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Taktik-Check: FC Bayern München gegen PSV Eindhoven - warum der FCB derzeit Probleme hat

Taktik-Check: Dominanz adé - warum die Bayern derzeit Probleme haben

19/10/2016 um 12:31

Drei Pflichtspiele in Folge konnte der FC Bayern München nicht gewinnen, bahnt sich da etwa eine Krise an? Vor dem wichtigen Spiel in der Champions League gegen PSV Eindhoven (20:45 Uhr im Liveticker) analysiert Eurosport.de, warum es beim Rekordmeister zur Zeit nicht rund läuft.

"Es menschelt wieder beim Rekordmeister". Zu Beginn der Saison las man Formulierungen wie diese häufig im Zusammenhang mit Carlo Ancelottis Umgang mit den Spielern. Nach dem siebten Spieltag muss man nun festhalten:

Es menschelt tatsächlich wieder beim FC Bayern - und zwar in sportlicher Hinsicht.

Auf einmal wieder schlagbar?

In den Jahren unter Pep Guardiola wirkten die Münchener in kaum einem Ligaspiel schlagbar - ausgenommen die Partien zum Saisonende als die Meisterschaft jeweils schon fix war. In den vergangenen Wochen war von jener Dominanz nichts zu sehen. Schalke, Hamburg und Ingolstadt hätten ein Unentschieden gegen den Rekordmeister verdient gehabt, Köln hatte beim Remis in der Allianz Arena kurz vor Schluss sogar den Siegtreffer auf dem Fuß.

Und Eintracht Frankfurt? Die nahmen Bayern in der Schlussphase noch die Butter vom Brot und sicherten sich einen verdienten Punkt - in Unterzahl.

Video - Ancelotti mahnt Bayern-Stars vor PSV-Duell: "Können ohne Ordnung nicht gewinnen"

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Dass die Bayern nicht mehr so dominieren wie in den Vorjahren, hat natürlich etwas mit der leicht veränderten Spielphilosophie zu tun. Unter Ancelotti verzichten sie auf das ständige Angriffspressing. Der Gegner darf das Spiel also häufiger aufbauen, Bayern verteidigt tiefer. Dadurch sollen nach Ballgewinn größere Räume zum Kontern genutzt werden.

Aktuell gelingt es Bayern jedoch nur selten, wirklich Druck auf den Ball auszuüben. Weil sie nicht konsequent genug verschieben, kommen sie nur selten in aussichtsreiche Zweikämpfe.

Die Kehrseite des Konterspiels

So ist ein kein Wunder, dass der gewünschte positive Effekt des tieferen Verteidigens aktuell ausbleibt. Im Gegenteil: Die Nachteile dieser Ausrichtung fallen in der aktuellen Situation besonders stark ins Gewicht. Die Wege zum gegnerischen Tor sind aufgrund der tiefen Ballgewinne sehr lang, die Abstimmung bei den Laufwegen und Pässen stimmt hier bislang nur selten.

Weil der Gegner nicht mehr so hoch angelaufen wird und auch das Gegenpressing - unter Guardiola einer der Kernpunkte im taktischen System - nicht greift, muss der FC Bayern auf einmal wieder häufiger hinterherlaufen. Boateng, Hummels und Co. sind in der klassischen Abwehrarbeit dementsprechend öfter gefordert als ihnen lieb sein dürfte.

Dribbler werden nicht gut eingesetzt

Die Probleme der Bayern liegen jedoch nicht nur in der Arbeit gegen den Ball. Schon in Ballbesitz sind derzeit einige ungewohnte Defizite zu beobachten. Oftmals stehen die Spieler viel zu weit auseinander, sodass es kaum Möglichkeiten für ein schnelles Kurzpassspiel gibt. Daher wird häufig schon früh zum langen Ball gegriffen. Dass dieser zwar durchaus mal ein Mittel sein kann, sah man bei Hummels' Traumpass auf Alaba vor dem 1:0 durch Robben in Frankfurt.

Neben diesen langen Bällen gehören Dribblings der Flügelspieler zum derzeitigen Offensivrepertoire von Ancelottis Bayern. Diese sind aktuell aber nur selten durchschlagskräftig, da die Vorbereitung nicht stimmt. Das Anlocken des Gegners auf eine Seite durch kleinräumige Kombinationen bleibt aus, ebenso die sonst darauffolgenden, typischen Spielverlagerungen. So können Robben und Co. nur selten in Eins-gegen-Eins-Situationen mit Blickrichtung zum gegnerischen Tor gebracht werden.

Die Folge: Viele Offensivaktionen bleiben Stückwerk, alles steht und fällt mit der Durchsetzungskraft des Einzelnen. Dass dies vor allem gegen die hochklassigen Gegner wie zum Beispiel Altético Madrid nicht funktioniert, ist wenig überraschend. Eindhoven ist qualitativ zwar nicht mit den Madrilenen zu vergleichen, dennoch braucht Bayern am Mittwochabend eine klare Steigerung, um in der Königsklasse auf Kurs zu bleiben.

Eurosport-Check: Im Großen und Ganzen stimmen die Ergebnisse der Bayern bislang, die Leistungen geben jedoch Rätsel auf. Das auf totale Dominanz ausgelegte Positionsspiel mit ständigem Druck auf den Ball scheint besser zum Kader zu passen als die abwartende, auf individuelle Klasse vertrauende Spielweise Ancelottis. Es wird spannend sein zu sehen, wie ein möglicher Kompromiss zwischen den beiden Stilen aussehen wird. Erst dann kann man beurteilen, wie gut den Bayern der Trainerwechsel wirklich getan hat. Bis dahin heißt es wohl weiterhin: Es menschelt beim Rekordmeister.

Video - Ancelotti kritisiert Bayern: "Einstellung war falsch"

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