SID

Schalke 04: Ungewohnte Ruhe trotz des schlechtesten Saisonstarts der Bundesligageschichte

Ruhe vor dem Sturm? Heidel und Schalke leiden still
Von SID

22/09/2016 um 13:14

Nur wenige Fans pfiffen, der neue Manager wollte nicht "rumtoben", der Kapitän "die Ruhe bewahren". Schalke 04 ist so schlecht wie nie in eine Bundesliga-Saison gestartet und leidet still - völlig ungewohnt. "Ich sehe keinen Grund, in die Kabine zu gehen und da rumzutoben", sagte Christian Heidel nach der bitteren 1:3 (1:1)-Heimpleite gegen den 1. FC Köln.

Schalke 04 hat unter der neuen sportlichen Leitung den schlechtesten Saisonstart seiner Bundesliga-Geschichte hingelegt. Dennoch glauben alle, auf dem richtigen Weg zu sein. Manager Christian Heidel hat nicht den Eindruck, "dass hier etwas grundlegend falsch läuft".

Weltmeister Benedikt Höwedes assistierte nach der vierten Niederlage im vierten Spiel: "Es ist ja nicht so, dass wir grottenschlecht spielen. Wir dürfen jetzt nicht den Kopf verlieren, sondern müssen die Ruhe bewahren." Selbst die Zuschauer nahmen den schlechtesten Saisonstart in der königsblauen Bundesliga-Geschichte ohne laute Misstöne hin: Die meisten hatten die Arena schon lange vor dem Schlusspfiff verlassen.

Noch hat das traditionell unruhige Umfeld auf Schalke Geduld mit der neuen sportlichen Führung. Auch Trainer Markus Weinzierl, der dem runderneuerten Team nach ersten guten Ansätzen personell und spieltaktisch noch keine klare Linie geben konnte, hat offenbar mehr Kredit als seine Vorgänger. "Es war nicht alles schlecht", behauptete der neue Coach und verwies auf "fast 119 Kilometer" Laufleistung: "Jeder hat gesehen, dass wir unbedingt gewinnen wollten."

Es habe an "Kleinigkeiten" gefehlt, meinte er. Die summieren sich nach vier Bundesliga-Runden allerdings auf null Punkte und 1:8 Tore, eine noch schlechtere Startbilanz, als sie der umstrittene - und ein halbes Jahr später gefeuerte - Felix Magath vor sechs Jahren hinlegte (3:9 Tore). "Die Situation kann man nicht mit 2010 vergleichen", meinte Höwedes, "es hat sich so viel zum Positiven entwickelt. Was fehlt, sind die Ergebnisse."

Neues Personal, altes Schema

Gegen defensiv- und konterstarke Kölner war allerdings kein Fortschritt gegenüber der vergangenen Saison zu erkennen. Vom frühen Attackieren und schnellen Umschalten, das die Schalker beim 0:2 gegen Bayern München und beim 1:0 in der Europa League beim OGC Nizza gezeigt hatte, war nichts mehr zu sehen. Ohne Tempo und Ideen verfielen die Gelsenkirchener - trotz neuen Personals - in alte Schemata.

"Man kann besser Fußball spielen, keine Frage", gab Heidel zu: "Momentan fällt es uns noch schwer, eine tief stehende Mannschaft so auszuspielen, dass wir das Spiel gewinnen." Zweifel an dem eingeschlagenen Weg hat der neue Sportvorstand aber nicht: "Wir müssen in Ruhe weiterarbeiten, die Automatismen müssen rein. Es gibt keine andere Wahl."

Die Kölner, die zum dritten Mal in Folge in Gelsenkirchen gewannen, sind bereits zehn Punkte enteilt. Am Ende der vergangenen Saison hatten sie noch neun Zähler hinter Schalke gelegen. "Wenn man aus vier Spielen zehn Punkte holt, gibt's ordentlich Grund zu feiern - auf den Rängen und in der Stadt", sagte Mittelfeldspieler Matthias Lehmann, nachdem Yuya Osako (38.), Anthony Modeste (77.) und Simon Zoller (83.) nach dem Rückstand durch Klaas-Jan Huntelaar (36.) den dritten Saisonsieg gesichert hatten: "Das gibt uns eine breite Brust."

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