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Skisprung-WM 2017: Sven Hannawald & Martin Schmitt über die deutschen Chancen

Hannawald und Schmitt im Interview: "Medaillen in jedem Springen möglich"
Von Eurosport

25/02/2017 um 12:35

Vom 22. Februar bis zum 5. März finden in Lahti die 51. Nordischen Skiweltmeisterschaften statt. Eurosport ist mit einem großen Expertenteam um die beiden Skisprunglegenden Sven Hannawald und Martin Schmitt vor Ort und berichtet von der Nordischen Ski-WM 2017 auf allen Plattformen. Alle WM-Wettkämpfe gibt es live im Free-TV bei Eurosport 1 sowie im Eurosport Player zu sehen.

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Im Interview mit Eurosport blicken Sven Hannawald und Martin Schmitt auf die Wettkämpfe in Lathi und die Medaillenchancen der deutschen Athleten. Beide Eurosport-Experten sind sich einig, dass Andreas Wellinger gute Chancen hat auf die Podestplätze zu fliegen.

Andreas Wellinger zeigte bei den letzten Weltcup-Springen starke Leistungen und befindet sich in dieser Saison in guter Form. Wie sind seine Chancen bei der WM einzuschätzen?

Sven Hannawald: Andreas Wellinger hat auf jeden Fall Medaillenchancen. Wenn alles zusammenpasst, könnte es eventuell auch für ganz oben reichen. In meinen Augen wäre es jedoch ein Fehler, zu einer WM oder einem Saisonhighlight zu reisen und Titelwünsche zu äußern. In den meisten Fällen geht dies nämlich in die Hose. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass bei der WM so viele Faktoren eine Rolle spielen und stets etwas Unvorhersehbares passieren kann.

Martin Schmitt: Andreas Wellinger hat eine sehr stabile Form und Einzelsprünge, die herausragend sind. Er kann aus eigener Kraft in jedem Wettbewerb eine Medaille gewinnen. Bei einer Weltmeisterschaft muss natürlich alles passen. Aber ich glaube, dass er die mentale Stärke hat. Durch die starken Leistungen in der jüngsten Vergangenheit hat er auch die Sicherheit, am Tag X perfekte Sprünge abzurufen. Deswegen gehört er für mich eindeutig zu den Favoriten auf den WM-Titel.

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Wie sehen die Medaillenchancen der weiteren deutschen Skispringer aus?

Schmitt: Nicht nur Wellinger auch die anderen deutschen Springer haben ihre Möglichkeiten. Beispielsweise kann Karl Geiger auf der kleinen Schanze sehr gut springen. In dieser Saison hat Richard Freitag immer mal wieder bei Einzelsprüngen seine Klasse aufblitzen lassen. Aber er ist noch nicht in eine konstante Form reingekommen. Grundsätzlich hat er aber das Potential, dass er an einem guten Tag eine Medaille im Einzelwettbewerb gewinnen kann.

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Die Konkurrenz der DSV-Adler ist jedoch hart. Martin, welche Athleten gehören für dich zum Favoritenkreis in Lahti?

Schmitt: Da müssen wir die üblichen Verdächtigen nennen. Aber man kann den Favoritenkreis auch nicht so klein halten: Der Pole Kamil Stoch wird ein Wort mitreden sowie Landsmann Maciej Kot, der zuletzt in PyeongChang gewonnen hat. Der Norweger Daniel-André Tande wäre eigentlich auch mal an der Reihe, etwas Großes zu gewinnen. Und natürlich dürfen wir die Österreicher Stefan Kraft und Michael Hayböck nicht vergessen sowie Gregor Schlierenzauer, bei dem man schauen muss, ob er wieder rechtzeitig fit wird. Und auch der Slowene Peter Prevc macht wieder einen stärkeren Eindruck in der letzten Zeit.

Neben den Einzelwettbewerb ist vor allem das Teamspringen stets spannend - wie sehen hier die Medaillenchancen für Deutschland aus?

Hannawald: Das deutsche Team ist auf jeden Fall ein Medaillenkandidat. Bei den letzten Springen waren sie immer auf dem Treppchen gestanden. Theoretisch sollte es in Lahti erneut für eine Medaille reichen. Aber auch hier sage ich: Es spielen so viele Faktoren eine Rolle und es können so viele Dinge zusammenkommen, und auf einmal sieht die Praxis ganz anders aus. Das war auch früher der Ansatz von Reinhard Heß [langjähriger Bundestrainer, Anm. d. Red.] Er hat nie gesagt, dass wir eine Goldmedaille im Einzel und eine mit der Mannschaft gewinnen müssen. Sondern er hat immer das Ziel ausgegeben, eine Medaille holen, egal welche Farbe. Ich denke, dass dies die richtige Herangehensweise ist, insbesondere im Hinblick auf die harte Konkurrenz.

Schmitt: Für das Team mache ich mir keine Sorgen. Da sind wir gut aufgestellt. Markus Eisenbichler ist auch noch einer, der eher auf der Großschanze seine Chancen hat und für den Mannschaftswettbewerb wichtig sein wird. Daher ist Gold für die Mannschaft sicherlich möglich.

Sven, welche Nation ist für Dich der Hauptkonkurrent der Deutschen?

Hannawald: Natürlich Polen - das ist die Mannschaft mit den größten Goldchancen. Aber nichtsdestotrotz hat man in den vergangenen Teamspringen gesehen, dass auch die Slowenen, wenn alles passt, mit dabei sind. Wobei sie momentan ein bisschen nachgelassen haben, außer Peter Prevc, der Fahrt aufnimmt. Und mit den Österreichern ist natürlich immer zu rechnen.

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An Lahti habt ihr beide super Erinnerungen. Sven, Du hast bei der WM 2001 in Lathi mit dem Team Gold und Bronze gewonnen. Was verbindest Du mit den Wettkämpfen?

Hannawald: Finnland und speziell Lathi war für uns Springer immer ein schönes Erlebnis. Das Stadion war immer voll - vor allem zu den Zeiten, als Janne Ahonen vorne mitgesprungen ist – und die tolle Atmosphäre konnte man richtig Aufsaugen. Und auch wenn es bei den finnischen Springern aktuell nicht so gut läuft, waren in den letzten Jahren immer viele Zuschauer vor Ort. Ich denke, dass bei der WM das Stadion voll sein wird, egal welche Rolle die Finnen sportlich spielen.

Martin konnte 2001 neben den Team-Medaillen zudem noch den Weltmeistertitel auf der Großschanze sowie Silber auf der Normalschanze gewinnen...

Schmitt: Das war eine WM, bei der alles bei mir geklappt hat und die Stimmung vor Ort war hervorragend. Dadurch habe ich sehr schöne Erinnerungen an Lathi. Besonders die Großschanze hat mir immer gut gelegen. Ich freue mich jetzt schon auf die WM und hoffe natürlich auf volle Stadien bei den Wettbewerben. Die Finnen haben eine große Begeisterung für den nordischen Skisport und ich hoffe, das zeigt sich in den nächsten zwei Wochen.

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