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Topfavorit Tony Martin verpasst WM-Medaillen im Zeitfahren von Richmond

Tony Martin verpasst WM-Medaille
Von SID

23/09/2015 um 21:46Aktualisiert 23/09/2015 um 23:34

Topfavorit Tony Martin hat sein großes Ziel nicht erreicht und bei der WM nicht nur den Titel, sondern auch das Podium verpasst. Der dreifache Titelträger im Zeitfahren musste sich nach 53,5 Kilometern mit Rang sieben und 1:17 Minute Rückstand auf Gold zufrieden geben. Der Titel ging in 1:02:29 Stunde an den Weißrussen Wasil Kirijienka vor Adriano Malori (Italien) und Jérôme Coppel (Frankreich.)

Tony Martin ist an seiner Titelmission gescheitert. Nach einer unerwartet mäßigen und für ihn maßlos enttäuschenden Leistung verfehlte Martin bei der Straßenrad-WM in Richmond in seiner Paradedisziplin das vierte WM-Gold seiner Laufbahn und damit auch die Bestmarke des Rekordweltmeisters Fabian Cancellara aus der Schweiz.

Der 30-Jährige fand nicht zur Bestform und kam nie in die Nähe des Titels, den völlig überraschend der Weißrusse Wasil Kirijienka gewann. Im Vorjahr hatte der britische London-Olympiasieger Bradley Wiggins den Griff zum Regenbogentrikot verwehrt, diesmal fehlte fast 1:20 Minute. Der tief enttäuschte Martin verpasste nach 53,5 km in 1:03:46 Stunden sogar erstmals seit 2009 in einem WM-Zeitfahren das Podium und wurde nur Siebter.

"Das ist sicher eines der schlechtesten Zeitfahren, die ich in den letzten fünf, sechs Jahren gefahren bin. Natürlich ist die Enttäuschung zu einhundert Prozent da", sagte der sichtlich geknickte Martin. "Für mich steht erst einmal im Vordergrund zu wissen, was heute überhaupt passiert ist, was zu diesem Rennablauf geführt hat", rätselte er.

Zwischen 2011 und 2013 hatte Martin drei Mal in Folge das WM-Zeitfahren gewonnen. Der 30 Jahre alte Wahl-Schweizer verlor dann im Vorjahr das Regenbogentrikot an den britischen Olympiasieger Bradley Wiggins, der inzwischen seine Straßenkarriere beendet hat. Cancellara fehlte nach einigen schweren Sturzverletzungen in dieser Saison.

Für den fehlenden Titelverteidiger Wiggins sprang sein Sky-Teamkollege aus Weißrussland in die Bresche und holte überraschend den Titel.

Rückschlag vor Rio

Mit dem Etappensieg und dem Gelben Trikot im Juli bei der Tour de France bleibt die Saison 2015 dennoch eine der erfolgreichen in Martins Karriere, auch wenn sein Ruf als bester Zeitfahrer der Gegenwart enorm gelitten hat. Für sein großes Ziel, den Olympiasieg 2016 in Rio de Janeiro, wird Martin in seiner Spezialdisziplin einen enormen Kraftakt benötigen.

Dem im Peloton wegen seiner Durchsetzungskraft respektvoll, aber martialisch "Panzerwagen" genannte Martin gelang in der Hauptstadt des Bundesstaates Virginia nicht wie so oft in den letzten Jahren ein glanzvolles Comeback. Auf den komplizierten Schlüsselbeinbruch bei der Tour folgte bei der WM ein Auftritt, der einige Prognosen bestätigte, die ihn noch nicht in bester Form sahen. Die Ausfallzeit war wohl doch zu lang.

Optimismus nicht belohnt

Martins positives Gefühl im Vorfeld trog offensichtlich. Seine Zuversicht hatte auch der Kurs über breite Straßen, lange Geraden und ohne steile Anstiege genährt - er schien wie für den kraftbetonten, aber eleganten Stil des Wahl-Schweizers gemacht. "Es ist genau das Terrain, das ich im Zeitfahren bevorzuge", hatte Martin dem SID gesagt.

Überdies hatte ihm die persönlich starke Leistung im Teamzeitfahren mit seiner belgischen Equipe Etixx-Quick Step eine Menge Zutrauen verliehen, obwohl der Titel am Sonntag an BMC gegangen war. "Ich bin hierher gekommen, um Gold zu holen", hatte Martin gesagt und sich damit bewusst unter hohen Erwartungsdruck gesetzt. Auf seine Lockerheit sollte sich das keineswegs negativ auswirken, doch er fand nie zu seiner gewohnten Klasse. Der Rückstand stieg sukzessive an.

"Nach acht Kilometern nach einer Rechtskurve hat es sich in Rückenwind gedreht. Ab da konnte ich mit dem hohen Speed nicht mehr umgehen. Ich habe den ganzen Rhythmus verloren und mich kaputt gefahren", sagte Martin jedoch nach dem Desaster.

Schließlich erwies sich auch die letzte Startposition nicht als der erhoffte Vorteil. "Mental ist das ein echter Faktor", hatte Martin gesagt. Stets hatte der fünfmalige Tour-Etappensieger zwar die Zeiten seiner schärfsten Rivalen als Richtwerte zur Verfügung und eine ideale Orientierung. Aber die Konkurrenten eilten trotzdem Sekunde um Sekunde davon, ohne das Martin eine Antwort hatte.

Für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) bleibt es bei den Titelkämpfen in Richmond bei vier Medaillen nach fünf Wettbewerben. Es gab im Zeitfahren einmal Gold durch Junior Leo Appelt, einmal Silber durch Max Schachmann sowie zweimal Bronze durch Lennard Kämna und Lisa Brennauer. Nach dem Ruhetag am Donnerstag stehen ab Freitag die Straßenrennen auf dem Programm.

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