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WEC: Irrer Krimi bei "6h von Fuji" mit Toyota-Sieg

Irrer Krimi bei "6h von Fuji" mit Toyota-Sieg

16/10/2016 um 10:25Aktualisiert 16/10/2016 um 15:26

Der siebte Lauf zur Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) wurde zu einem absoluten Kracher, bei dem sich Audi, Toyota und Porsche duellierten. Die drei bestimmenden Fahrzeuge lagen während nahezu des ganzen Rennens (wenn nicht durch Boxenstopps separiert) innerhalb weniger Sekunden, am Ende entschieden 1,439 Sekunden zu Gunsten des Toyota von Stephane Sarrazin, Mike Conway und Kamui Kobayashi.

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Über weite Strecken des Rennens konnten der Audi #8, der Toyota #6 und der Porsche #1 mit dem buchstäblichen Handtuch zugedeckt werden. Audi hatte den reinen Speed, verlor aber immer wieder bei den Boxenstopps an Boden.

Toyota betrieb short fueling und verzichtete auf den Reichweitenvorteil. Mehrmals geriet der TS050 Hybrid #6 dadurch mit dem Porsche #1 aneinander, was die Führung des Audi #8 immer wieder vergrößerte. Audi hatte bereits früh im Rennen die #7 (Fässler/Lotterer/Treluyer) durch einen Schaden am Hybridantrieb verloren, der zweite Toyota konnte einen früh eingefangenen Rückstand nicht aufholen.

Die Entscheidung fiel erst ganz am Ende: Toyota fasste beim letzten Boxenstopp im Gegensatz zu Audi und Porsche keine frische Reifen. So kam es zum Showdown zwischen Kamui Kobayashi und Loic Duval in der letzten halben Stunde. Porsche musste unterdessen einsehen, dass der vierte Sieg in Folge nicht mehr möglich war und ließ sich in der letzten halben Stunde zurückfallen. Timo Bernhard, Mark Webber und Brendon Hartley begnügten sich mit Rang drei.

Atemberaubender Schlussspurt

Duval machte gewaltigen Druck auf den führenden Kobayashi, hatte aber des Öfteren Pech im Verkehr, was ihn immer wieder zurückwarf. Den Rückstand von 15 Sekunden nach dem Boxenstopp holte der Franzose nach und nach auf, mit leichten Rückschlägen beim Überrunden. Doch Duval biss wie ein Löwe, reduzierte den Abstand auf unter zwei Sekunden zwei Runden vor Schluss. Kobayashi quetschte das letzte Bisschen aus den völlig fertigen Reifen und rettete 1,439 Sekunden Vorsprung über die Linie. An der Boxenmauer und auf den Zuschauerrängen brachen alle Dämme.

Kobayashi hatte nach der Zieldurchfahrt nur das Wort "verrückt" übrig. Als er sich gefangen hatte, um seinen ersten WEC-Sieg zu feiern, fügte er hinzu:

"Definitiv ein harter Kampf. Wir wollten unser Heimrennen unbedingt gewinnen und waren nach dem Qualifying guter Dinge. Wir hatten eine sehr gute Performance und viel Unterstützung, danke an das Team und die Fans. Aber es war härter als erwartet."

Der von der Konkurrenz befürchtete (und von Toyota heimlich erhoffte) Durchmarsch der Japaner wurde es nämlich nicht.

Bei Audi war die Enttäuschung zu spüren, schon wieder einen eigentlich verdienten Sieg aus der Hand gegeben zu haben - obschon Lucas di Grassi, Loic Duval und Oliver Jarvis nichts falsch gemacht haben. Es ist das vierte Rennen in Folge, das Audi vom Speed her hätte gewinnen müssen, doch zum vierten Mal stolperten die Ingolstädter über diverse Umstände: Die technischen Probleme bei der #7, ein defekter Schlagschrauber bei der #8 und schließlich die Toyota-Strategie.

