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Toyota siegt in Silverstone, Porsche Matchwinner

Toyota siegt in Silverstone, Porsche Matchwinner

17/04/2017 um 11:36

Toyota siegt erwartungsgemäß beim Saisonauftakt der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) 2017 in Silverstone. Doch TMG wird mit einigen Kopfschmerzen nach Hause fahren. Zum einen machte man Porsche mittels technischer Probleme und einem heftigen Unfall von Jose-Maria Lopez im zweiten Toyota ein Geschenk. Zum zweiten war Porsche im Le-Mans-Trimm genauso schnell wie Toyota mit High-Downforce-Paket.

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Anthony Davidson, Sebastien Buemi und Kazuki Nakajima feierten einen wesentlich mühsameren Sieg als erwartet. Erst 15 Minuten vor Schluss übernahm Buemi die Spitze wieder, die man zwischenzeitlich an Porsche abgegeben hatte. Das Porsche Team präsentierte völlig überraschend auf Augenhöhe - und das, obwohl der 919 Hybrid in Silverstone mit Le-Mans-Aerodynamik fuhr. Was auch immer Toyota am Sonntag zurückgehalten hat, die Kölner werden zu Hause reichlich Analysearbeit vor sich haben. Eigentlich war ein Spaziergang zum Doppelerfolg erwartet worden.

Nur mit einer starken kämpferischen Leistung von Sebastien Buemi und einem speziellen Hybrid-Programm mit weniger Rekuperationsleistung im Schlussspurt gelang es Toyota noch, einen Acht-Sekunden-Rückstand nach dem letzten Stopp aufzuholen. Eine Viertelstunde vor Schluss übernahm der Toyota dann die Führung, die das Fahrzeug zuvor schon lange gehalten hatte. Nach einem harten Kampf zu gewinnen, ist zumindest für die Fahrer befriedigend. "Ein unglaubliches Gefühl, so zu siegen", strahlt Buemi. "Ich wusste, es würde beim letzten Stopp eng werden. Aber nicht, dass ich acht Sekunden aufholen müsste..."

Toyota muss Doppelerfolg früh abschreiben

Dabei begann alles wie erwartet: Binnen drei Runden setzten sich die Toyota TS050 Hybrid um fast zehn Sekunden von den Porsche 919 Hybrid ab. Doch irgendetwas geschah an diesem kühlen, windigen und immer wieder regnerischen Ostersonntag auf dem Silverstone Circuit, was Porsche über sich hinauswachsen ließ. Schon im ersten Stint konnten die 919er das Tempo nach den Anfangsrunden mitgehen. Damit hatte nicht einmal die Mannschaft von Fritz Enzinger selbst gerechnet, trotz ermutigender Longruns am Freitag.

Und Toyota brach sprichwörtlich unter dem Druck zusammen: Beim TS050 Hybrid #7 (Conway/Kobayashi/Lopez) knackste der hintere Stabilisator nach eineinhalb Stunden durch. Mike Conway musste die Führung ans Schwesterfahrzeug abgeben. Dieses wurde dann von Porsche beständig unter Druck gesetzt. Als die Sonne verschwand, war der Porsche #2 (Bernhard/Bamber/Hartley) sogar schneller als das führende Fahrzeug. Der Porsche #1 (Jani/Lotterer/Tandy) hingegen hing ein wenig zurück. Auffällig war, dass Porsche längere Stints als Toyota fahren konnte.

Lopez zerschmettert den Toyota #7

Ein Regenschauer nach etwa zweieinhalb Stunden würfelte alles durcheinander: Toyota hatte gerade Slickreifen geholt. Porsche zog bei der #2, die ihren regulären Stopp zu jenem Zeitpunkt noch nicht absolviert hatte, den profillosen Hybridregenreifen auf. Und holte die #1, die ebenfalls gerade auf Slicks gewechselt hatte, zu einem weiteren Stopp rein. Doch die Taktik, auf Slicks draußen zu bleiben, erwies sich als die richtige: Toyota hatte, nachdem Porsche auf Slicks zurückwechseln musste, nun 40 Sekunden Vorsprung. Eine FCY zum richtigen Zeitpunkt - ironischerweise durch einen brennenden GTE-Porsche - half beim nächsten Stopp.

Doch gerade, als Toyota die Oberhand zu gewinnen schien, stopfte Jose-Maria Lopez bei wieder einsetzendem Regen den zweiten Toyota in die Reifenstapel. Das rief ein Safety-Car auf den Plan und der ganze Vorsprung von Toyota war dahin. Nun hatte Porsche die Hand am Pokal, denn Toyota musste beim letzten Stopp Reifen wechseln. Doch in einem wahnsinnigen Schlussspurt fuhr Buemi die Lücke von acht Sekunden zu, überholte Hartley im Arena-Komplex und siegte zum Schluss mit 6,1 Sekunden Vorsprung. Der zweite Toyota wurde in einem Kraftakt wieder aufgebaut und sah die Zielflagge in Wertung.

