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Europa League: Denkwürdige Europa-Nacht: 4 Spiele - 4 Geschichten

Vier Geschichten zur wilden Europa-Nacht: Zlatan-Aus trübt Mourinhos Miene

21/04/2017 um 08:24

Die Viertelfinals in der Europa League waren nichts für schwache Nerven. Alle vier Spiele boten ihre ganz eigene Geschichte. In Manchester benötigte United 120 Minuten, um Jose Mourinho einen Rekord zu ermöglichen. Schalke 04 verlor erst seinen Anführer, dann das Spiel. Vigo setzt die spanische Tradition mit einer Premiere fort und Olympique Lyon bewies Nervenstärke im Hexenkessel.

Mourinho stößt in elitären Kreis vor

Er haderte, er verzog das Gesicht. Er schimpfte und am Ende jubelte er doch.

Jose Mourinho hat seine Mannschaft in ein europäisches Halbfinale geführt, zum zehnten Mal in seiner Karriere. Was ihm nun mit Manchester United gegen den RSC Anderlecht gelang, hatte "The Special One" zuvor schon mit Porto, Chelsea, Inter und Real Madrid zu Stande gebracht. Drei Mal gewann er den Titel.

Klingt im ersten Moment nicht sonderlich spektakulär, ist es aber. Und zwar allein deshalb, weil Mourinho in der langen Geschichte des Fußballs erst der dritte Trainer ist, dem dies gelingt. Sir Alex Ferguson und Giovanni Trapattoni sind die beiden anderen. Damit ist der Portugiese spätestens seit heute einer der ganz Großen.

Einzig die wohl schwerere Verletzung seines Superstars Zlatan Ibrahimovic konnte die Laune des Portugiesen nach der Partie trüben. "Das sieht nicht gut aus, aber ich warte die Tests ab", sagte er. Dann stellte er seine Extraklasse unter Beweis und bedankte sich bei den Fans des Gegners, die diesen Abend zu einem höchst stimmungsvollen gemacht hatten.

Schalkes Anführer geht - und mit ihm der Sieg

Vorführung beim Hinspiel in Amsterdam, peinliche Pleite beim Bundesliga-Letzten in Darmstadt, eine mehr als durchwachsene erste Halbzeit im Rückspiel gegen die Niederländer. Als die zweite Halbzeit in der Arena auf Schalke begann, hätten nicht viele ein Vermögen auf den Bundesligisten gesetzt.

Leon Goretzka dachte anders. Der U21-Nationalspieler befindet sich seit Wochen in großer Form. Der 22-Jährige ist zum Anführer geworden, er gibt den Takt vor, zieht das Tempo an, nimmt es heraus.

Gegen Amsterdam schaltete er kurz nach der Pause in den sechsten Gang - und das, obwohl er nach einem Zusammenprall mit Amsterdams Keeper Andre Onana kurz vor dem Halbzeitpfiff noch minutenlang auf dem Platz behandelt worden war. In der 53. Minute spurtete Goretzka über den halben Platz - erzielte den Führungstreffer.

Genau eine halbe Stunde später musste er ausgewechselt werden - am Ende seiner Kräfte. Goretzka ging erst in die Kabine, wurde dann ins Krankenhaus gefahren.

Kapitän Benedikt Höwedes sagte nach dem unglücklichen Aus:

"Ich kann vor dem Einsatz von Leon Goretzka nur den Hut ziehen und hoffe, dass er schnell wieder auf die Beine kommt."

Dem ist - auch als neutraler Zuschauer - nichts hinzuzufügen.

Spanische Tradition - Vigo springt in die Bresche

Drei Mal gewann der FC Sevilla zuletzt die Europa League - hintereinander. Und weil auch Atlético Madrid zwei mal erfolgreich war, bevor die Hauptstädter in Richtung der noch größeren Fleischtöpfe abbogen, ging der Titel in den vergangenen sieben Jahren fünf Mal nach Spanien.

Die Dominanz der Teams aus der Primera Division ist fast mit Händen zu greifen. Gut möglich, dass dies auch so bleibt. Denn mit Celta Vigo steht natürlich wieder ein spanisches Team in der Vorschlussrunde.

Die Mannschaft wusste schon vor Beginn ihres Duells mit Genk, dass die Erwartungen des Heimatlandes gebündelt auf ihr lastete. Sie wurde ihr ziemlich nüchtern gerecht. 3:2 im Hinspiel, 1:1 im Rückspiel. Während alle anderen Spiele noch in die Verlängerung abbogen, feierte Spanien schon.

Dass Celta in seiner Klubgeschichte noch nie so weit gekommen war, geschenkt. In SPanien spielt so etwas keine Rolle-

Schwierige Woche - Olympique belohnt sich sportlich

Olympique Lyon hatte zuletzt schwierige Tage zu überstehen. Nachdem es vor dem Hinspiel gegen Besiktas schlimme Gewalt-Szenen im eigenen Stadion gegeben hatte, wurden die Spieler beim Auswärtsspiel in Bastia von korsischen Fans angegriffen. Die Liga-Partie wurde abgebrochen.

Die Vorfälle lösten in Frankreich Empörung aus. "Zum Weinen", titelte die Sportzeitung "L'Équipe".

Allein deshalb muss man anmerken, dass beim Rückspiel in Istanbul alles ruhig blieb, jedenfalls wenn der Maßstab die pure Gewalt ist. Denn leise war es in der Vodafone Arena zu keinem Zeitpunkt. Beide Teams boten ein Fußballfest mit unzähligen Chancen, das erst in einem Elfmeterschießen mit Überlänge entschieden wurde.

Zu Gunsten von Olympique, das endlich wieder sportliche Schlagzeilen schreiben durfte. Gut so!

Video - Rummenigge poltert nach Bayern-Aus: "Wir sind beschissen worden"

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