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Youngster der Woche: Trent Alexander-Arnold - Liverpools 19 Jahre altes Urgestein

Youngster der Woche: Klopps Alexander-Arnold - 19 Jahre, Urgestein

15/10/2017 um 10:53Aktualisiert 15/10/2017 um 11:27

Seit seinem sechsten Lebensjahr spielt Trent Alexander-Arnold für Liverpool. Mit seinem Freistoß-Tor schoss der heute 19-Jährige die Reds in der Champions-League-Quali gegen Hoffenheim in Führung. In der aktuellen Saison absolvierte der Verteidiger unter Jürgen Klopp drei Spiele in voller Länge, gegen Manchester United muss er aber zuschauen. Trent Alexander-Arnold ist unser Youngster der Woche:

Auf der Strafraumlinie hat sich eine blaue Mauer formiert, neun Meter weiter ruht das Spielgerät friedlich auf dem saftigen Grün der Rhein-Neckar-Arena zu Sinsheim. Drei in weiß gekleidete Männer scharen sich sichelförmig um die Kugel, beraten – wie heutzutage üblich – hinter vorgehaltener Hand.

Wenige Sekunden später ein kräftiger Innenriststoß, verdutzte Blicke, Freudentaumel. Aber wer jubelt da eigentlich so ausgelassen, werden sich die meisten Zuschauer gedacht haben.

Der Unbekannte mit der unkonventionellen Rückennummer 66 ist Trent Alexander-Arnold, zum Zeitpunkt des Geschehens 18 Jahre alt. Soeben hat er den FC Liverpool in der Qualifikation für die Champions League mit einem Traumfreistoß gegen die TSG Hoffenheim in Führung geschossen.

Die "Reds" triumphierten am Ende, ein Teenager hatte den Weg in die Königsklasse geebnet und nebenbei seinen Trainer Jürgen Klopp in Ekstase versetzt. "Er ist ein unglaublicher, junger Spieler. Trent schießt schon jetzt bessere Freistöße als ich es jemals konnte", gab der Coach nach der Begegnung zu Protokoll.

Der Ex-Dortmunder schwärmte in Klopp-Manier weiter:

"Mit 18 die Eier zu haben, so einen wichtigen Freistoß zu schießen, ist besser als jeder Fehler."

Dabei verkörpert Trent nicht unbedingt das Klischee eines gehypten Youngsters, der gerne auf Instagram mit seinem soeben erworbenen Sportwagen posiert oder die neuesten goldpaillettierten Givenchy-Sneakers abfotografiert. Vielmehr, so scheint es zumindest, konzentriert sich der Emporkömmling auf das Wesentliche.

Fotos von Autos oder teuren Klamotten sucht man auf seinen Social-Media-Kanälen vergebens. Alexander-Arnold vermittelt den Eindruck eines jungen Spielers, der das Fußballerleben als Privileg wahrnimmt, einfach nur glücklich ist, für seinen Herzensklub auflaufen zu dürfen. Ein Weg, der quasi vorherbestimmt war.

Großes Vorbild Steven Gerrard

Im Liverpooler Stadtteil West Derby, nur wenige Minuten vom Trainingsgelände Melwood entfernt geboren, schloss sich Trent schon als Sechsjähriger der Nachwuchsakademie des LFC an.

Auch der Stadtrivale FC Everton buhlte damals um die Dienste des Talentes. "Ich wusste aber immer, dass ich zum FC Liverpool gehöre", begründete Trent seinen Schritt zum ehemaligen englischen Rekordmeister im Interview mit "Telegraph Sport".

Zunächst noch als Angreifer eingesetzt, durchlief Alexander-Arnold sämtliche Jugendmannschaften, avancierte in der U16 zum Kapitän seines Teams, was er als ganz besondere Ehre wahrnahm, wie er rückblickend verriet:

"Das hängt vor allem mit Steven Gerrard zusammen. Er war mein großes Idol. Ihn Woche für Woche die Binde tragen zu sehen, löste in mir den Wunsch aus, es ihm gleichzutun. Kapitän zu sein, hat mir unheimlich viel bedeutet."

Sein Premier-League-Debüt feierte der mittlerweile zum Rechtsverteidiger umfunktionierte Alexander-Arnold unter Klopp schon im Dezember letzten Jahres, als er beim 3:0-Erfolg gegen Middlesbrough in der Nachspielzeit für Divock Origi eingewechselt wurde.

Erstmals über die volle Distanz kam der englische U-Nationalspieler in der vergangenen Spielzeit ausgerechnet beim großen Erzfeind Manchester United zum Einsatz. Ebenjenen Kontrahenten gegen den es am Samstag an der heimischen Anfield Road geht. Der absolute Klassiker auf der Insel, der bei Alexander-Arnold im Vorfeld für Euphorie sorgt.

"Das ist kein gewöhnlicher Samstagnachmittag. Ich bin mit diesen Spielen hier aufgewachsen und weiß, dass die Rivalität enorm ist", sagte das Juwel zuletzt der "Daily Mail" und prophezeit: "Normalerweise sind das sehr enge Begegnungen, das erwarte ich auch am Samstag."

Bodenständigkeit als Tugend

Im Zuge des "Daily-Mail"-Interviews wird auch deutlich, wie reflektiert das Eigengewächs mit seinem Aufstieg umgeht.

Alexander-Arnold erklärte:

"Ich würde mir wünschen, dass das ganze Jahr, vielleicht auch die nächsten zwei, drei Jahre unglaublich werden. Man darf sich nicht auf zwei guten Monaten zu Beginn der Saison ausruhen, sondern muss versuchen, seine Ziele zu erreichen. Der Trainer sorgt dafür, dass ich die Bodenhaftung nicht verliere und dass die letzten beiden Monate mir nicht zu Kopf steigen."

In dieser Saison kommt Alexander-Arnold auf drei 90-Minuten-Einsätze in Englands Beletage, wurde zuletzt aber von Joe Gomez ersetzt. Das soll sich im Duell mit den Red Devils allerdings ändern.

Im Idealfall schnappt sich der Rohdiamant den Ball zum Freistoß, zirkelt ihn über die Mauer und macht sich unsterblich, in dem Stadion, wo er einst an der Hand von Vereinslegende Jamie Carragher als Einlaufkind den Platz betrat, dort, für den Klub, dem er schon seit 13 Jahren die Treue hält.

Trent Alexander-Arnold im Steckbrief

Geburtsdatum: 7. Oktober 1998
Geburtsort: Liverpool
Nationalität: England
Größe: 1,75 Meter
Fuß: rechts
Position: Rechtsverteidiger
Derzeitiger Klub: FC Liverpool
Rückennummer: 66
Bisheriger Klubs: FC Liverpool

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