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"Wir sind Kämpfer": Borussia Dortmund bleibt cool im Hexenkessel von Lissabon

"Wir sind Kämpfer": Dortmund mit Herz im Hexenkessel

19/10/2016 um 12:41

Kampf, Biss, Moral und Cleverness - Borussia Dortmund hat den Härtetest beim Gastspiel in Lissabon eindrucksvoll bestanden und seine Qualitäten auch mit dezimiertem Kader ausgespielt. Pierre-Emerick Aubameyang, Roman Bürki und der "neue Goalgetter" Julian Weigl erlebten einen großen Abend beim 2:1 gegen Sporting.

Aus Lissabon berichtet Malte Schmidt

Er trottete ganz gemächlich durch die Mixed-Zone des Estadio Jorge Avalade. Roman Bürki sah man förmlich die Strapazen der fast 97 Minuten im portugiesischen Hexenkessel an. Nach der ersten Frage pustete der Schweizer erst einmal kräftig durch. "Ich muss wirklich zugeben, dass ich ganz müde bin, auch vom Kopf her. Das Spiel hat Nerven gekostet, aber wir haben dagegengehalten."

Tuchel lobt tolle Moral

"Unsere Viererkette ab der 70. Minute war einzigartig", lobte Trainer Tuchel nach der intensiven Partie. Zu diesem Zeitpunkt war Innenverteidiger Marc Bartra bereits ausgewechselt worden. Der Spanier hat nach seiner Verletzung noch nicht die Fitness für 90 Minuten, er wurde durch Lukas Piszczek ersetzt. Rechtsverteidiger Matthias Ginter rückte für Bartra in die Zentrale und Piszczek spielte auf der angestammten rechten Seite.

Allerdings nicht lange, denn nur drei Minuten später musste Ginter aufgrund von Kreislaufproblemen ausgewechselt werden. Jetzt rückte der Pole in die Innenverteidigung und Sebastian Rode, eigentlich defensiver Mittelfeldspieler, vertrat Piszczek auf rechts. Youngster Felix Passlack, der seine Champions-League-Premiere feierte, komplettierte die Viererkette der Borussen.

"Das war eine Sauerei"

Die Dortmunder bestanden den Härtetest, sie kämpften um jeden Ball und bewiesen tolle Moral. Selbst als die Portugiesen in der Schlussphase zweimal die Fairness mit Füßen traten und den Ball nach Verletzungen zweier Borussen nicht zu den Dortmunder zurückspielten. "So etwas habe ich in meinen 30 Jahren im Fußball noch nicht erlebt", fauchte Sportdirektor Michael Zorc nach dem Spiel, "das war eine Sauerei".

Doch auch diese Widrigkeiten brauchte den BVB nicht aus dem Konzept. "Wenn ich sehe, dass wir mit zwei A-Jugendlichen (Christian Pulisic, Felix Passlack, A. d. Redaktion) von Beginn an spielen, so wie drei Spielern, die verletzt waren und noch keinen Rhythmus hatten und dann auch noch einen A-Jugendlichen einwechseln, bin ich mit dem Ergebnis natürlich sehr zufrieden. Die Jungs haben sich mit jeder Faser ihres Körpers gegen den drohenden Ausgleich gestemmt", so Zorc.

Götzes kleine Premiere, Weigls großer Auftritt

In der ersten Halbzeit spielten die jungen Dortmunder (Durchschnittsalter 23,6, nur einmal hatte der BVB eine jüngere Startelf) furios auf und gingen verdient durch Pierre-Emerick Aubameyangs Lupfer mit 1:0 in Führung. Mario Götze lieferte zum ersten Mal nach seiner Rückkehr einen Assist, er spielte den Pass auf den Gabuner. In der 43. Minute hatte dann der nicht gerade für seine Torgefährlichkeit bekannte Julian Weigl seinen großen Auftritt.

Der Nationalspieler erkämpfte sich im Mittelfeld den Ball und lief ungehindert durch die gegnerische Hälfte und schloss dann aus der Distanz ab. "Ich weiß gar nicht, was ich gemacht habe. Ich bin überglücklich, dass es endlich mal geknallt hat. Der Trainer sagt immer, ins kleine Netz muss man treffen, das habe ich geschafft. Zuletzt habe ich bei der U19 für 1860 getroffen", erklärte Weigl überglücklich.

Leidenszeit in Halbzeit zwei

In der zweiten Hälfte begann dann die "Leidenszeit", wie Tuchel erklärte. "Meine Männer wollten den Sieg aber unter keinen Umständen mehr hergeben", freute sich der BVB-Coach. Sinnbildlich für die Moral und die Leidenschaft stand der erst 18-jährige Felix Passlack, der schon früh in der Partie die Gelbe Karte sah und gegen den pfeilschnellen und trickreichen Gelson Martins große Mühe hatte.

Der drittjüngste BVB-Spieler in der Champions-League-Geschichte warf sich mutig in jeden Zweikampf und scheute keiner Konfrontation. Doch auch seine Kräfte ließen irgendwann nach und so musste Passlack in der Nachspielzeit von Krämpfen geplagt ausgewechselt werden. Er wurde von Dzenis Burnic ersetzt, der ebenfalls sein Königsklassen-Debüt feiern durfte. "Wir werden Felix bis Samstag beim FC Ingolstadt mit Elektrolyten vollstopfen, bis er wieder fit ist", flachste Tuchel.

Härtetest mit Bravour bestanden

Wer dem Trainer am Samstag wirklich noch zur Verfügung steht, ist fraglich. Tuchel kann sich aber auf jeden Einzelnen in seinem Kader verlassen. Der BVB hat den europäischen Auswärts-Härtetest mit Bravour bestanden und sich durch den Erfolg eine gute Ausgangsposition geschaffen.

Sollte der BVB auch das Rückspiel gegen Sporting in zwei Wochen gewinnen, ist die Qualifikation für die K.o-Runde perfekt. "Es war ein wegweisendes Spiel für uns. Auswärts in Lissabon zu gewinnen, ist ein Riesenschritt Richtung Achtelfinale", betonte Bürki.

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