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Sigi-Heinrich-Blog: Werbepause beim FC Bayern München mit Jupp Heynckes

Heinrich-Blog: "Werbepause" beim FC Bayern

12/10/2017 um 06:19Aktualisiert 12/10/2017 um 09:19

Trainingsbeginn beim FC Bayern. Eine neue Zeitrechnung beginnt mit Jupp Heynckes, dem alten, neuen, künftigen, ewigen Coach an der Säbener Straße. In der Gedankenwelt von Eurosport-Blogger Sigi Heirnich geht's hoch her: Mats Hummels verteilt Shampoos, Arturo Vidal arbeitet an der Vidalisierung mit Stil, und Thomas Müller bringt Grills an den Mann. Zum Schluss gibt's sogar eine neue Bayern-Hymne.

Trainingsbeginn beim FC Bayern. Eine neue Zeitrechnung beginnt mit Jupp Heynckes, dem alten, neuen, künftigen, ewigen Coach an der Säbener Straße.

Es hat sich seit seinem letzten Engagement nicht viel verändert. Wieder schaut Uli Hoeneß von seinem Büro auf die Trainingsanlage, die Duschen sind unverändert an der gleichen Stelle und der Buddha, den einst Jürgen Klinsmann aufstellen ließ, um der Mannschaft geistige Stütze in allen Lebenslagen zu vermitteln, verstaubt in der Asservatenkammer.

Heynckes muss nur noch rufen, respektive rufen lassen, denn ein Cheftrainer schont für diesen ersten Akt des Trainings natürlich seine Stimme und lässt von seinem Assistenztrainer die Mannschaft antanzen. Dafür wurde eigens ein Vertrauensmann aus Düsseldorf geholt, denn auch Jupp benötigt einen gewissen stimmlichen Wohlklang um sich herum.

Brillen und Shampoos

Allerdings ist es gar nicht so einfach wie gedacht. Die Jungs stehen ja nicht automatisch Schlange, nur weil man wieder ein neuer Trainer da ist. Manche hören den Glockenschlag ja gar nicht, weil die Kopfhörer Störgeräusche von außen unterbinden.

Der Kontakt zur Außenwelt ist nämlich auch im inneren Zirkel lebensnotwendig. Schließlich gehen die Geschäfte auch weiter während der leider immer wieder vorgeschriebenen Übungseinheiten. Ein Jammer das.

Jérôme Boateng war nämlich gerade dabei, aus seinem Brillenmusterkoffer die neuesten Modelle vorzuführen. Gerne auch mit ungeschliffenem Glas. Hauptsache schick. Mats Hummels kann sich nicht so recht entscheiden, weshalb die erste Aufwärmrunde mal ohne die beiden Innenverteidiger stattfinden muss. Ist ja auch wichtig, dass sich gerade Hummels und Boateng blind verstehen.

Geschäftsmodell für Vidal

Und Arturo Vidal ist auch noch nicht da. Er hat gerade die neuesten Flyer für seinen Tattoo-Shop erhalten, den er im Nachwuchszentrum des FC Bayern eröffnen wird. Miete günstig. Dafür hat er versprochen, dass er die Blutgrätsche nicht vergisst, wenn der Gegner mal wieder aufmüpfig wird. Sein Slogan: Vidalisierung mit Stil.

Hummels bringt ihm ein Shampoo vorbei. Vidal lehnt ab wie auch Boateng. Verständlich natürlich. Wo nichts ist, kann man nichts shampoonieren. Aber alle haben diesen besonderen Geschmack in der Nase, der gerade in die Kabinen wabert. Grillfleisch, Würstel vom Präsidenten.

Thomas Müller ist der Repräsentant einer Grillfirma, und auf den Mund gefallen ist er ja nicht, weshalb die Kollegen natürlich alle ein Modell seiner Firma auf ihren Balkonen - pardon, Terrassen - stehen haben. Als Vorspeise preist Müller Nudeln aus Italien an. Sind zwar gerade in München beim FC Bayern nicht so der Renner, weil Italien nicht mehr so angesagt ist, aber zur Not geht auch ein Joghurt. Allerdings ist der Werbespruch verfälscht worden. Aus "Alles Müller oder was" ist geworden: "Ist das jetzt alles, Müller, oder was?"

Zum Glück sind Werbeverträge nicht leistungsgebunden. Hauptsache man bleibt im Gespräch. Auch Manuel Neuer ist da. Er kann zwar nicht mitmachen, aber er kann seine koffeinhaltige und angeblich zuckerfreie Brühe verteilen. Wenn sich denn mal alle langsam einfinden sollten im Mittelkreis des Trainingsplatzes.

Falscher Platz für Alaba

David Alaba verspätete sich auch noch. "I bin a Kika", sagt er entschuldigend immer wieder. Er musste gerade einhundert Mal diesen Satz sagen, eher er im Kasten war. Er ist noch ganz durcheinander und stellt sich auf der rechten Seite hin, ehe ihm Hermann Gerland (auch wieder zurück aus Fröttmaning) zu verstehen gibt, dass er weiterhin links kicken soll. Bis auf weiteres auf jeden Fall. Man weiß ja nie, was im Kopf vom Chef so vorgeht.

Die Kollegen nicken jedenfalls verständnisvoll und signalisieren damit, dass sie verstanden haben, dass auch der österreichische Außenverteidiger jetzt am großen Werbe-Rad drehen darf.

Neue Bayern-Hymne

Allerdings hat der Pole natürlich eine äußerst wertvolle Ware, die er anbieten kann. Tore. So viele wie sonst keiner im Team. Unzufrieden freilich war er zuletzt, weil die Zulieferer nicht mehr wie gewohnt geliefert haben. Das muss er dem Jupp noch sagen. Wenn mal Zeit ist, denn die Ich-AG hat viel zu tun auch außerhalb des Platzes. Ein halber Supermarkt muss beworben werden. Deshalb sieht er auch immer aus wie aus dem Ei gepellt. Frisch rasiert und gewienert. Er, der einzige Stürmer.

Und dann, als alle endlich ihre großen und kleinen Geschäfte erledigt haben, als die Ohrenstöpsel in der Trainingstasche liegen und die Handys auf Flugmodus geschaltet sind, beginnt sie, die vierte Amtszeit von Jupp Heynckes beim FC Bayern München.

Draußen schaut eine Abordnung der Grauen Panther zu und hält ein Transparent hoch mit den Köpfen der Trainer und dem Liedtext von Udo Jürgens, der neuen Bayern-Hymne: "Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an. Ihr werdet Euch noch wundern, wenn ich erst Rentner bin. Sobald der Stress vorbei ist, da lange ich kräftig hin. Oho, oho, oho. Da föhn ich äußerst lässig das Haar, das mir noch blieb." (Zeichen für Hummels: Shampoo reichen. Und für Boateng, denn die ihn trainierende Rentnerband benötigt sicher modische Sehhilfen).

Oho, oho, oho…

Video - Nach vier Jahren: Heynckes leitet Training, als wäre er nie weg gewesen

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