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Julian Weigl: Vergrault Peter Bosz Dortmunds Youngster?

"Das stimmt nicht": Wirbel um angeblichen Bosz-Streit mit Weigl

06/12/2017 um 18:10Aktualisiert 07/12/2017 um 00:07

Unter Thomas Tuchel stieg Julian Weigl bei Borussia Dortmund vom Newcomer in Rekordzeit zum Nationalspieler auf. Tuchels umstrittener Nachfolger Peter Bosz sieht den 22-Jährigen in einer veränderten Rolle - was dem gebürtigen Bayer offenbar sauer aufstößt. Droht der BVB seinen Hoffnungsträger im Mittelfeld zu verlieren - vielleicht sogar schon im Winter?

In der Halbzeit des Bundesligaspiels zwischen Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund wurde in der Kabine angeregt diskutiert. Thema war laut "Sportbild" der Spielstil von Sechser Julian Weigl, der sich nach Meinung seines Trainers Peter Bosz zu häufig tief in die eigene Hälfte fallen ließ, um sich am Spielaufbau zu beteiligen.

Demnach forderte der Niederländer den 22-Jährigen in der Pause auf, weiter vorn im Mittelfeld als Anspielstation bereitzustehen und sich nicht ständig vor der Abwehr die Bälle abzuholen.

Unter Thomas Tuchel war jedoch genau das die Stärke des Jungnationalspielers - der Spielaufbau.

Weigl widersetzt sich Bosz

In seiner bisher so erfolgreichen Dortmunder Zeit war Weigl Bindeglied zwischen Abwehr und Mittelfeld. In jedem Angriff hatte er seine Füße im Spiel. Eine Spezialität, durch die er sich zum unverzichtbaren Baustein einer der besten Mannschaften Deutschlands entwickelte.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf und dem daraus resultierenden Selbstvertrauen hielt Weigl in der zweiten Halbzeit des Leverkusen-Spiels trotz gegensätzlicher Anweisungen des Trainers an seiner Spielweise fest und provozierte so seine Auswechslung in der 66. Minute.

"Das stimmt nicht. Er hat alles gespielt seit Monaten, und ich glaube, dass es auch mal gut für ihn ist, dass er ein bisschen Ruhe hat. Wir haben für dieses Spiel einfach eine andere Wahl getroffen."

Und dennoch: Weigl und Bosz - das passt noch nicht wirklich.

"Es gibt auch Rückschläge"

Schuld daran sind aber nicht nur unterschiedliche Sichtweisen auf die Rolle des ehemaligen Münchners, das System oder zwischenmenschliche Spannungen: Vor allem Weigls lange Verletzungspause wirkt noch nach. Das weiß auch Sportdirektor Michael Zorc:

"Julian ist nach langer Veletzungspause noch auf der Suche nach seiner Bestform. Man darf nicht vergessen, dass er ein sehr junger Spieler ist, dessen Karriere bis jetzt immer nur steil nach oben gegangen ist. Doch es gibt natürlich auch mal Rückschläge."

Von seinem ersten echten Rückschlag erholt sich Weigl aktuell. Am vorletzten Spieltag der vergangenen Saison brach sich Weigl beim Auswärtsspiel in Augsburg das Sprunggelenk und fiel in der Folge vier Monate aus. Den Start unter Bosz inklusive Asienreise und Trainingslager in Bad Ragaz verpasste er.

Julian Weigl verletzte sich im Spiel gegen Augsburg

Julian Weigl verletzte sich im Spiel gegen AugsburgSID

Sein Comeback gab er am vierten Spieltag beim 5:0 gegen den 1. FC Köln. Seitdem gehört er wieder zum Stammpersonal der Borussia, wenn auch mit weniger direktem Einfluss auf das Spiel wie noch unter Tuchel.

Die Bosz-Philosophie sieht es vor, dass die hinterste Linie - also die Dreier- oder Viererabwehrkette - den Spielaufbau eigenverantwortlich übernimmt. Eine flache Sechs, wie Weigl sie in der Vergangenheit oft erfolgreich interpretierte, braucht Bosz nicht. Braucht Bosz daher auch Weigl nicht?

Denkt Weigl an Abschied?

Bei der BVB-Führung um Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc und seinen Teamkollegen genießt Weigl hohes Ansehen. Er gehört dem Mannschaftsrat an, verlängerte erst letztes Jahr seinen Vertrag in Dortmund bis 2021 - ohne Ausstiegsklausel.

Unzufriedenheit jedoch, ist der größte Feind von Verträgen - und an Vereinen, die den Dortmunder gerne verpflichten würden, mangelt es nicht. Manchester City und der FC Barcelona gehören ebenso zu den Interessenten wie das französische Superteam Paris Saint-Germain.

Isco gegen Julian Weigl

Isco gegen Julian Weigl Getty Images

Gut möglich, dass Weigl aufgrund seiner veränderten Rolle unter Bosz auch über eine Luftveränderung nachdenkt. Allerdings ist anzunehmen, dass die Führungsriege der Borussia an einen vorzeitigen Weigl-Abschied keinen Gedanken verschwendet. Als Fixpunkt im Dortmunder Mittelfeld soll der 22-Jährige auch in Zukunft eine wichtige Stütze bleiben.

Eine schwierige Situation, dessen Lösung nicht zuletzt an der Zukunft Bosz' hängt. Sollte der Niederländer die Borussia vorzeitig verlassen, könnte sich das Problem von selbst lösen. Ist das nicht der Fall, steht dem BVB neben den ständigen Diskussionen um Pierre-Emerick Aubameyangneuer Ärger ins Haus.

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