Hinter den Podiumsrängen kam der zweite Toyota von Anthony Davidson, Sebastien Buemi und Kazuki Nakajima auf den vierten Platz. Die Tabellenführer Romain Dumas, Neel Jani und Marc Lieb wurden Fünfte; Porsche wird jedoch erneut analysieren müssen, warum die #2 so viel langsamer war als die #1. Dieses Problem hatte es schon zu Saisonbeginn gegeben und konnte damals durch ein neues Chassis gelöst werden. Rebellion setzte sich gegen ByKolles durch und sicherte sich damit die Meisterschaft in der privaten LMP1-Kategorie.

LMP2-Kampf am und überm Limit

War die LMP1 bereits hart umkämpft, so kann der Kampf in der LMP2 nur mit dem Wort "Wahnsinn" beschrieben werden: Packende Mehrkämpfe zwischen den verschiedensten Fahrzeugkonzepten wurden auf und teilweise neben der Strecke ausgetragen. Teils lagen fünf Fahrzeuge innerhalb von zwei Sekunden. Es wurde ein Eliminationskampf: Mit Strakka verabschiedete sich ein Team aus dem Kampf um den Sieg mit einer ungünstigen Strategie, die einen zusätzlichen Boxenstopp erforderte. Auch der neu besetzte ESM-Ligier #30 fiel in den letzten beiden Stunden zurück, der Manor-Oreca #44 war nicht konstant genug besetzt.

Am Ende lief alles auf einen Dreikampf zwischen dem RGR/Morand-Ligier #43 mit Bruno Senna am Steuer, dem G-Drive-Oreca #26 von Will Stevens und dem Alpine #36 von Nicolas Lapierre hinaus. Stevens ging bereits 27 Minuten vor Schluss an Senna vorbei, fuhr dabei jedoch über die Sperrfläche der Boxenausfahrt und musste den Platz wieder abgeben. Dass er die Strecke verlassen musste, weil er von Senna abgedrängt wurde, schien für die Rennkommissare nicht zu zählen.

Fünf Minuten vor Schluss setzte Stevens erneut zum Angriff an und nutzte den besseren Luftwiderstand des Oreca 05, um den breiteren Ligier JS P2 auf der Zielgeraden zu überholen und vor dem Bremspunkt einzuscheren. Damit war die Entscheidung zu Gunsten von Roman Russinow, Alex Brundle und Will Stevens gefallen. Kaum zu glauben, doch es ist der erste Saisonsieg für G-Drive und damit der erste für einen von Jota eingesetzten Oreca. Ricardo Gonzales, Filipe Albuquerque und Bruno Senna hielten immerhin den Alpine von Gustavo Menezes, Nicolas Lapierre und Stephane Richelmi hinter sich.

Ford und Aston Martin feiern in GT-Klassen

Etwas weniger dramatisch wurden die GT-Klassen entschieden: Ford setzte seine Dominanz in der GTE Pro auch im Rennen fort. Lange Zeit war aber unklar, welcher der beiden Ford GT das Rennen machen würde. Die Entscheidung fiel eine Stunde vor Schluss, als sich Olivier Pla drehte und zehn Sekunden verlor. So holten sich Andy Priaulx und Harry Tincknell den Sieg mit 15 Sekunden Vorsprung vor Pla und Stefan Mücke. Für Priaulx ist es der erste WEC-Sieg überhaupt. Die beiden AF-Corse-Ferrari gaben alles, um mit den Fords mitzuhalten, mussten sich aber mit den Plätzen drei (Bruni/Calado) und vier (Rigon/Bird) abfinden.

Während in der Pro-Kategorie Aston Martin diesmal mit den Plätzen fünf und sechs vorliebnehmen musste, durfte die Mannschaft von John Gaw in der GTE Am feiern: Paul Dalla Lana, Pedro Lamy und Mathias Lauda fuhren einen ungefährdeten Sieg ein. Rui Aguas, Francois Perodo und Emmanuel Collard (AF Corse) machten mit Platz zwei einen großen Schritt in Richtung Titel.

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