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Blog: Shootout kann toll sein, aber nicht als Ranking-Event

Shootout kann toll sein - aber nicht als Ranking-Event

27/02/2017 um 17:30

Mein Kurz-Fazit zum Shootout: Erstens Shootout kann toll sein, und zweiten das Shootout als Ranglisten-Turnier ist nicht toll! Aber erst einmal Glückwunsch an Anthony McGill, der aus einer verfahrenen Situation das Beste gemacht hat und sich nun mehrfacher Ranglisten-Turniersieger nennen darf. Er selber hat das ja aber durchaus passend eingeordnet. Das sagt viel, wenn nicht alles!

Wohlgemerkt: Gegen das Format als solches habe ich absolut nichts. Es kann erfrischend sein und viel Spaß machen. Es kann auch neue Zuschauer auf Snooker aufmerksam machen, die dann auch dem richtigen Sport eine Chance geben. Das alles ist positiv.

Auch gibt es Spielern eine zusätzliche Verdienstchance. Die brauchen viele Spieler dringend. Warum sollte es also nicht einmal auch ein solches Event geben. Biathlon auf Schalke zum Beispiel ist auch ein solches Fun-Event. Besucher und Athleten haben viel Spaß; für den Weltcup zählt es allerdings aus gutem Grund nicht.

So geht der Spaß verloren

Aber: Das Shootout lebt vom Spaß, den alle Beteiligten miteinander haben, sowohl die Spieler als auch natürlich die Zuschauer. Und dieser Spaß war bei der Premiere des Shootout als Ranglisten-Turnier doch erheblich eingeschränkt. Für die Spieler ging es um zu viel.

Da geht der Spaß verloren, das ist der bittere Ernst des Lebens als Profisportler. Also widerspricht das diametral dem Grundgedanken dieses Formats. Das kann nicht wirklich funktionieren. Sogar das Verhalten der Zuschauer beim Finale machte das deutlich.

Zum ersten Mal hat man allen Spielern auch Mikrophone angesteckt. Eigentlich eine gute Idee. Das kann den Spaß steigern. Aber nicht, wenn es um die Rangliste geht. Dann will jeder Spieler seinen Gegner aus Fairness nicht aus dem Konzept bringen, wenn der am Tisch steht.

Erst recht will sich kein Spieler selber aus dem Konzept bringen, wenn er selber am Tisch steht. Also hätte man sich das mit den Mikrophonen auch komplett sparen können. Genutzt hat sie kaum jemand.

Shootout arg limitiert

Der sportliche Wert des Shootout ist arg limitiert. Das liegt zum einen an den an entscheidenden Stellen veränderten Regeln, aber auch daran, dass der Zufall und nicht das Können eine große Rolle spielt. Viele bezeichnen ja schon Matches über best of 7 als Lotterie; was ist dann erst das Shootout?

Aber: Das nicht geahndete Zeitfoul, das David Gilbert zum Verhängnis wurde, gehört nicht dazu. Das gehört eher zu den natürlichen Ungerechtigkeiten im Sport, zu denen es durch Fehlentscheidungen kommt.

Natürlich ist es ärgerlich, dass weder Schiedsrichter noch Marker die Zeitüberschreitung bemerkt haben, auch wenn Hektik und Lärmkulisse einen solchen Fehler wahrscheinlicher machen. Da muss man sich für eine Neuauflage etwas überlegen, um so etwas nach Möglichkeit auszuschließen.

Aufregung muss sich legen

Dazu gehört unter Umständen auch eine technische Aufrüstung. Aber es ist ein Grundprinzip im Sport, dass etwas, was aus einem Fehler des Schiedsrichters resultiert, eben nicht null und nichtig wird. Der Spieler (auch wenn er einen Vorteil hatte) kann nicht für einen Schiedsrichter-Fehler bestraft werden.

Entweder wird der Fehler sofort bemerkt und korrigiert, oder aber alles behält seine Gültigkeit. Deshalb war in diesem Fall auch eine Neu-Ansetzung dieses Matches nicht möglich. Durch den Fehler und das Weiterspielen sind Fakten geschaffen worden.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Aufregung jetzt wieder legt. Es wird ja schließlich auch wieder "richtig" Snooker gespielt. Und ab Freitag gibt es auch wieder zehn Tage Snooker non-stop bei Eurosport im TV. Dann stehen hoffentlich wieder die Dinge im Vordergrund, die wirklich wichtig sind.

Herzliche Grüße

Ihr / Euer Rolf Kalb

Video - Was für ein Pech: Auch Snooker-Stars sind nur Menschen

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