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Taktik-Check zu HSV - VfL Wolfsburg: So läuft der Relegationskrimi in Hamburg

Taktik-Check: So läuft der Relegationskrimi in Hamburg

20/05/2017 um 13:49

Geht es für den Hamburger SV zum dritten Mal in den vergangenen vier Jahren in die Relegation oder beginnt für den VfL Wolfsburg das große Zittern? Vor dem Kellerkrimi in Hamburg (Samstag ab 15:30 Uhr im Liveticker) analysiert Eurosport.de im Taktik-Check, auf welche Details es in diesem brisanten Duell der Mannschaften von Markus Gisdol und Andries Jonker ankommen wird.

Jonkers Ballbesitzfußball

Schaut man sich die strategische Herangehensweise der beiden Teams an, werden sofort große Unterschiede deutlich. Der VfL Wolfsburg verfügt über einen Kader mit hoher fußballerischer Qualität. Gerade im Zentrum ist man mit Spielern wie Maximilian Arnold und Josuha Guilavogui aus der Tiefe und weiter vorne mit Yunus Malli oder Daniel Didavi sehr spielstark besetzt.

Nur logisch, dass Trainer Andries Jonker mit diesem Spielermaterial auf ein kontrolliertes Ballbesitzspiel setzt. Durch geduldiges Passspiel und eine stimmige Feldaufteilung im letzten Drittel soll der Gegner eingeschnürt werden, sodass es irgendwann die Möglichkeit für den letzten Pass gibt.

Die offensiven Flügelspieler finden sich dabei oftmals im Zentrum wieder, um in diesem Bereich für kurze Passwege zu sorgen - die Außenbahnen werden von den offensiv ausgerichteten Außenverteidigern belaufen.

Jonker, der beim FC Bayern unter Ballbesitzguru Louis van Gaal als Co-Trainer arbeitete, setzt im Training auf Spielformen in sehr engen Feldern, um die Kreativität unter Druck zu fordern und zu fördern. Und eben jenen Druck dürfen sie von ihrem kommenden Gegner erwarten.

Gisdols geplantes Chaos

Der HSV schert sich nicht um lange Ballstafetten - im Gegenteil: Das Aufbauspiel läuft in der Regel nach dem guten alten Prinzip "hoch und weit bringt Sicherheit" ab. Wenn der Torwart oder einer der Innenverteidiger mal wieder einen langen Ball schlägt, mag das planlos aussehen. Doch die Mannschaft von Markus Gisdol nutzt dieses Mittel sehr bewusst, um Hektik zu provozieren.

Schon bevor der Ball lang geschlagen wird, positionieren sich die Hamburger Spieler sehr nah beieinander und stärken vor allem das Zentrum. Die drei offensiven Mittelfeldspieler im 4-2-3-1 rücken zusammen, dahinter sind die Sechser und die Außenverteidiger auf dem Sprung.

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Sobald der lange Ball runterkommt - egal ob von HSV-Mittelstürmer Bobby Wood oder einem gegnerischen Innenverteidiger geköpft -, presst der HSV mit einer atemberaubenden Intensität. Die Folge: Der Gegner muss hohes Risiko eingehen, um sich aus der Drucksituation zu befreien oder aber selbst einen langen Ball spielen.

Da die Hamburger zudem auch den geregelten Spielaufbau des Gegners aggressiv anlaufen und Abstöße zustellen, entwickeln sich in der Regel sehr hektische Spiele. Die Logik dahinter ist simpel: Da der Großteil der Mannschaften spielerisch besser ist, wird das Spiel so zerfahren wie möglich gestaltet, Qualitäten wie Einsatz und Fitness rücken stärker in den Vordergrund.

Lücken im HSV-Pressing als Schlüssel?

Gelingt es den Wolfsburgern jedoch, bei den wilden Hamburger Pressingattacken cool zu bleiben, bieten sich einige Chancen. Denn bei der intensiven Arbeit gegen den Ball tun sich beim HSV immer wieder große Lücken auf. So ist der Abstand zwischen Abwehr und Mittelfeld oft deutlich zu groß, wenn die Sechser auf Balljagd gehen.

Kann sich der starke Techniker Arnold beispielsweise mit einem kleinen Dribbling aus der ersten Drucksituation lösen, wird er den großen Raum zwischen den Linien bemerken. Hier treibt sich vor allem Malli gerne herum. Der ehemalige Mainzer versteht es wie kaum ein anderer Bundesligaspieler, sich im richtigen Moment hinter den gegnerischen Sechsern anspielbar zu machen. Mit seinen schnellen Drehungen kann er sofort Tempo aufnehmen und auf die gegnerische Viererkette zulaufen.

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Diese Situationen sind für jeden Abwehrspieler unangenehm zu verteidigen. Da hilft es auch nicht gerade, dass man auf einen Stürmer wie Mario Gomez achten muss, der ein nahezu perfektes Timing beim Belaufen der Schnittstellen hat - zuletzt präsentierte sich der Nationalspieler in starker Form.

Umstände sprechen für den VfL

"Wir spielen auf Sieg", hieß es unter der Woche von jedem Wolfsburger, der vor ein Mikro trat. Dass der VfL jedoch nur ein Unentschieden braucht, wird das Spiel aber stark beeinflussen.

Der HSV konnte mit seiner hektischen Spielweise vor allem gegen Mannschaften glänzen, die als hoher Favorit mit ebenso hohen Ambitionen in den Volkspark gereist waren. Leverkusen, Köln oder Hoffenheim wollten und mussten in Hamburg gewinnen, ließen sich dann aber vom HSV-Stil anstecken. Wolfsburg hingegen kann geduldig bleiben und sich das Ganze erst einmal anschauen. Hamburg muss treffen und mit zunehmender Spieldauer offensiver werden.

Eurosport-Check: Der HSV ist seit der Amtsübernahme von Gisdol zwar heimstark, dennoch liegen die Vorteile klar bei Wolfsburg. Jonkers Team hat die Qualität, sich aus dem Hamburger Pressing zu lösen und einen entscheidenden Nadelstich zu setzen.

Sollte Wolfsburg in Führung gehen, bräuchten die Hamburger zwei Tore zum Klassenerhalt - angesichts der doch sehr auf Zerstörung ausgelegten Spielweise ein schwieriges Unterfangen. Für den "Bundesliga-Dino" dürfte es also mal wieder in die Relegation gehen...

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