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Luca Brecel neu im Club: Die Gründe und die Folgen

Luca Brecel neu im Club: Die Gründe und die Folgen

23/08/2017 um 10:04Aktualisiert 23/08/2017 um 10:52

Der Club der Sieger bei Ranglisten-Turnieren hat schon wieder ein neues Mitglied bekommen: Luca Brecel hat die China Championship in Guangzhou gewonnen. Schon zu Juniorenzeiten wurde er als zukünftiger Turniersieger angesehen. Das ist mit Druck verbunden, mit dem nicht immer einfach umzugehen ist. Diese Bürde ist dem Belgier genommen. Mit 22 Jahren hat er seinen ersten Titel geholt.

Natürlich profitierte Luca Brecel im Finale von der Formschwäche von Shaun Murphy. Aber eine Chance zu bekommen und eine Chance zu nutzen sind zwei unterschiedliche Dinge. Außerdem hat er auf dem Weg ins Finale auch Ronnie O’Sullivan nach einem dramatischen Comeback geschlagen. Der Schlüssel zum Erfolg ist für mich die Entwicklung, die Brecel offensichtlich den Sommer über gemacht hat: Ist er in der ersten WM-Runde im April noch förmlich zusammengebrochen und hat sich selber im Weg gestanden, so hat er jetzt die Nerven und die Ruhe bewahrt. Mental scheint er mir erheblich stärker geworden zu sein.

Ruhe mit kleinen Stürmen

Selbstverständlich hat er sich gegen Shaun Murphy mehrfach geärgert, wenn bei ihm was schief gegangen ist oder wenn Murphy einen Bock geschossen hat und für ihn trotzdem nichts liegengeblieben ist. Luca Brecel ist halt niemand, der seine Emotionen unterdrücken kann. Aber im Gegensatz zu früher hat er das dann schnell hinter sich gelassen. Vor allem, wenn es darauf ankam, hat er ruhig, clever und besonnen agiert. Typisch war der letzte Frame, als er sowohl beim taktischen Duell um die letzte Rote als auch um Gelb hervorragend agierte. Das ist es, was man braucht, um ein Champion zu werden: mentale Stärke in den entscheidenden Momenten (frag nach bei Mark Selby).

Luca Brecel hofft jetzt natürlich, dass durch diesen Erfolg Snooker in Belgien mehr Aufmerksamkeit bekommt und sich ein Schub entwickelt. Ich hoffe, sein Wunsch geht in Erfüllung. Es wäre sogar noch schöner, wenn Lucas Erfolg diese Wirkung auch über Belgien hinaus hat. Und natürlich kann sein Sieg viele Spieler in Kontinental-Europa motivieren und beflügeln. Das wären dann positive Effekte, die weit über den persönlichen Bereich hinausgehen und für Snooker sehr positiv sein können.

Leistungstief der Top Sechs

Darüber hinaus war aber zu beobachten, dass bei vielen noch viel Sand im Getriebe war. Es ist halt früh in der Saison, und da muss die notwendige Matchhärte erst aufgebaut werden. Dazu aber braucht man regelmäßige Turniere. Das führte letztendlich auch zum frühen Ausscheiden vieler Top-Spieler. Höhepunkt war der Freitag, als gleich die kompletten Top Sechs der Weltrangliste krachend rausflogen. Matchhärte kommt mit Matchpraxis; das gilt auch für Top-Spieler. Ein Punkt, über den Ronnie O’Sullivan vielleicht auch einmal nachdenken sollte. Für die, die für alle Turniere gemeldet haben, kommt die Matchpraxis in den nächsten Wochen beinahe automatisch. Denn jetzt geht es ja praktisch Schlag auf Schlag weiter.

Herzliche Grüße

Ihr / Euer Rolf Kalb

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