Nach 92 Jahren feiert Rugby mit dem Auftakt des Frauen-Turniers sein Olympia-Comeback. "Es ist eine gewagte These, weil der 100-m-Lauf eine große Tradition besitzt", sagte Lars Stegelmann, Sportmarketing-Experte bei der Vermarktungsfirma Nielsen Sports, dem SID: "Dennoch hat ein Rugby-Finale zumindest das Potenzial, bei Olympia zu einer der Veranstaltungen mit dem höchsten TV-Zuschauerinteresse weltweit zu werden." Zumindest sei aber zu erwarten, dass sich die Erfolgsstory der letzten Jahre in Rio fortsetzt: "Das Interesse hat sich kontinuierlich gesteigert."
Denn sogar im bislang wenig rugby-begeisterten Deutschland herrscht zurzeit Aufbruchstimmung. Die WM in England verfolgten Ende 2015 Millionen vor dem Fernseher. Zudem wurden Strukturen im Deutschen Rugby-Verband massiv professionalisiert, was sich wiederum in den Ergebnissen der Nationalteams niederschlägt.

Deutschland nicht dabei

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Letztlich kam Rio noch etwas zu früh für die junge deutsche 7er-Auswahl. Beim Olympia-Qualifikationsturnier in Monaco scheiterte sie knapp im Halbfinale. Wenn am Samstag in Rio zunächst die Frauen und am Dienstag die Männer loslegen, sitzen die deutschen Spieler deshalb vor dem TV, wie weltweit Millionen andere - Olympia ist für den Rugby-Sport auch eine riesige Werbemaßnahme.
Grundsätzlich spielt die Zahl sieben beim 7er-Rugby gleich in mehrfacher Hinsicht eine entscheidende Bedeutung. Zweimal sieben Minuten duellieren sich Teams zu je sieben Spielern, pro Angriff sind dabei maximal sieben Punkte möglich. In der Regel ist eine Mannschaft dreimal pro Tag im Einsatz, das Turnier mit jeweils 12 Mannschaften bei Männern und Frauen wird in nur drei Tagen durchgezogen.
Die Akteure müssen dementsprechend absolute Allrounder sein. "Du brauchst Leute vom Typ Zehnkämpfer", sagt der ehemalige deutsche Nationalspieler Manuel Wilhelm: "Sie müssen schnell, ausdauernd und kräftig sein." Daneben sei zudem auch ein gutes Ballgefühl und ein ausgeprägtes taktisches Gespür unablässig - im Prinzip also sportliche Alleskönner.

"Brutal und absolut unbarmherzig"

Mike Friday, Nationaltrainer der USA, beschrieb die 7er-Variante angesichts der körperlichen Herausforderungen einmal als "brutal und absolut unbarmherzig". Trotzdem bietet genau sie ihrem Sport die Chance, bei Olympia ein noch größeres Publikum zu begeistern. Und das, obwohl eine Rugby-WM, wie die im Vorjahr in England, ohnehin schon ein absolutes Weltereignis ist.
Auf jedem Kontinent der Erde findet sich schließlich mindestens eine absolut Rugby-verrückte Nation. Sei es Neuseeland, Südafrika, England, Argentinien oder neuerdings auch Japan. Seit das IOC 2009 beschloss, den Sport wieder ins Programm zu holen, steht der Sport mehr denn je vor einer rosigen Zukunft.
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