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Jessica Hilzinger im Slalom: "Traum"-Debüt bei der Show von Mikaela Shiffrin

"Rohdiamant" Hilzinger: "Traum"-Debüt in USA
Von Eurosport

29/11/2015 um 23:46Aktualisiert 30/11/2015 um 00:04

Jessica Hilzinger stand bei der großen Slalom-Show der unglaublichen Mikaela Shiffrin im Zielraum von Aspen und konnte gar nicht mehr aufhören zu grinsen. "Das ist auf jeden Fall ein Traum, richtig cool, echt ein Hammer", sagte die 18-Jährige nach ihrem Debüt im Weltcup, bei dem sie mit Platz 25 einen Total-Ausfall des Deutschen Skiverbandes (DSV) verhinderte.

"Gleich im ersten Rennen zu punkten - unglaublich", fügte Hilzinger vergnügt an.

Jede Menge Anerkennung

Im zweiten lief es nicht so gut. Rang 33 im zweiten Slalom am Sonntag bedeutete für Hilzinger: Sie war beste Deutsche, doch für das Finale reichte es nicht. "Es war alles ein bisschen verkrampft", sagte sie. Und weil auch keine der Kolleginnen den zweiten Durchgang erreichte, schnitten die deutschen Ski-Rennläuferinnen in einem Slalom so schlecht ab wie zuletzt vor 15 Jahren: Am 20. Dezember 2000 in Sestriere hatte es ebenfalls keine Weltcup-Punkte gegeben.

Immerhin: Während die Ski-Welt angesichts von Shiffrins Rekord-Vorsprung von 3,07 Sekunden vor Veronika Velez-Zuzulova (Slowakei) am Samstag die Köpfe schüttelte und am Sonntag staunend auch den 17. Weltcupsieg der Amerikanerin (2,65 Sekunden vor Frida Hansdotter/Schweden) verfolgen konnte, erhielt Hilzinger für ihre Premiere viel Anerkennung. "Das zeigt eine gewisse Qualität", sagte Alpindirektor Wolfgang Maier über seinen "kleinen Rohdiamanten", der für "das Highlight des Tages" aus Sicht des arg gebeutelten DSV gesorgt habe. Alle weiteren fünf Starterinnen scheiterten im ersten Lauf.

Potenzial für die Weltspitze

"Sie hat die Gelegenheit beim Schopfe gepackt. Es gibt nicht viele, die gleich beim ersten Rennen in die Punkte gefahren sind", sagte Cheftrainer Markus Anwander über Hilzinger, die erst im Mai aus Liechtenstein zum DSV gewechselt war. Dass es mit dem Durchbruch so schnell gehen würde, damit hatte die Tochter eines deutschen Vaters selbst "nicht gerechnet", wie sie bekannte. Die Verantwortlichen sehen darin eine Bestätigung ihrer Einschätzung, wonach Hilzinger mittelfristig zur Topfahrerin werden könnte.

"Wenn man mal zurückschaut, wer im ersten Rennen so weit nach vorne gekommen ist...", sagte Maier und kramte eine Weile in seinem Gedächtnis. Die 2014 zurückgetretene dreimalige Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch debütierte in einem Super-G als 20. Im Slalom benötigte sie fünf Anläufe, ehe sie als 17-Jährige mit Platz 21 erstmals punktete. Hilde Gerg, 1998 Slalom-Olympiasiegerin, fuhr in ihrem ersten Weltcup-Rennen in dieser Disziplin auf Platz 23. "Das heißt nicht, dass die Jessica mal Olympiasiegerin oder Weltmeisterin wird", sagte Maier, "aber sie hat das Potenzial, in die absolute Weltspitze vorzustoßen."

Shiffrin überstrahlt alle

Shiffrin ist unterdessen in "einem anderen Universum" angekommen, wie Höfl-Riesch am Sonntag twitterte. Die Amerikanerin verbesserte bei ihrem 16. Weltcup-Sieg vor Frida Hansdotter aus Schweden am Samstag die fast 48 Jahre alte Slalom-Bestmarke der Französin Florence Steurer, die im März 1968 exakt drei Sekunden schneller war als die Zweite. "Das ist sicher der coolste Rekord überhaupt", sagte die zweimalige Weltmeisterin und Olympiasiegerin. Maier fragte sich im Zielraum verblüfft, "ob die da eine amerikanische Zeitmessung hatten".

Weil Technikspezialistin Shiffrin nun auch Super-G fahren wird ("Da kann man das Hirn ausschalten"), dürfte "im Gesamtweltcup keine an ihr vorbeikommen", sagte Maier: "Sie ist das Maß der Dinge, zwei Klassen besser als alle anderen."

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