DC Racing mit glücklichstem Händchen

In der LMP2 sah lange Zeit alles nach einem Sieg für den Alpine #36 (Lapierre/Menezes/Rao) aus. Zwischenzeitlich betrug der Vorsprung bereits eine halbe Minute. Doch das Safety-Car ruinierte der Signatech-Mannschaft das gesamte Rennen. Am Ende blieb nur Rang vier. Eher unauffällig gewann das von Hollywood-Superstar Jackie Chan geförderte Team DC Racing mit Ho-Pin Tung, Oliver Jarvis und dem 18-Jährigen Rookie Thomas Laurent das Rennen mit knapp 20 Sekunden Vorsprung.

Rebellion brachte ein Auto bei der LMP2-Premiere in der WEC ins Ziel und belegte mit Canal/Prost/Senna in der #31 den zweiten Platz, dicht gefolgt von TDS Racing #28 (Perrodo/Vaxiviere/Collard). Der zweite Rebellion-Oreca war in zahlreiche Zwischenfälle verwickelt. Auch Manor erlebte ein mühsames Rennen beim Debüt als chinesisches Team.

Unglück wandelt sich für Ford zum Glück

Kurios verlief der Weg zum Sieg in der GTE Pro für den Ford GT #67 von Andy Priaulx, Harry Tincknell und Pipo Derani. Beim Start in Führung gegangen, ging schon in der ersten Stunde erst eine Tür am Boliden auf und dann ein Reifen ein. Durch den unplanmäßigen Boxenstopp fuhr der Ganassi-Bolide lange Zeit "off sequence", weil er antizyklisch stoppte. Das Safety-Car jedoch kam für das Trio genau zum richtigen Zeitpunkt. Plötzlich war der Ford als einziges Fahrzeug auf der richtigen Strategie.

Das Safety-Car verbaute dem Schwesterfahrzeug #66 (Mücke/Pla/Johnson) einen möglichen Sieg. Am Ende blieb hier nur ein vierter Platz. Genauso ärgerlich war die SC-Phase für Porsche. Der 911 RSR #91 (Lietz/Makowiecki) kämpfte lange Zeit mit dem Ford #66 um die Spitze und gewann diesen Kampf, musste aber kurz vor Schluss zum Splash hereinkommen. Dadurch ging es zurück auf Rang drei. Der 911 RSR #92 (Christensen/Estre) brannte bei Rennhälfte in Luffield ab.

AF Corse profitierte und sicherte mit cleverer Strategie den zweiten Platz für den Ferrari 488 #51 (Calado/Pier Guidi). Für Alessandro Pier Guidi eine gelungene Premiere als Vollzeit-Fahrer in der GTE Pro. Aston Martin spielte im Rennen keine Rolle. Ob die Dunlop-Reifen mit den kalten Bedingungen nicht zurechtkamen oder sich Prodrive anderweitig verzettelte, wird zu klären sein. Durch das Safety-Car wurde allerdings die #97 (Turner/Adam/Serra) in eine aussichtsreiche Position gespült. Doch eine Kollision mit dem ByKolles-CLM #4 (Webb/Kraihamer/Rossiter) in der Boxeneinfahrt kostete drei Runden.

Verrücktes GTE-Am-Finale

Für das packendste Finale sorgte allerdings die Amateurkategorie. Aston Martin Racing #98 (Dalla Lana/Lamy/Lauda) hatte lange Zeit geführt, im letzten Stint die Spitze aber an den Clearwater-Ferrari #61 von Matt Griffin, Weng Sun Mok und Keita Sawa verloren. Diese hatten sich jedoch mit dem Sprit verkalkuliert und mussten Matt Griffin zu einem Splash an die Box holen. Dadurch ging der Aston Martin wieder an die Spitze, nun gefolgt von Miguel Molina im Spirit-of-Race-Ferrari #54 (Flohr/Castellacci/Molina).

Pedro Lamy hatte nur noch drei Kurven vor sich, als er sich Molina ins Gehege geriet. Beide Fahrzeuge kreiselten von der Strecke. Griffin lachte sich kaputt, als er an beiden vorbeizog und die Klasse gewann. Lamy schleppte den Aston Martin auf Rang zwei über die Ziellinie, der Spirit-of-Race-Ferrari sah die Zielflagge nicht. Rang drei erbte damit der Proton-Porsche #77 (Ried/Cairoli/Dienst) bei der WEC-Premiere von Marvin Dienst.

Jose-Maria Lopez musste nach seinem gewaltigen Einschlag ins Krankenhaus für einen Scan eingeliefert werden. Der Argentinier schleppte zuvor aus eigener Kraft den völlig zerstörten Toyota an die Box zurück. Ob er sich ernsthaft verletzt hat, steht derzeit noch nicht fest. Das nächste Rennen zur Langstrecken-Weltmeisterschaft findet am 6. Mai in Spa-Francorchamps statt.

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