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Nach 120 Minuten DFB-Pokal: Der 1. FC Köln ringt 1899 Hoffenheim nieder

Nach 120 Minuten: Köln ringt Hoffenheim nieder

27/10/2016 um 00:16

Der 1. FC Köln hat das Bundesligaduell im DFB-Pokal gegen die TSG 1899 Hoffenheim nach 120 Minuten mit 2:1 (1:1/1:1) für sich entschieden. In der 8. Minute hatte Benjamin Hübner die Gäste aus dem Kraichgau in Führung gebracht, Marcel Risse glich in der 36. Minute per Distanzhammer aus. In der Nachspielzeit sorgte Anthony Modeste für den umjubelten Siegtreffer (91.).

So lief das Spiel:

Spannender und knapper kann ein Pokalspiel kaum sein. Beide Bundesligisten befanden sich auf Augenhöhe und lieferten sich einen harten Kampf um den Einzug ins Achtelfinale. Die TSG 1899 Hoffenheim musste sich erstmals in dieser Saison in einem Pflichtspiel geschlagen geben, der 1. FC Köln zeigte nach der ersten Ligapleite (1:2 bei Hertha BSC) eine tolle Reaktion.

Hoffenheim begann stark und war in den ersten 20-25 Minuten das deutlich spielbestimmende Team. Nach einer Flanke des wegen eines Eckballes aufgerückten Innenverteidigers Niklas Süle brachte Benjamin Hübner die TSG mit einem Kopfball früh in Führung (8.). Der "Effzeh" fand allerdings seinen Rhythmus und verdiente sich den Ausgleich. Marcel Risse, der zuvor gefoult wurde, stand aus der Ferne zum Freistoß bereit. Matthias Lehmann tippte die Kugel kurz an, und Kölns Rechtsaußen hämmerte sie zum 1:1 in den Winkel (36).

Beide Teams ackerten viel im zweiten Durchgang. Torchancen gab es einige, vor allem aufgrund der starken Schlussmänner stand es aber weiterhin Unentschieden. Die Begegnung hätte nach 90 Minuten auch durchaus 3:3 oder höher stehen können, doch wegen der mangelnden Kaltschnäuzigkeit im Abschluss ging es mit 1:1 in die Verlängerung.

Bereits nach wenigen Sekunden hatte das Kölner Publikum dann Grund zu feiern. Paweł Olkowski marschierte durch die rechte Strafraumhälfte und ließ zwei Sinsheimer stehen. Der Pole spielte scharf nach innen, wo der leicht abgefälschte Ball bei Anthony Modeste landete. Gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber hatte er keine Mühe, aus kurzer Distanz zum 2:1 einzuschießen (91.). Der Goalgetter befand sich vermeintlich haarscharf im Abseits, das Referee-Team pfiff nicht.

Nach kurzer Verschnaufpause warf die Elf von Julian Nagelsmann alles nach vorne, der hochgewachsene Abwehrmann Süle verstärkte den Sturm. Die TSG vergab im letzten Abschnitt der Verlängerung viele gute Möglichkeiten kläglich, ehe Adam Szalai die Kugel aus kurzer Distanz unter die Latte hämmerte (120.+2). Das Schiedsrichtergespann entschied auf Abseits, der Ungar befand sich allerdings wohl auf gleicher Höhe. Mit bloßem Auge war das nicht zu erkennen. Ein bitteres Ende für die Gäste.

Die Stimmen:

Julian Nagelsmann (Trainer TSG 1899 Hoffenheim): "Gratulation an Peter Stöger und sein Team zum Weiterkommen. Wir haben ein sehr interessantes Spiel über die vollen 120 Minute gesehen. Es gab keine langweilige Phase. Die ersten 20 Minuten waren die besten der Saison. Wir sind sehr dominant aufgetreten. Dann gab es einen kleinen Bruch, den wir selbst mit verursacht haben. Vor allem durch Ballverluste in der gegnerischen Hälfte. Da wurde das Stadion emotional. Köln wurde geweckt. Bis zur Halbzeit hatte dann Köln kleine Vorteile. Ich denke, Nadiem Amiri muss das Spiel in der 84. Minute entscheiden. Zu Beginn der Verlängerung bekommen wir ein unglückliches Gegentor. Da steht der Tony dann und drückt ihn rein. Bis zum Ende hatten wir fünf, sechs Chancen, aber wir nutzen sie nicht. Da waren völlig freie Abschlüsse aus 15, 16 Metern dabei - alle gehen drüber. Ich glaube, der Treffer von Adam Szalai zum 2:2 war regulär. Dann wäre es zum Elfmeterschießen gekommen."

