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Hannes Wolf über Verletzung von Christian Gentner: "Ein paar Knochen gebrochen"

"Wir hatten Riesenangst!" Drama um VfB-Kapitän Christian Gentner
Von SID

16/09/2017 um 19:38Aktualisiert 16/09/2017 um 21:41

Kapitän Christian Gentner vom VfB Stuttgart hat sich bei einem Foulspiel von Wolfsburgs Torwart Koen Casteels mehrere Knochenbrüche im Gesicht zugezogen. "Er hat definitiv eine schwere Gehirnerschütterung, wahrscheinlich auch ein paar Knochen gebrochen, aber die Ärzte sagen, er wird wieder komplett okay", sagte VfB-Trainer Hannes Wolf nach dem 1:0-Erfolg gegen die Wölfe.

Als Christian Gentner mit blutüberströmtem Gesicht bewusstlos auf dem nassen Rasen lag, stand in der Stuttgarter Mercedes-Benz Arena für einen Augenblick die Zeit still. "Das waren dramatische Momente, wir hatten Riesenangst, dass was passiert ist, was bleibende Schäden hinterlassen könnte", berichtete der hinzugeeilte VfB-Trainer Hannes Wolf später, und Sportvorstand Michael Reschke sagte mit blassem Gesicht:

"Wenn unser Doc nicht so schnell reagiert hätte..."

Lebensrettende Aktion

Dr. Raymond Best aber handelte sofort, holte dem nach einem Zusammenprall mit Torhüter Koen Casteels vom VfL Wolfsburg ohnmächtigen Gentner die Zunge aus dem Hals - und verhinderte so wohl Schlimmeres. Die Diagnose war dennoch wie befürchtet niederschmetternd: Gentner erlitt Brüche des unteren und seitlichen Augenhöhlenbodens, des Nasenbeins und des Oberkiefers. Er wird in Kürze operiert werden und danach lange fehlen.

"Es ist eine sehr bittere Nachricht sowohl für ihn und seine Familie als auch für uns", sagte Reschke.

"Die wichtigste Nachricht ist aber, dass er wieder vollständig gesund wird. Christian bekommt alle Zeit von uns, um vollständig fit zu werden. Anschließend freuen wir uns darauf, wenn wir unseren Kapitän wieder an Bord haben werden."

"Alle unter Schock"

Das konnten die 50.500 Zuschauer nur hoffen, als Casteels den heranstürmenden Gentner mit dem linken Knie und voller Wucht in der rechten Gesichtshälfte traf (85.). Gentner blieb minutenlang liegen, Fotos zeigen das Blut in seinem Gesicht, das zugeschwollene rechte Auge, die verschobene Nase. "Wir stehen noch alle unter Schock und können uns nicht so über den Sieg freuen", sagte Wolf nach dem 1:0 (1:0)-Erfolg, "wir sind noch alle bei unserem Captain."

Eine Anklage gegen Casteels erhob trotz der schlimmen Szene niemand. "Kein Vorwurf an ihn, das wollte er ganz, ganz sicher nicht", sagte Wolf. Reschke meinte zwar nach Ansicht der TV-Bilder, der Zusammenstoß habe "brutal" ausgesehen. Dass er ungeahndet blieb und der bereits verwarnte Casteels weiterspielen durfte, sei aber im Bangen um Gentner "völlig uninteressant, wurscht".

Ungeahndeter Torwartfehler

TV-Experte Markus Merk meinte bei "Sky", Casteels hätte "mindestens Gelb" sehen müssen. Der Belgier habe sein Knie "als Waffe benutzt". DFB-Schiedsrichterchef Hellmut Krug erklärte, Referee Guido Winkmann (Kerken) habe die Szene "als unglücklichen Zusammenprall gewertet" und Video-Assistent Deniz Aytekin diese Sichtweise auf Nachfrage bestätigt. "Regeltechnisch ist die Entscheidung zwar grenzwertig, aber vertretbar", sagte Krug.

Casteels bedauerte die schwere Verletzung Gentners, beurteilte die Szene allerdings ähnlich. "Wenn das Foul ist, muss man die ganze Jugendausbildung umstellen, ab fünf, sechs Jahren", sagte er. Schon da werde Torhütern beigebracht, "dass du das linke Knie mitnimmst, wenn du mit rechts hochgehst, 99 Prozent der Torhüter machen das so". Sein VfB-Kollege Ron-Robert Zieler unterstützte diese Argumentation.

Gentners Ausfall wiegt schwer für Stuttgart. "Er war in sehr, sehr guter Verfassung, er fehlt uns als Typ, mit seiner Ausstrahlung", sagte Reschke. Gegen schwache Wölfe gehörte der Ex-Wolfsburger zu den Besten, bildete mit Neuzugang Santiago Ascacibar ein dynamisches Duo. Gefeiert wurde zunächst aber Chadrac Akolo (42.) nach seinem zweiten Saisontreffer.

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