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Bayern - Arsenal: 3 Dinge, die auffielen: Wichtiger Thiago, agiler Lahm und unsichtbarer Özil

3 Dinge, die auffielen: Strippenzieher Thiago, agiler Lahm, unsichtbarer Özil

16/02/2017 um 00:06Aktualisiert 16/02/2017 um 08:25

Der FC Bayern München verschafft sich mit dem 5:1 (1:1) gegen den FC Arsenal im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League eine fast perfekte Ausgangslage. Thiago glänzt dabei als die dauerhaft bessere Alternative zu Thomas Müller. Philipp Lahm zeigt auf seiner Abschiedstournee Gespür für die besonderen Momente. Und Mesut Özil war nicht zu sehen.

Aus der Allianz Arena berichtet Florian Bogner

1. Thiago macht sich wichtig

Thomas Müller auf der Bank. So viel zur Randnotiz des Spiels. Auf dem Platz fehlte er nicht, denn da war Thiago. Nahezu überall. Schien Pep Guardiola Müller noch irgendwie als freien Radikalen in seinem System höchster Ordnung für wichtig zu erachten, funktioniert der FC Bayern München mit Thiago als Zehner aktuell einfach deutlich besser.

Dabei hatte der Spanier jüngst noch wichtige Wochen zum Rückrundenstart mit einer Oberschenkelverletzung verpasst. Davon zu merken war am Mittwochabend nichts: Thiago spielte schlichtweg überragend, nicht zuletzt wegen seiner beiden Tore zum 3:1 (57.) und 4:1 (63.).

"Thiago war für mich heute der beste Mann auf dem Platz. Das war überragend, was er heute gemacht hat, nicht nur wegen seiner zwei Tore", schwärmte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge.

Wann immer er einen Pass platzierte, dachte man sich unweigerlich als Zuschauer: Stimmt, da muss er hin. Gegen Arsenal schien sogar jeder kleine, ballverliebte Schnörkel Sinn zu machen. Dabei spielte Thiago genau genommen nicht den Müller. Er spielte Thiago.

"Mit der Position von Thiago zwischen den Linien haben wir ihnen Probleme gemacht", lobte Trainer Carlo Ancelotti nach der Partie:

"Thiagos Positionsspiel ist sehr wichtig für uns, weil er uns durch seine Gegner-Bindung mehr Räume auf den Flügeln gibt. "

In der Rolle des deutschen Nationalspielers, in der des Lückenlesers und als Räumestarter, fand sich dagegen Douglas Costa wieder, der aufgrund seiner vielen Sprints in lange Bälle in Halbzeit eins sogar positionsoffensivster Bayer war - noch vor Mittelstürmer Robert Lewandowski.

Thiago hatte dahinter die Fäden in der Hand, zog mal kräftig, mal fein. Während Xabi Alonso und Mats Hummels mit zumeist flachen Schnittstellenpässen sämtliche Packing-Raten zum Oszillieren zu bringen versuchten, war Thiago der Mann für genau getimte Rhythmus- und Seitenwechsel sowie die schrillen Momente, die nicht planbaren im Angriffsdrittel.

2. Lahm lahmt noch lange nicht

Seit Philipp Lahms Rücktrittsersuch ertappt man sich gerne mal dabei, ihn bei der Ausübung seines Jobs zu hinterfragen: Ist der Mann wirklich nicht mehr ganz auf der Höhe? Schafft er diesen einen Sprint noch? Er schaffte.

Gegen Arsenal spielte Lahm sein unwiderbringlich letztes von insgesamt zehn Achtelfinal-Hinspielen mit dem FC Bayern und machte seine Sache wie immer sehr gut. Als Absicherung für Arjen Robben ließ er über seine rechte Abwehrseite nie etwas anbrennen, im Gegenteil, er flitzte selbst wie ein Wiesel die rechte Außenbahn runter und hinterlief Robben an die zehn Mal in dieser Partie.

Rutschte ihm eine Flanke in Halbzeit eins noch über den Schlappen und hinters Tor, war es zu Beginn der zweiten Halbzeit seine wunderbare Hereingabe, die zu Lewandowskis 2:1 (53.) und damit dem Urknall dieser Partie führte.

"Endlich hab ich wieder Mal den Stürmer gefunden", kommentierte Lahm.

Thomas Müller, Philipp Lahm und Mats Hummels gegen Arsenal

Thomas Müller, Philipp Lahm und Mats Hummels gegen ArsenalImago

Mit insgesamt drei Torschussvorlagen hatte er mit Costa den Top-Wert der Partie, brachte zudem 94 Prozent seiner Pässe an den Mann und war für seine Mitspieler schlicht immer anspielbar.

Als es schließlich noch galt, einen gefährlichen Konter der Londoner durch ein taktisches Foul an Alex Oxlaide-Chamberlain zu unterbinden, griff er ein und holte sich sein drittes Gelb im laufenden Wettbewerb ab (84.). Ein Achtelfinal-Rückspiel spielt er also nicht mehr. Halb so wild.

"Es war ganz zufällig natürlich. Der Schiedsrichter hat heute ein paar seltsame Entscheidungen getroffen, die Gelbe Karte geht absolut in Ordnung", sagte Lahm mit einem Lächeln im Gesicht:

"Es gibt einen schlechteren Zeitpunkt, um eine Gelbe Karte zu bekommen."

3. Özil? Sánchez!

Mesut Özil musste aufgrund eher überschaubarer Vorleistungen in wichtigen Spielen des FC Arsenal vor der Partie sogar um seinen Startplatz in der Elf von Arsène Wenger fürchten. Spielen durfte er dann zwar im offensiven Zentrum, stand mit seinem zögerlichen Wirken aber klar im Schatten eines anderen: Alexis Sánchez.

Als einzige Sturmspitze aufgeboten, spornten den Chilenen die anfänglich reihenweise verlorenen Zweikämpfe gegen die Bayern-Innenverteidiger Javi Martínez und Mats Hummels offenbar erst so richtig an. Mit einem beherzten Sprint, den Hummels nur mit einem gelbwürdigen Foul nahe der Strafraumgrenze stoppen konnte, gab er in der 26. Minute den Startschuss für die beste Phase der Londoner.

Als es fünf Minuten später galt, einen diskutablen Elfmeter (Lewandowski an Laurent Koscielny) gegen ein ultralautes Pfeifkonzert der Bayern-Fans zu verwandeln, verhühnerte er zwar, zeigte anschließend aber gegen drei Bayern die ganz hohe Kunst und verwandelte im zweiten Nachschuss (31.).

Özil vergab derweil kurz vor der Halbzeit freistehend vor Neuer das mögliche 2:1 (45.+1) - und vorbei war’s in Halbzeit zwei mit dem Elan der Gäste.

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