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Sven Hannawald-Analyse: Die Gründe für den Höhenflug der DSV-Adler

Drei "Rennpferde" in einer Trainingsgruppe: Hannawald erklärt die deutschen Überflieger

05/12/2017 um 16:29Aktualisiert 05/12/2017 um 17:29

Die deutschen Skispringer um Richard Freitag und Andreas Wellinger dominieren den Weltcup-Winter und feiern am Wochenende einen historischen Erfolg. Skisprung-Legende Sven Hannawald nennt im Gespräch mit Eurosport die Gründe für die herausragenden Leistungen der deutschen Überflieger und nimmt die Chancen der DSV-Adler für die Vierschanzentournee unter die Lupe.

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Sven Hannawald weiß, wie es sich anfühlt, Geschichte zu schreiben. 2002 gewann er alle vier Springen der Vierschanzentournee. Bis heute unerreicht.

Sven Hannawald gewann 2002 alle vier Springen der Vierschanzentournee.

Sven Hannawald gewann 2002 alle vier Springen der Vierschanzentournee.Getty Images

Bis zum vergangenen Wochenende war er auch Teil jenes Duos, bestehend aus ihm und Stephan Hocke, das 2001 bis dato letztmals einen deutschen Doppelsieg feiern durfte.

Nun wurde der deutschen Skisprung-Geschichte am 03.12.2017 ein neues Kapitel hinzugefügt. Andreas Wellinger triumphierte im russischen Nizhny Tagil vor Richard Freitag. Mit Markus Eisenbichler, der Vierter wurde, hat Bundestrainer Werner Schuster ein weiteres heißes Eisen im Feuer.

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Hannawald: Konkurenzkampf als großes Plus

"Die deutschen Springer sind an ihren Aufgaben gewachsen. Bei Richard Freitag war der Wechsel nach Oberstdorf ein sehr wichtiger Schritt, da er jetzt mit Wellinger und Eisenbichler trainiert. Das schürt den Konkurrenzkampf, führt aber auch zu einem lockereren und engeren Verhältnis untereinander", erklärt Hannawald im Gespräch mit Eurosport den aktuellen Höhenflug.

Richard Freitag trainiert jetzt mit Wellinger und Eisenbichler

Richard Freitag trainiert jetzt mit Wellinger und EisenbichlerGetty Images

Freitag hatte sich nach einer für ihn nicht zufriedenstellenden Saison dazu entschieden, den Bundesstützpunkt in seiner Heimat am Fichtelberg zu verlassen. Der 26-Jährige räumte die Sportler-WG mit Kombinierer Eric Frenzel, um endlich den endgültigen Durchbruch zu schaffen. Eine Entscheidung, die das gesamte Team beflügelt.

"Im deutschen Team wird sehr viel im Material-Bereich und an der Fitness gearbeitet, da ist man auf höchstem Niveau", so Hannawald:

"Aber der Hauptfaktor ist, dass man die Rennpferde in einer Trainingsgruppe hat, die sich gegenseitig zu Höchstleistungen pushen."

Hannawald: DSV-Adler können Tournee gewinnen

Womöglich sogar zum ersten deutschen Gesamtsieg bei der legendären Vierschanzentournee seit eben Hannawald in dessen Rekord-Jahr?

"Ich hoffe, dass ihnen bis zur Tournee nicht die Puste ausgeht, aber davon gehe ich nicht aus. Es ist an der Zeit, dass endlich mal wieder ein Deutscher die Tournee gewinnt", gibt der Eurosport-Experte die Richtung vor:

"Wenn man die herausragende Situation hat, dass gleich drei Athleten auf Siegniveau springen, müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn es in diesem Jahr nicht klappt."

Das sah in der vergangenen Saison noch ganz anders aus. "Es war relativ klar, dass wir keinen Siegspringer haben. Wir hatten auf Severin gehofft, aber in Oberstdorf war schon klar, dass das nichts werden wird", zog Bundestrainer Schuster ein enttäuschendes Fazit.

Am Ende war Eisenbichler als Siebter bester Deutscher. Freitag wurde Elfter, Wellinger kam auf Rang 22.

"Im letzten Jahr hat es bei der Tournee nicht geklappt, aber ich glaube, sie haben aus ihren Fehlern gelernt", macht Hannawald Hoffnung.

Hannawald: Druck als Triebfeder

Angst, dass die DSV-Adler ihr Leistungsniveau nicht bis zur Tournee konservieren können, hat der 43-Jährige nicht:

"Eine gute Frühform hat ein wenig den Nachteil, dass man bei so einem Highlight als Favorit antritt. Das schafft natürlich eine ganz andere Erwartungshaltung. Aber ich glaube, dass die Jungs damit umgehen können. Es wird eher ein Ansporn für sie sein."

Hannawald warnt zwar davor, die Konkurrenz zu unterschätzen und sieht insbesondere in Stefan Kraft aus Österreich und den Norwegern ernst zunehmende Sieganwärter, ist aber dennoch von schwarz-rot-goldenen Erfolgserlebnissen überzeugt:

"In dieser Mannschaft ist teamintern so viel Dampf drin, dass auf jeden Fall einer vorne mit dabei sein wird."

Wehe, wenn die Rennpferde losgelassen.

Video - Weiter in Gelb: Freitag sorgt für deutschen Doppelsieg

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