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Olympia: 20 Jahre Olympische Spiele bei Eurosport - emotionale Momente eines TV-Kommentators, Teil 1

20 Jahre Olympische Spiele bei Eurosport: Meine schönsten Momente (I)

01/12/2016 um 08:28

Sigi Heinrich ist die Stimme von Eurosport. Der langjährige Kommentator freut sich besonders auf die Übertragungen der Olympischen Spiele 2018 bis 2024 im Free-TV bei Eurosport. Heinrich hat in seiner TV-Karriere insgesamt zwölf Eröffnungs- und Schlussfeiern für Eurosport kommentiert. In seinem Blog schreibt der 63-Jährige über seine emotionalsten und schönsten Momente in 20 Jahren Olympia.

Albertville 1992, Barcelona 1992, Lillehammer 1994, Atlanta 1996, Nagano 1998, Sydney 2000, Salt Lake City 2002, Athen 2004, Turin 2006, Peking 2008, Vancouver 2010, London 2012: Das ist meine persönliche Olympiabilanz bis jetzt.

Bei all diesen Spielen habe ich sowohl die Eröffnungsfeier als auch die Schlussfeier live übertragen. Und mich natürlich auch um "meine" Sportarten gekümmert. Ich hänge das nicht an die große Glocke, das war noch nie mein Stil. Aber ich freue mich natürlich über diese sicherlich ungewöhnliche Bilanz, die vermutlich nicht viele Kommentatoren aufweisen können.

Vor allem macht sie deutlich, dass ich und mit mir viele Weggefährten bei Eurosport über ein großes Maß an Erfahrung bei Olympischen Spielen verfügen. Deshalb freuen wir uns über die kommende neue und spannende Periode, die uns nach einer Pause von zwei Olympiaden wieder zurück zu den fünf Ringen bringt und zu weiteren prägenden und unvergessenen Erfahrungen wie diesen:

Albertville 1992

Unsere ersten olympischen Momente: Mit einer Bob-und Rodelbahn wurde ein ganzes Dorf zerschnitten, zerstört, seiner Seele beraubt. Bei den Biathleten liefen die Zuschauer noch über die Wettkampfloipen. "Flintenweiber" nannte man die Biathletinnen damals bei ihren ersten Spielen. In Val d'Isère lud ein Metzger aus Bad Tölz meinen Pkw mit Weißwürsten voll. "Damit Du hier über die Runden kommst, Sigi." Leider habe ich keinen süßen Senf aufgetrieben. Und am Face de Bellevarde wurde Patrick Ortlieb Olympiasieger in der Abfahrt. Ausgerechnet Ortlieb, von dem sie selbst in Österreich sagten, er könne nur gerade aus schnell fahren. Und die Olympiastrecke damals war ein Kurvenmonster.

Barcelona 1992

Endlich freier Zugang zum Meer. Glaubt man kaum, aber das haben die Olympischen Spiele bewirkt, wie auch eine wunderbar gelegene Sportanlage oben auf dem Berg "Montjuic". Dort habe ich später mit unserer Expertin Monika Dietrich die Weltmeisterschaften im Kunst-und Turmspringen kommentiert. Immer mit dem Blick hinunter auf die "Sagrada Familia", die wir beide bei Fertigstellung gemeinsam besuchen wollen. Hoffentlich packe ich das noch.

Olympische Goldmedaille - Barcelona 1992

Olympische Goldmedaille - Barcelona 1992Imago

Lillehammer 1994

Die bislang immer noch für mich schönsten Olympischen Winterspiele: klein, überschaubar, gemütlich, sympathisch, wie Rosi Mittermeier, meine Begleiterin am Mikrofon bei der Eröffnungsfeier. Sie passte perfekt zu diesen Spielen mit ihrer offenen und ungekünstelten Art. Sie war mehr Zuschauerin als Kommentatorin. Bei jeder neuen Episode wurden ihre Augen noch größer, ihre Worte immer weniger.

In einer kurzen Pause sagte ich zu ihr: "Rosi, Du musst auch was sagen." Die Antwort werde ich nie vergessen und sie war eine Lehrstunde für mich. "Ach Sigi, schau doch, wie schön das alles ist. Da fällt mir nichts mehr dazu ein. Das ist einfach nur schön, so schön." Die war mir irgendwie entrückt, die Rosi. Die norwegischen Trolle hatten sie verzaubert.

Lillehammer 1994

Lillehammer 1994Imago

Atlanta 1996

Bulldozer zermalmten die Slums, an deren Stelle das Olympiastadion gebaut wurde, im Olympiapark wurde ein Bombenanschlag verübt. Zwei Menschen starben, 111 wurden verletzt. Ich machte gerade seelenruhig vor dem Olympiapark zu diesem Zeitpunkt einen Spaziergang. Wie nahe ich dran war, habe ich immer verdrängt.

Einer der für mich größten olympischen Momente war da schon vorüber. Muhammad Ali, der größte Boxer aller Zeiten, fuhr mit einem Aufzug aus der Tiefe des Olympiastadions empor, weiße Turnhose, weißes Hemd und schon gezeichnet von seiner Krankheit entzündete er mit zittriger Hand das Feuer. Ich hatte Tränen in den Augen. Das weiß ich noch heute und ich sehe die Szene vor mir, als fände sie gerade statt. Das war und ist vollkommen unvergesslich.

Nagano 1998

Hermann Maier stürzte spektakulär. Die Bilder gingen um die Welt. Er gewann danach den Riesenslalom. Ein Wahnsinn auch das Eishockeyfinale, das ich im Stadion kommentierte. Die Tschechen entzauberten Russland. Fritz Fischer war mit mir beim Biathlon. Ole Einar Björndalen gewann seine erste Medaille.

Und ich hatte meine Akkreditierung im Hotel vergessen. Ohne diese Plastikkarte ist man kein Mensch mehr bei Olympischen Spielen. Gemerkt habe ich das vor dem Biathlon-Stadion. Zu spät, um umzukehren. Es waren ja weite Wege. Ich bin sage und schreibe in fünf Büros gelandet. Überall verneigte man sich vor mir und sagte: "Kein Problem". Selbst zehn Minuten vor der Übertragung hieß es noch: "Kein Problem".

Geduld ist nicht meine allergrößte Stärke. Aber ich wusste, Hektik bringt in Japan gar nichts. Also habe ich mich auch so lange tief verneigt, bis die Ersatzkarte an meinem Hals baumelte. Fritz fiel, als er mich dann endlich sah, ein Stein vom Herzen. Ich habe mich nochmal verneigt, als Entschuldigung. Seitdem hängt die Akkreditierung abends immer am Türgriff, sodass sie automatisch zu Boden fällt und ich mich verneigen muss, um sie aufzuheben.

Sydney 2000

Mit unserem Judoexperten Alexander von der Groeben habe ich wunderbare Stunden am Hafen verbracht. Frischer Thunfisch, ein Gläschen Wein oder auch zwei auf einer einfachen Bank: Genuss pur, wie die gesamten Spiele in Australien, die entspannt und locker waren.

Freeman JO 2000 SYDNEY

Freeman JO 2000 SYDNEYAFP

Der 2. Teil des Erlebnisberichtes von Sigi Heinrich über die Olympischen Spiele in Salt Lake City 2002, Athen 2004, Turin 2006, Peking 2008, Vancouver 2010, London 2012 folgt am Donnerstag, 1. Dezember, 11:00 Uhr auf Eurosport.de und in unserer Mobile App.

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