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Russland-Krise überschattet WADA-Treffen - RUSADA bleibt wohl außen vor

Russland-Krise überschattet WADA-Treffen - RUSADA bleibt wohl außen vor
Von SID

15/11/2017 um 14:56Aktualisiert 15/11/2017 um 15:04

Seit fast genau zwei Jahren ist die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA wegen Manipulationsvorwürfen und angeblichen Vertuschungen suspendiert. Am Mittwoch und Donnerstag diskutiert die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) über eine Wiederaufnahme, womöglich eine Entscheidung mit Symbolkraft. Ein Ende der Suspendierung der RUSADA durch die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) scheint illusorisch.

Es geht um Glaubwürdigkeit, gegenseitige Schuldzuweisungen - und indirekt auch um den Olympiastart Russlands: Wenn am Donnerstag die obersten Dopingjäger über die Wiederaufnahme der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA entscheiden, steht viel auf dem Spiel. Verbissen kämpft Russland nach dem Dopingskandal von Sotschi um die Teilnahme in Pyeongchang - doch schon beim ersten Schritt zur Rückkehr in die internationale Sportgemeinschaft werden die Russen aller Voraussicht nach scheitern.

Nach Informationen der "ARD" und der "New York Times" wird es nicht zu einer Rehabilitierung kommen. Denn noch sind die zwei Hauptforderungen der WADA nicht erfüllt: Anerkennung des McLaren-Reports, der Russland institutionalisiertes Doping attestiert. Und die Herausgabe von in Moskau gelagerten Dopingproben. Beides ist bisher nicht passiert. Im Gegenteil.

Keine Annhäherung in Sicht

Statt vor dem Treffen deeskalierend zu wirken, verschärfte Russland in den letzten Wochen deutlich den Ton. Eine russische Untersuchungskommission sah die Erkenntnisse McLarens gar als "widerlegt" an. Der russische Sportminister Pawel Kolobkow sprach am Montag davon, eine Anerkennung sei "nicht akzeptabel".

Nur zwei Tage später behauptete er nach einem Treffen mit dem WADA-Exekutivkomitee trotzdem, dass Russland alle Kriterien erfüllt habe. Staatspräsident Wladimir Putin vermutet im aktuellen Streit sogar einen von den USA angeführten Versuch, Russland zu diskreditieren und die Wahlen im kommenden März zu stören.

Die WADA hingegen erklärte in der vergangenen Woche, weitere Beweise in Händen zu halten. Eine Datenbank aus dem Moskauer Anti-Doping-Labor untermauere die Ermittlungsergebnisse McLarens. Es herrscht ein Stillstand ohne Handlungsspielraum, beide Parteien können sich nicht mehr bewegen, ohne das Gesicht zu verlieren.

Mit deutlichen Nachteilen für Russland.

Russische Paralympioniken von Entscheidung betroffen

Sollte die RUSADA weiter ausgeschlossen bleiben, hat dies zwar keine direkten Konsequenzen für die Olympiateilnahme, die Paralympics und die Leichtathletik wären davon allerdings betroffen. Sowohl das Internationale Paralympische Komitee (IPC) als auch der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) haben die Wiederaufnahme der RUSADA zur Voraussetzung dafür gemacht, dass russische Athleten wieder ohne Einschränkungen bei ihren Wettbewerben starten dürfen.

Zudem hätte ein russisches Eingeständnis noch einen weiteren interessanten Nebenaspekt. Russland würde damit anerkennen, dass der ehemalige Sportminister, jetzige Vizepremier und Organisationschef der Fußball-WM 2018, Witali Mutko, die Vertuschung von mindestens einem positiven Test eines Fußballers angeordnet hat. Welche Folgen daraus für die WM entstehen würden, ist nicht abzusehen.

Genauso ist offen, was eine ausbleibende Rehabilitierung der RUSADA für den Olympiastart Russlands bedeutet. Einen Hinweis, in welche Richtung das Internationale Olympische Komitee (IOC) im Dezember entscheidet, dürfte das WADA-Treffen nicht geben. Auch während der Olympischen Spiele in Rio, in deren Vorfeld sich das IOC gegen einen Komplettausschluss Russlands entschieden hatte, war die RUSADA suspendiert. Kritiker, die ein hartes Vorgehen gegen Russland fordern, würden durch eine weiter bestehende Suspendierung allerdings Rückenwind erhalten.

Richard "Dick" Pound, kanadisches IOC-Mitglied und einst erster Präsident der WADA, sagte:

"Es wird schwierig für das IOC, die Tatsache zu ignorieren, dass es weder ein akkreditiertes russisches Dopinglabor noch eine akkreditierte russische Anti-Doping-Agentur gibt. Der Druck wird größer."

Mutko hingegen wollte nichts von einem größeren Zusammenhang der Entscheidung am Donnerstag wissen:

"Dies hat keinen Einfluss auf die Teilnahme unserer Athleten an den Spielen."

Ungeachtet der Beratungen in Seoul erklärten am Montag Sportrechtsexperten bei einem Symposium in Hamburg, dass aus ihrer Sicht die rechtlichen Voraussetzungen für einen Ausschluss des gesamten russischen Olympiateams gegeben seien.

Auch DLV-Präsident Clemens Prokop fordert, "von diesen Klauseln im Sport, die den Ausschluss von nationalen Verbänden vorsehen, Gebrauch zu machen". Ansonsten sei die Folge, dass systematischer Betrug "dauerhaft hingenommen werden müsste"

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