Ruckzuck war der Buh-Mann gefunden - wie so oft. Er trug schwarz und hatte eine Pfeife in der Hand - wie so oft. Und er war ganz allein - wie so oft.
Es mag verständlich sein, dass die direkt beteiligten Protagonisten unmittelbar nach der Partie emotional aufgeladen waren und daher leidenschaftlich schimpften. Von einem "Skandal" sprach etwa Dortmund-Manager Michael Zorc, von "ganz hartem Brot" Trainer Jürgen Klopp - und Klub-Chef Hans-Joachim Watzke hatte förmlich Schaum vorm Mund, als er sagte: "Ich habe mir vorgenommen, meine letzte Selbstbeherrschung heute aufzubringen und zum Thema Stark und seinen beiden Assistenten nichts zu sagen."
Jeder, der selbst schon mal mit Schiedsrichter-Entscheidungen gehadert hat, kann solche Aussagen von Vereins-Verantwortlichen oder Spielern zumindest kurz nach dem Schlusspfiff wahrscheinlich verstehen.
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Aber sollten nicht wenigstens "Außenstehende" mehr reflektieren?
Selbst der erzürnte Watzke erkannte doch: Der Schiedsrichter ist nicht allein. Er hat zwei Assistenten. Sie sollen ihn auf Abseits-Stellungen aufmerksam machen - wie vor dem 1:0 durch Marco Reus, wie beim Pass von Diego auf Vieirinha unmittelbar vor der ersten strittigen Elfmeter-Entscheidung, und auch wie beim 2:1 der Wolfsburger durch Naldo. In allen drei Situationen blieben ihre Fahnen unten.
Und trotzdem war es nur Stark, der in der Berichterstattung anschließend verantwortlich gemacht wurde - vier irreguläre Tore habe er gegeben, hieß es. Er, nur er. Immer drauf. Ist ja ganz einfach.
Es ist kein Wunder, dass Menschen beim Verlassen des Rasens mit Regenschirmen vor heranfliegenden Bierbechern geschützt werden müssen, wenn sie öffentlich immer wieder völlig hemmungslos und überzogen an den Pranger gestellt werden.
Aber was kann Wolfgang Stark dafür, wenn seine Assistenten die Fahne unten lassen? Und was kann Wolfgang Stark dafür, wenn es der Fußball noch immer nicht geschafft hat, mit der Zeit zu gehen? Im Eishockey hätte es eine Minute gedauert, und aus Handelfmeter sowie Platzverweis für Marcel Schmelzer hätte ein Einwurf für die Wolfsburger werden können - durch eine "hochmoderne" Erfindung: Videokameras.
Doch das will man im Fußball nicht. Lieber nutzt man die mit diesen Kameras entstandenen Bilder dazu, TV-Beiträge zu produzieren, auf deren Grundlage man verbal auf Schiedsrichter einschlagen kann. Das macht mehr Spaß - allen Beteiligten. Bis auf einen. Frag' nach bei Babak Rafati.
Felix Mattis
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