Getty Images

Transfer-Wahnsinn: DFB-Präsident Rauball für Abstimmung über kürzeres Transferfenster

Verkürztes Transferfenster? Das plant die DFL
Von SID

13/09/2017 um 13:37Aktualisiert 13/09/2017 um 14:04

DFL-Präsident Reinhard Rauball will die deutschen Profi-Klubs über die Verkürzung der Transferperiode abstimmen lassen. "In diesem Jahr hat es einen Rein- und Raus-Tourismus gegeben, der nicht mehr vertretbar ist. Deshalb muss da ein Pflock eingehauen werden", sagte der 70-Jährige der Sport Bild. Er fordert außerdem eine Neudefinierung des Financial Fair Plays.

"Ich werde im DFL-Präsidium den Antrag stellen, dass die Transferperiode verkürzt wird. Bei einem entsprechenden Beschluss müsste darüber im Dezember abgestimmt werden."

Gleichzeitig solle ein Votum für ein kürzeres Transferfenster bedeuten, dass sich Deutschland beim Weltverband FIFA und bei der Europäischen Fußball-Union (UEFA) für eine europaweite, einheitliche Regelung stark macht.

"Ist die Mehrheit der 36 Profivereine dafür, müsste ein entsprechender Antrag über den DFB an die internationalen Verbände gerichtet werden", sagte Rauball: "Dann wäre beispielsweise mit dem Datum 1. August die Transferperiode abgeschlossen."

Als erste Liga hatte zuletzt die englische Premier League beschlossen, dass nach dem Ligastart keine Spieler mehr verpflichtet werden dürfen. Den Klubs von der Insel fiel der Alleingang relativ leicht, da in England die mit Abstand höchsten Gehälter gezahlt werden. Weg wollen meist nur die verzichtbaren Spieler - oder die, die unbedingt bei den ganz Großen Europas sowie den Scheichs von Paris St. Germain spielen wollen. Und die lassen sich an einer Hand abzählen.

In Deutschland ist das anders, deshalb hofft die DFL auf eine europäische Einigung. Würde nur die Bundesliga nachziehen, Spanien, Italien und Frankreich dagegen beim alten System bleiben, würde einigen deutschen Vereinen wohl der Ausverkauf drohen - ohne selbst nachlegen zu können.

"UEFA muss Financial Fair Play neu definieren"

In den FIFA-Statuten stehen nur allgemeine Richtlinien für die Transferperioden. Vom Weltverband festgelegt werden die Daten nur in jenen Ligen, die nicht im Vorfeld ein selbstbestimmtes Fenster im Transferabgleichungssystem (TMS) hinterlegt haben.

Rauball fordert zudem von der Europäischen Fußball-Union (UEFA) eine Ausweitung des Financial Fair Play auf Leih-Geschäfte:

"Man sollte dieses Konstrukt generell untersuchen und überlegen – auch angesichts der Höhe, die für eine Leihe in manchen Fällen gezahlt wird –, ob man den Zeitpunkt des effektiven Transfers nicht vorverlegen muss auf den Zeitpunkt der ersten Leihe. Das heißt, dass der Transfer des Spielers ab sofort wirtschaftlich wirksam ist und den Regeln des Financial Fair Plays unterliegt. Das müsste die UEFA neu definieren."

Die Diskussion war aufgekommen, weil der französische Spitzenklub Paris St. Germain Jungstar Kylian Mbappé zunächst nur von der AS Monaco ausgeliehen hat und ihn dann im kommenden Sommer für 180 Millionen Euro verpflichten will.

Hoffnung auf Europapokal könnte Transferfenster-Kürzung verhindern

Wie die DFL-Abstimmung im Dezember ausgeht, scheint offen. Auch wenn die Verkürzung prominente Befürworter hat. "Keiner ist mit der Situation glücklich. Deshalb ist das eine sehr gute Idee", sagte Bayern-Trainer Carlo Ancelotti: "Ich hoffe, dass auch die Bundesliga diese Regel einführen wird. Der Markt muss vor dem Saisonstart schließen."

Gegenargumente werden die Klubs vorbringen, die sich den Sprung in den Europapokal erhoffen. Die Qualifikationsspiele für die Champions League und Europa League enden erst Mitte August, es geht um mehrere Millionen Euro für die Kaderplanung. Daran war schon vor drei Jahren ein Vorschlag der UEFA gescheitert, das Transferfenster in allen Ligen früher zu schließen.

Video - Transfer-Pannen: Als Choupo-Motings Vater den Wechsel versemmelte

01:09
0
0
Quoten präsentiert von Tipico