaft, die tagtäglich zusammenarbeitet und funktionieren muss, das Miteinander auch außerhalb des Platzes besonders wichtig ist. Für die neuen Spieler aus dem Ausland ist es natürlich einfacher Anschluss zu finden, wenn jemand da ist, der mehrsprachig ist. Sie haben einen Ansprechpartner innerhalb der Mannschaft, nicht nur im Trainerteam. Man kann sich gegenseitig besser helfen, sowohl auf dem Platz als auch außerhalb. Das ist aber nur ein kleiner Aufgabenbereich, den ich gerne erfülle. Alles steht und fällt aber mit meiner persönlichen Leistung. Wenn ich die nicht bringe, nimmt auch niemand etwas von mir an."

Wie ist denn Ihre Ansprache an die jungen Kollegen? Gerade wenn junge Spieler wie Naby Keita oder Emil Forsberg über Wochen die Schlagzeilen bestimmen, wird da mal einer "eingenordet"?

Compper: "Das ist nicht die Art, wie wir kommunizieren. Die Spieler, die nach Leipzig geholt wurden, sind alle integre Charaktere, bodenständige Jungs. Sie haben sich in den letzten Jahren fantastisch integriert und entwickelt, anders wäre dieser Erfolg gar nicht möglich gewesen. Wichtig ist, dass wir diesen Umgang beibehalten. Das ist aber nicht unbedingt meine Aufgabe als Mitspieler, da geht es vielmehr um den ganzen Verein. Das Trainerteam hat alles hervorragend im Griff. Sollte es aber so sein, dass mir etwas auffällt, spreche ich den Kollegen darauf an. Dieses Szenario gab es bislang aber nicht."

Die Begehrlichkeiten an Timo Werner, Keita und Forsberg verändern die Wahrnehmung von RB in der Öffentlichkeit. Haben Sie die Befürchtung, dass dies Einfluss auf die Leistung haben könnte?

Compper: "Ich hoffe und denke das auch nicht. Wir sind eine junge Mannschaft, das ist unsere Philosophie. Dass bei den guten Leistungen unserer jungen Spieler natürlich Begehrlichkeiten bei größeren Vereinen geweckt werden, ist in diesem Geschäft so und völlig normal. Worauf sich bei uns alle konzentrieren sollten, ist jede Woche die bestmögliche Leistung auf den Platz zu bringen. Dann werden wir es auch schaffen, uns langfristig im oberen Teil der Tabelle zu etablieren."

Timo Werner (RB Leipzig)

Timo Werner (RB Leipzig)Getty Images

Werner wird seit einigen Monaten von vielen Zuschauern aufs Übelste beschimpft. Welchen Rat können Sie ihm geben, damit umzugehen?

Compper: "Die Aussagen von Bundestrainer Jogi Löw und Mitspielern bei der Nationalmannschaft haben den Deckel auf dieses Thema gemacht. Damit ist dann nun auch wirklich alles dazu gesagt."

Auch RB Leipzig war besonders bei Auswärtsspielen teils heftiger Kritik ausgesetzt. Haben Sie die Hoffnung, dass in der zweiten Saison etwas mehr Normalität einkehrt und die öffentlichen Anfeindungen nachlassen?

Compper: "Wir haben das gar nicht so wahrgenommen. Vielmehr spüren wir mehr Anerkennung und Respekt für unsere Leistung und unser Auftreten. Dass wir auswärts nicht überall mit offenen Armen empfangen werden - was ja übrigens wirklich bei fast allen Mannschaft der Fall ist - interessiert uns nicht. Das hat uns im letzten Jahr nicht tangiert, es hat unsere Leistung nicht tangiert und es wird uns dieses Jahr nicht tangieren."

Um die Mannschaft für die Saison breit aufzustellen, kam unter anderem Jean-Kevin Augustin von Paris Saint-Germain. Wie ist ihr erster Eindruck?

Compper: "Wir werden sehen, wie wir seine Stärken optimal in unser System einbauen können. Auch er wird genug Zeit bekommen, sich an unseren Spielstil zu gewöhnen. Aber er kommt von einem großen Verein und hat eine tolle Karriere in der Jugend hingelegt. Bei PSG hat er ebenfalls gezeigt, dass er bei einem der größten Vereine Frankreichs mitspielen kann. Er hat riesiges Potenzial und bringt alles mit, um ein wichtiger Bestandteil zu werden. Mein erster Eindruck ist absolut positiv."

RB Leipzig hat die Bundesliga als Aufsteiger ordentlich aufgemischt, wurde Vizemeister. Wie ist die Zielsetzung nach so einer überragenden Spielzeit?

Compper: "Wir haben keine Erfahrung darin, uns irgendwelche starrsinnigen Ziele und Platzierungen zu setzen. Zu Beginn der Saison schon an deren Ende zu denken, ist meiner Meinung nach auch kein guter Ratgeber. Wir sollten vielmehr darauf achten, immer 120 Prozent zu geben und versuchen jede Partie zu gewinnen. Diese Mentalität ist unsere große Stärke. Bekommen wir das wieder hin, werden wir einen guten Tabellenplatz erreichen. Wenn wir uns aber schon Gedanken machen, ob wir Dritter oder Vierter oder was auch immer werden, wird uns das nur ablenken und bremsen, in jedem Spiel das Maximum herauszuholen."


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