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Tour-de-France-Geschichte(n): Landis und LeMond, Panik um Pereiro, Umsturz am Schlusstag

Tour-Geschichte(n): Landis und LeMond, Panik um Pereiro, Umsturz am Schlusstag

20/07/2017 um 11:11

Die Geschichte der Tour de France steckt voller Highlights, Dramen, Tiefpunkte: Wir blicken in unserer täglichen Serie zurück auf besondere Momente, die sich heute jähren und deren Bilder uns oft noch vor Augen sind - und auf spezielle Tour-Höhepunkte aus deutscher Sicht. Heute u.a. mit Greg LeMond, Floyd Landis, Oscar Pereiro oder Jens Voigt.

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Der 20. Juli - kein Tour-Tag wie jeder andere:

Was die 17. Etappe der Tour 2006 bringt, sorgt teils für Begeisterung, teils für Fassungslosigkeit. Nach einem fürchterlichen Einbruch am Vortag zeigt Floyd Landis auf dem Weg nach Morzine einen Auftritt für die Geschichtsbücher. Der Phonak-Kapitän setzt auf der letzten Bergetappe alles auf eine Karte: Nach einer massiven Tempoverschärfung seiner Teamkollegen zieht er am ersten der vier Berge des Tages als Solist davon.

Während er sich pausenlos Trinkflaschen über den Kopf schüttet, holt der US-Amerikaner die Ausreißer des Tages ein, hängt auch diese ab und verliert gegen das Hauptfeld kaum an Boden, als dort spät die Verfolgung startet.

Die Konkurrenz ist düpiert - wie schon bei Oscar Pereiro wird erneut in dieser Tour ein Ausreißversuch zu spät gejagt. In Morzine hat Landis noch fast sechs Minuten Vorsprung, liegt nur noch 30 Sekunden hinter dem Gelben Trikot.

Die schmutzigen Hintergründe dieses "Wunders" gibt Landis dann Jahre später preis...

Tour de France 2006: Floyd Landis (Phonak) auf dem Weg nach Morzine

Tour de France 2006: Floyd Landis (Phonak) auf dem Weg nach MorzineGetty Images

Mehr als eine Schrecksekunde erlebt die Tour 2008 bei ihrem Abstecher nach Italien. Auf dieser 15. Etappe stürzt Oscar Pereiro, der Sieger der Tour 2006, in der Abfahrt vom Col Angel in einer Serpentine über die Leitplanke und landet eine Kehre tiefer. Man fürchtet kurz das Schlimmste, doch der Spanier hat sich zwar viele Verletzungen zugezogen, ist aber nicht in Lebensgefahr.

Die große Narbe am Arm will Pereiro später durch eine Tätowierung verstecken, doch das macht das Narbengewebe nicht mit. Also ist der Schriftzug mit dem Datum dieses Tages nun direkt über der Narbe zu finden.

Tour de France 2008: Oscar Pereiro stürzt schwer

Tour de France 2008: Oscar Pereiro stürzt schwerGetty Images

Wieder Italien, wieder eine Schrecksekunde. Diesmal ist es das Jahr 2011 und es geht hinunter nach Pinerolo, als die Abfahrt für Überraschungen sorgt. Etliche Fahrer haben auf den letzten, schnellen Kilometern in den Zielort Probleme, darunter auch Thomas Voeckler im Gelben Trikot. Eine Kurve verpasst der Franzose, fährt geradeaus weiter - und hat Glück, dass die Tür zu der Terrasse, auf der er landet, offen steht...

So verliert er 27 Sekunden auf die direkten Konkurrenten ums Podium, bleibt aber Spitzenreiter.

Thomas Voeckler (Europcar) bei der Tour de France 2011

Thomas Voeckler (Europcar) bei der Tour de France 2011Eurosport

Aus deutscher Sicht ist der 20. Juli gleich doppelt erinnerungswürdig. Auf der 9. Etappe nach Pau verpasst Jens Voigt vom Team GAN 1998 den Etappensieg bei seiner ersten Tour aus einem Ausreißer-Quartett knapp gegen Leon van Bon aus den Niederlanden. Aber neben Platz zwei bleibt ihm das Bergtrikot, das er mit 36 Punkten erobert.

Sein Pech ist nur, dass schon die nächste Etappe in die Pyrenäen führt und die Kletterer sofort mächtig punkten. Aber über Aubisque, Tourmalet, Aspin und Peyresourde trägt der Mecklenburger das "maillot à pois".

Tour de France 1998: Jens Voigt (GAN) erobert das Bergtrikot

Tour de France 1998: Jens Voigt (GAN) erobert das BergtrikotImago

Zwei Jahre zuvor rast der junge Jan Ullrich im letzten Zeitfahren der Tour 1996 zu seinem ersten Etappensieg bei der "grande boucle": Im Kampf gegen die Uhr durch die Weinberge zwischen Bordeaux und Saint Emilion ist er über die 63,5 Kilometer eine Klasse für sich.

Mit Mütze statt Aero-Helm lässt er Miguel Indurain und Bjarne Riis weit hinter sich, sein Schnitt über 75 Minuten liegt bei 50,45km/h. Im Gesamtklassement rückt er Riis bis auf 1:41 Minute nahe. Es ist der erste von vier Zeitfahrsiegen Ullrichs bei der Tour.

Jan Ullrich, Tour 1996

Jan Ullrich, Tour 1996Getty Images

Historisch ist der 20. Juli der berühmten Tour 1986 - denn da findet der angekündigte Machtwechsel statt. Bernard Hinault führt das Rennen an, als es auf der 17. Etappe in den Alpen nach Serre-Chevalier geht. Hinter Solo-Sieger Eduardo Chozas duellieren sich die Podiums-Kandidaten, doch Hinault hat Mühe. Er kann nicht mit, als der Schweizer Urs Zimmermann attackiert und Greg LeMond mitzieht.

Über drei Minuten verliert der Franzose bis ins Ziel auf seinen US-Teamkollegen, der erstmals in seiner Karriere Gelb übernimmt - Hinault hingegen wird nie wieder das "maillot jaune" überstreifen, das er 79 Mal trug.

Bis Paris wird Lemond es nicht mehr abgeben, doch Freunde werden die beiden internen Rivalen nicht mehr.

Greg LeMond un Bernard Hinault bei der Tour de France 1986

Greg LeMond un Bernard Hinault bei der Tour de France 1986Imago

Und einmalig wird wohl für immer der Umsturz bleiben, den die Tour an ihrem Schlusstag 1947 erlebte. Die erste Austragung nach dem 2. Weltkrieg schien dem Italiener Pierre Brambilla schon sicher. Fast drei Minuten betrug sein Vorsprung am Start der fast flachen Etappe von Caen nach Paris über 257 Kilometer.

Doch Jean Robic gibt sich nicht geschlagen, greift an einem der wenigen Anstiege, kurz nach Rouen, an - begleitet vom Drittplatzierten Edouard Fachleitner. Diesem verspricht er eine stattliche Summe und überredet ihn so zur Zusammenarbeit.

Die Mission ist erfolgreich, Brambilla verliert 13 Minuten und die Tour, Robic ist Gesamtsieger - ohne je zuvor Gelb getragen zu haben.

Tour de France: Jean Robic, Sieger 1947

Video - Tour: 10 ganz besondere Helden

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