Peter Stöger (Trainer 1. FC Köln): "Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen, weil wir gegen einen Gegner einiges nicht gut gelöst haben. Hoffenheim hat gezeigt, warum sie in der Liga oben dabei sind. Nach 20 Minuten sind wir besser reingekommen. Die letzte Stunde war ein echter Pokal-Fight. Das Spiel kann jederzeit in jede Richtung kippen. Wir hatten in der Endphase Probleme, Hoffenheim zu verteidigen. Da waren wir ein Panikorchester. Wir haben mit Mann und Maus verteidigt. Hoffenheim hat große Qualität, deshalb sind wir froh, dass wir weitergekommen sind."

Benjamin Hübner (TSG 1899 Hoffenheim): "Ich denke, wir haben heute zwei starke Mannschaften gesehen, einen großen Kampf und einen glücklichen Sieger Köln. Wir hatten das Spiel eigentlich im Griff, aber mit dem Ausgleich hat Köln zunehmend besser in die Partie gefunden und vor heimischer Kulisse mehr Selbstvertrauen bekommen. Es ist einfach nur schade, dass der Sieger heute nicht Hoffenheim heißt. Wir sind nicht verdient ausgeschieden, das müssen wir mitnehmen."

Sebastian Rudy (TSG 1899 Hoffenheim): "Das war eine gute, engagierte Leistung von uns über 120 Minuten. Jeder wollte gewinnen. Wir hatten eine gute Anfangsphase, haben verdient das 1:0 gemacht, und es war klar, dass Köln dann kommt. Bis zur Pause hatten sie ein bisschen die Oberhand, aber wir sind gut aus der Halbzeit gekommen, hatten viele Spielanteile und gute Chancen. Vor allem in der Verlängerung. Leider konnten wir das Tor nicht machen. Am Ende braucht man das gewisse Glück. Wir analysieren das und gehen gestärkt in das Spiel am Sonntag."

Oliver Baumann (TSG 1899 Hoffenheim): "Das ist wahnsinnig unglücklich gelaufen, weil ich glaube, dass wir ein sehr gutes, reifes Spiel gemacht haben. An unserer Gesamtsituation wird sich aber nichts ändern. Unsere Kontersicherung war gut und wir hatten sehr viele Möglichkeiten, wir treffen nur leider nicht ins Tor. Man muss nüchtern betrachten, dass wir ein gutes Spiel gemacht haben, die Partie analysieren und dann werden wir Hertha angehen."

Der Tweet zum Spiel:

Ziemlich schick, der Hennes. Als Glücksbringer machte der Geißbock einen tollen Job.

Das fiel auf: Endlich wieder Heimspiel

Die Kölner mussten in der jüngeren Vergangenheit oft im Pokalwettbewerb reisen. Mal ging es in den hohen Norden nach Hamburg, mal in den Süden ins oberbayerische Unterhaching. Nach langem Warten durften sie nach 14 Auswärtspartien wieder zuhause ran. Für den "Effzeh" war's das erste Pokalspiel vor heimischer Kulisse seit genau sechs Jahren. Damals wurde der TSV 1860 München in der zweiten Runde mit 3:0 geschlagen. Gegen den MSV Duisburg (1:2) war anschließend Endstation.

Die Statistik: 5

Nach fünf erfolglosen Versuchen schaffte es Köln wieder, einen Erstligisten aus dem Pokal zu kegeln. Die Niederlagenserie begann damals ebenso gegen Hoffenheim.

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