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Haftbefehl gegen mutmaßlicher BVB-Attentäter: Das war sein bizarres Motiv

Haftbefehl gegen mutmaßlicher BVB-Attentäter: Das war sein bizarres Motiv
Von Eurosport

21/04/2017 um 17:56

Die Bundesanwaltschaft hat sich nach der Festnahme des 28-jährigen Tatverdächtigen Sergej W. im Fall des Anschlags auf Borussia Dortmund geäußert. "Wir gehen davon aus, dass der Beschuldigte verantwortlich ist für den Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund", so Frauke Köhler, Sprecherin von Generalbundesanwalt Dr. Peter Frank. Die Festnahme sei durch die GSG 9 erfolgt.

Man lege dem Verdächtigen "versuchten Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und gefährliche Körperverletzung zur Last", so Köhler auf der Pressekonferenz in Karlsruhe weiter. Derzeit gebe es keine Hinweise auf einen oder mehrere Mittäter.

Laut Bundesanwaltschaft wollte der mutmaßliche Täter mit dem Attentat nach derzeitigem Ermittlungsstand wohl einen massiven Kurssturz der BVB-Aktie erzwingen. Die Ermittler seien W. laut Köhler "durch auffällige Optionsgeschäfte auf die Spur gekommen". Er habe "drei verschiedene Derivate gekauft und damit auf einen Kursverlust der BVB-Aktie gesetzt".

Am Freitagabend hat der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs auf Antrag der Bundesanwaltschaft Haftbefehl gegen Sergej W. erlassen. Der Beschuldigte ist lauf der offiziellen Presseerklärung "dringend verdächtig, am 11. April 2017 den Anschlag auf den Mannschaftsbus des Fußballvereins Borussia Dortmund verübt zu haben".

De Maizière: "Widerwärtige Tat"

Bundesinnenminister Thomas de Maizière wertete die Festnahme am Freitagnachmittag als "großen Erfolg" und verurteilte den Anschlag auf das Schärfste: "Dass sich jemand bereichern will, indem er Menschen umbringt, um den Aktienkurs zu manipulieren, ist eine widerwärtige Tat und erfüllt voll das Mordmerkmal."

W. hatte laut Bundesanwaltschaft bereits Mitte März ein Zimmer für den Zeitraum vom 9. bis 13. April sowie für den Zeitraum vom 16. bis 20. April im Dortmunder Teamhotel L'Arrivée gebucht. Zum Zeitpunkt der Buchung habe noch nicht festgestanden, an welchem Termin die Dortmunder gegen Monaco Heimrecht haben. W. habe lautet Bundesanwaltschaft am 9. April "ein Zimmer im Dachgeschoss des Hotels mit Blick auf den späteren Anschlagsort bezogen".

Noch am Tag des Anschlags erwarb er über die IP-Adresse des BVB-Teamhotels 15.000 Verkaufsoptionen in Bezug auf das Dortmunder Wertpapier - ein Einbruch des Kurses hätte dann den gewünschten Gewinn gebracht, je tiefer der Sturz, desto höher der erzielte Ertrag. Für den Kauf der Optionen habe W. laut Anwaltschaft am 3. April einen Kredit in Höhe von "mehreren Zehntausend Euro" aufgenommen.

"Wie hoch der mögliche Gewinn ist, dazu können wir noch nichts sagen", teilte Köhler mit. Medienberichten zufolge hätte W. einen Millionenbetrag kassieren können. Die Börse reagierte derweil auf die Festnahme: Die BVB-Aktie legte bis zum Freitagmittag um vier Prozent zu.

Bestürzung beim BVB

Beim BVB sorgten die neuesten Entwicklungen für Entsetzen. "Dass man offensichtlich versucht hat, durch den Anschlag Kurs-Gewinne zu realisieren - das ist natürlich Wahnsinn", sagte Klub-Chef Hans-Joachim Watzke der Bild: "Wir werden jetzt im Rahmen unserer Möglichkeiten die Sicherheitsvorkehrungen noch mal dramatisch nach oben schrauben."

Bei dem Attentat vor dem Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen AS Monaco war BVB-Profi Marc Bartra am Handgelenk und Arm verletzt worden; der Spanier musste operiert werden. Ein Polizist, der den Bus auf dem Motorrad begleitete, erlitt ein Knalltrauma und einen Schock.

Nach intensiven Ermittlungen der Bundesanwaltschaft, des Bundeskriminalamts und der nordrhein-westfälischen Polizei in den vergangenen Tagen hatten die Ermittler am Freitagmorgen zugeschlagen. Um kurz vor 6 Uhr wurde W. festgenommen, kurz bevor er seine Arbeitsstelle in Tübingen erreichte. Am Freitagabend sollte W. dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden.

Wirkung der Sprengsätze auf Bus ausgerichtet

Die drei Sprengsätze des Anschlages, so die Bundesanwaltschaft in einer ersten schriftlichen Mitteilung am Freitagmorgen, waren über eine Länge von zwölf Metern in einer Hecke entlang der Fahrstrecke des Mannschaftsbusses angebracht. Die Wirkung der Sprengsätze war auf den Bus ausgerichtet. Die Zündung erfolgte nach derzeitigem Erkenntnisstand für jeden Sprengsatz separat über eine funkausgelöste elektrische Schaltung.

"Die Sprengsätze wurden zeitlich optimal gezündet", hieß es. Sie waren demnach mit Metallstiften bestückt, die etwa 70 mm lang waren und einen Durchmesser von sechs mm und ein Gewicht von etwa 15 Gramm hatten. In der Kopfstütze des zweiten Sitzes in der hinteren Reihe des Busses wurde einer der in den Sprengsätzen verbauten Metallstifte gefunden, sogar in einer Entfernung von 250 Meter wurde noch ein Metallstift entdeckt.

Über die Art des Sprengstoffs machte die Bundesanwaltschaft am Freitagmittag noch keine Angaben. "Da der verbaute Sprengstoff komplett umgesetzt wurde, gestalten sich die Untersuchungen aufwändiger", sagte Köhler.

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