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Mailand - Sanremo: John Degenkolb träumt vom erneuten Sieg

Degenkolb: "Werde der motivierteste Kerl am Start sein"

17/03/2017 um 14:44

In Sanremo stürmte John Degenkolb 2015 zu seinem ersten Sieg bei einem Radsport-Monument und legte den Grundstein zu einer grandiosen Klassiker-Saison. Jetzt kehrt der 28-Jährige zur "Classicissima" zurück, nachdem er die Frühjahrsrennen im letzten Jahr nach einem schrecklichen Trainingsunfall in Spanien verpasste. An Motivation fehlt es Degenkolb nicht - und auch nicht an klaren Worten zu Doping.

Neues Team, aber die alten Ziele - und die alten Überzeugungen.

    Jetzt brennt er im Trek-Trikot auf sportliche Revanche:

    "Es tat sehr weh, nicht mit der Startnummer 1 bei einem solchen Rennen antreten zu können. Das war schwer wegzustecken. Aber jetzt habe ich eine neue Chance, um dann im nächsten Jahr der Vorjahressieger zu sein. Deshalb sollte niemand auch nur eine Sekunde an meiner Motivation zweifeln."

    Zur Vorbereitung hat er sich vor seinem insgesamt fünften Start bei "MIlano - Sanremo" immer wieder das Video seines Sieges angesehen, als "Extrakick", wie er dem SID verriet, um die nächste "Kante im Kerbholz" hinzuzufügen.

    Video - Mailand - Sanremo 2015: Degenkolb holt sein erstes Monument

    02:40

    Dabei ist Degenkolb klar, dass die Chancen auf den Sieg in Sanremo je nach Wetterlage geringer sind als bei den anderen Radsport-Monumenten Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix, wie er "Le Monde" erklärte:

    "Mir ist egal, welches ich gewinne: Das ist die Champions League des Radsports, es ist also immer herausragend. Jeder dieser Klassiker ist einzigartig, sie sind sehr unterschiedlich in ihrer Charakteristik. Ich liebe sie alle drei."

    Seine Analyse: "Flandern ist ohne Zweifel die schwierigste Herausforderung, aber ich kann dort ein Wort mitreden, wenn ich in Topform bin. In Roubaix habe ich zweifellos die besten Siegchancen. Und bei Sanremo hängt alles vom Wetter ab: Je wärmer es ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit eines Massensprints und damit umso geringer meine Chancen."

    Video - 3. Etappe: Degenkolb düpiert die Sprinter-Konkurrenz

    01:34

    Der Unfall und dessen körperliche wie seelische Folgen behindern Degenkolb nicht mehr, auch wenn er viel verändert hat.

    "Dieser Tag hat beträchtliche Auswirkungen auf mein Leben gehabt. Ich habe keine Angst auf dem Rad und auch wirklich keine Angst vor Autos. Aber ich achte jetzt viel mehr auf Details, denn mir ist klar, dass meine Karriere in jedem Moment vorbei sein könnte. "

    Video - John Degenkolb im exklusiven Eurosport-Interview: Offene Bekenntnisse in "The Bike Shed"

    10:53
    "Ich bin überzeugt, dass meine Siege das Ergebnis des Kampfes gegen Doping sind. Ich sehr glücklich, heutzutage Profi zu sein und nicht die innere Stärke aufbringen zu müssen, "nein" zum Doping zu sagen. Natürlich steht jeder vor dieser Wahl, aber ich denke, es ist heute viel einfacher, nein zu sagen."

    Dabei sieht der Teamkollege von Alberto Contador die aktuelle Situation nicht rosig, sondern mahnt zu Wachsamkeit: "Es ist entscheidend, dass wir selbstkritisch bleiben. Denn wenn unsere Aufmerksamkeit nachlässt, wenn wir davon ausgehen, dass manche nicht mehr zu betrügen versuchen, wird es für sie sehr viel einfacher. Wir müssen immer im Hinterkopf haben, dass früher Leute betrogen haben und es ist wichtig, offen darüber zu sprechen, kritisch mit dem Radsport umzugehen, Dinge anzusprechen, die wir besser machen könnten."

    John Degenkolb (Team Trek)

    John Degenkolb (Team Trek)SID

    In Deutschland sieht Degenkolb den Radsport auf einem guten Weg. "Unser Ruf war nicht immer so, wie wir das gerne gehabt hätten. Wir deutschen Fahrer tun viel, um unseren Sport in transparenter Weise auszuüben und ich habe das Gefühl, dass wir das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen.

    "Ich mag es nicht, uns mit anderen Sportarten zu vergleichen - denn wir haben genügend bei uns selbst aufzuräumen - aber ich denke, wir sind dennoch ein gutes Beispiel."

    Hat er sich mit seinem offenen Umgang mit dem Dopingthema nicht Feinde im Radsport gemacht? Nein, glaubt der Roubaix-Sieger von 2015:

    "Ich glaube nicht, dass ich dadurch Freunde verloren habe, denn meine Freunde im Radsport denken so wie ich. Was es mich gekostet hat, ist viel Energie, viele Worte, viele Gespräche, viele Interviews. Aber ich weiß, dass es für den guten Zweck ist. Es war klar, dass sich die Dinge irgendwann ändern würden. Und ich bin stolz darauf, einer der Fahrer zu sein, die von Beginn ihrer Karriere an offen darüber gesprochen haben."

    Video - Mailand - Sanremo 2013: Ciolek triumphiert bei übelstem Wetter

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