Exoten auf zwei Brettern

Exoten auf zwei Brettern

18/02/2011 um 14:50Aktualisiert

Wenn sich die Stars schon auf ihren zweiten Durchgang vorbereiten, stehen die Exoten auf zwei Brettern noch oben am Start und warten auf ihren großen WM-Auftritt. Sie kommen aus insgesamt 48 Nationen, aus Israel, dem Libanon und Haiti - oder aus Südafrika, wie Laura Bauer.

Aber wie kommt man in einem Land zum Skifahren, dass sich sportlich über Fußball, Rugby und Cricket definiert und gerade einmal ein echtes "Skigebiet" hat? "Meine Mutter kommt aus Deutschland, mein Vater ist Österreicher", erzählt die 17-Jährige in akzentfreiem Deutsch nach ihrem ersten WM-Rennen - wenn es nach ihr geht, soll es nicht das letzte sein.

Eine Piste zum Trainieren

Doch die Voraussetzungen sind denkbar schlecht. Das Ski-Resort Tiffendell in den Drakensbergen östlich von Johannesburg preist zwar mit viel Liebe seine "Main Slope" - die Hauptpiste - an, doch bei den Fakten kommen selbst Nicht-Alpenanrainer ins Schmunzeln. Gerade einmal einen Kilometer misst die einzige Piste, allein um die Länge der WM-Abfahrt der Damen zu erreichen, müsste man die Strecke dreimal in Folge fahren.

So weichen die Südafrikaner in die Höhenlagen Lesothos aus, um ihre internen Ausscheidungen zu absolvieren und fliegen zum Trainieren dann doch nach Europa. "Die Männer zwei bis drei Monate. Ich habe es nur drei Wochen geschafft", sagt Laura, die unter den fünf Athleten, die das Land nach Garmisch entsandt hat, das "einzige Mädchen" ist. Es gibt zwar eine Tante in Mühlbach am Hochkönig, zu der Laura mindestens einmal im Jahr fährt, aber auch da steht das Training eher im Hintergrund. "Ich gebe Ski-Unterricht, dass ist genial", erzählt die angehende Abiturientin mit viel Feuer im Blick.

"Fahr, wie du kannst"

Mit guten Platzierungen in den nationalen Rennen hat sich Laura den WM-Startplatz gesichert. Sie war vor dem Riesenslalom "sehr nervös, aber es ging sehr gut." Mit Maria Riesch oder Lizz Görgl könne man sie, das "Mädchen aus einer kleinen Nation", ohnehin nicht vergleichen. Und auch für die WM hatte sie nur ein Motto: "Fahr, wie du kannst! Auch wenn ich Letzte werde... es ist so cool, hier zu fahren." Letzte ist Laura nicht geworden. Von den 97 Läuferinnen, die das Ziel erreicht haben, belegte sie im Riesenslalom Platz 96 - drei Hundertstel vor Sarah Ekmekejian aus dem Libanon.

Für sie hat jetzt das Abi an der deutschen Schule in Pretoria Priorität. "Aufholen, was ich in den letzten zwei Wochen verpasst habe", so lautet die Devise für die nahe Zukunft - da bleibt keine Zeit für Gedanken an regelmäßige Starts bei Weltcuprennen, aber bestimmt für eine Erinnerung an die "geniale Zeit" von Garmisch.

Fabian Kunze

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