Selbsttest im Kampf der Geschlechter

Selbsttest im Kampf der Geschlechter

17/06/2011 um 02:26Aktualisiert

Wie oft habe ich in den letzten Wochen gehört: "Was, in diesem Jahr ist WM?" Gebetsmühlartig wiederhole ich dann meinen Sermon, es sei Frauen-WM und das wäre sportlich und optisch schon lange keine Veranstaltung zweiter Klasse mehr.

Die skeptischen Blicke und das teils unverhohlene Gelächter kann sich jeder vorstellen. Doch seit ein paar Tagen meine ich das ernster als je zuvor, denn als einziger deutscher Journalist hatte ich die Möglichkeit, einen deutschen Gruppengegner bei der WM auf Schuss und Schnelligkeit zu prüfen.

Ein Tag mit der französischen Damen-Nationalmannschaft in deren WM-Trainingslager in Clairefontaine. Vor den Toren von Paris liegt hinter riesigen Rhododendron-Hecken bestens verborgen das "Centre Technique National Fernand-Sastre". Hier, wo alle französischen Auswahlteams sich auf große Turniere vorbereiten, soll es also stattfinden. "Le Duel" hat es Frankreichs Verband genannt und will damit die Leistung seiner weiblichen Kicker ins rechte Licht stellen.

Denn während Birgit Prinz, Lira Bajramaj & Co. hierzulande bereits ein gewisses Ansehen genießen, ist das Interesse am Frauen-Fußball in Frankreich mehr als gering. Gerade einmal ein Journalist begleitete das Team vor zwei Jahren zur EM nach Finnland. Die Spielerinnen beklagten sich über den unfairen Umgang mit ihnen in den Medien. Da war die Idee zum Duell schnell geboren und umgesetzt - und so sitze ich in einem Bus mit "Le Duel"-Logo und Schriftzug und freue mich mit rund 25 französischen Kollegen auf das Treffen mit den Spielerinnen.

Aufwärmen? Quatsch!

Das Duell beginnt als Schlacht am Mittagsbuffet. Zwischen Putenspießen und diversen Salaten lassen sich bei einem Glas Rosé (klar darf Wein nicht fehlen, wir sind schließlich in Frankreich) schon erste Kontakte knüpfen. Der Zufall spült die kleine deutsche Delegation an den Trainer-Tisch, an dem Coach Bruno Bini, einen Gambas-Schwanz ausschlürfend, von seiner ersten Begegnung mit deutschen Journalisten erzählt. Die Erinnerungen sind schlecht, aber ich habe Glück, denn nur ein Kollege sei ihm positiv im Gedächtnis geblieben. "Andreas von Eurosport, der auch in Paris lebt", sagt Bini und schaufelt eine Gabel Taboulé nach. Ich danke im Stillen dem Kollegen Jörger für seine Manieren, dann fordert uns der Trainer auch schon auf, endlich auf dem Platz zu erscheinen.

In kleinen Gruppen durchläuft man fünf Stationen. Im Jonglieren, Elfmeterschießen, Fußball-Tennis, in einem Dribbling-Parcours und beim Freistoßschießen wollen die Spielerinnen den Journalisten zeigen, was sie draufhaben. Dann kann es ja losgehen. Aufwärmen? Quatsch, das brauche ich nicht! Hier wird doch gleich nur ein bisschen gekickt - und die die Anderen machen sich schließlich auch nicht richtig warm. Die "Anderen" - das wird mir wenig später klar - gehören nur unglücklicherweise zu den Besten, die Frankreich derzeit zu bieten hat.

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Gut, meine besten Fußballerzeiten hatte ich in der Jugend - immerhin mal Landesliga, damals Berlins höchste Spielklasse -, aber dass ich in den letzten Jahren dermaßen eingerostet bin, hätte ich nicht gedacht. Beim ersten Jonglierversuch hole ich mir nicht nur fast eine Zerrung (Sadisten finden diese Szene auch im Video), sondern sorge auch für einen ersten Lachanfall bei den Umstehenden (aus Schmach rausgeschnitten). Die Genugtuung setzt schnell ein: Auch die Kollegen von Canal+ und France Television verlieren ihre Duelle - am Ende heißt es 6:0 für die Spielerinnen. Das Debakel nimmt seinen Lauf.

Waterloo im Fußball-Tennis

Dem kurzen Aufbäumen im Elfmeterschießen (ich hole - standesgemäß deutsch - unseren einzigen Sieg vom Punkt) folgt eine weibliche Demonstration im Dribbling-Parcours und ein torloses Remis nach 15 Minuten Freistoßschießen. Doch unser persönliches Waterloo erleben wir beim Fußball-Tennis. Das 0:5 nehmen wir noch mit einem Lächeln hin, das 0:12 führt dann doch schon zum ein oder anderen Schweppes-Gesicht, der erste Punkt zum 1:13 wird überschwänglich gefeiert, um zu zeigen, dass wir noch da sind, doch am Ende ist das 4:21 auch dem guten Willen der Spielerinnen geschuldet und dennoch ein Debakel.

Schon auf dem Rückflug habe ich mich gefragt, wie das Fazit nach einem solchen Tag aussehen könnte und will dafür zweimal ansetzen. Der Frauen-Fußball ist auf diesem Niveau sicher besser als sein Ruf - die Spielerinnen sind athletisch und technisch bestens geschult und haben sich mit ihrer sympathischen Art auch bei meinen französischen Kollegen - unter denen mit dem ehemaligen französischen Nationalspieler Frank Le Bouef zumindest einer dabei war, der richtig kicken konnte - gehörig Respekt verschafft. Klar ist aber auch, dass sie aufgrund der körperlichen Gegebenheiten einem Vergleich, selbst mit einer gut trainierten Herren-Mannschaft im Amateurbereich, nicht standhalten können.

Und die zweite Frage möchte ich am Ende zur Diskussion stellen: Warum vergleicht man überhaupt ständig zwischen Männern und Frauen im Fußball? In der Leichtathletik würde doch auch niemand auf die Idee kommen, Usain Bolt gegen Verena Sailer laufen zu lassen. Der letzte "Kampf der Geschlechter" im Tennis ist schon eine Weile her und selbst im Turnen, wo die Frauen ohne Frage Herausragendes leisten, stellt sich die Frage des Vergleichs zwischen Männern und Frauen nicht.

Ich jedenfalls freue mich auf vier Wochen hochklassigen Fußball - Frauen-Fußball!

Sportliche Grüße,
Fabian Kunze

PS: Wie versprochen, gibt es hier auch noch das Video vom Ausflug nach Clairefontaine - für alle, die einen Eurosport-Redakteur leiden sehen wollen:

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