Es vergeht kaum eine Woche ohne Dopingmeldungen. Meist geht es natürlich um Athleten, denen verbotene Substanzen nachgewiesen werden konnten. Das mag tatsächlich ein wenig beruhigend sein. Es wird, das steckt in diesen Nachrichten, nach wie vor getestet. Nach Wettkämpfen, im Training.

Doch wie intensiv, wie umfangreich, wie vollständig sind all diese Tests? Wir ahnen, dass die erwischten Sportler lediglich die Spitze eines ständig nachwachsenden Eisberges sind.

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Dennoch darf der Kampf gegen die Betrüger nicht aufgegeben werden, auch wenn jetzt wieder eine Meldung signalisiert, dass eigentlich gar kein so großes Interesse an einer lückenlosen und totalen Überprüfung der Spitzensportler besteht.

"Adidas" streicht NADA-Zuwendungen

Der Sportartikelhersteller "Adidas" hat die finanziellen Zuwendungen für die Nationale Doping-Agentur in Deutschland (NADA) gestrichen.

Gut, es ging da nur um die verhältnismäßig geringe Summe von 300.000 Euro bei einem Gesamtbudget von 9,1 Millionen Euro - aber das Signal, das mit der Kündigung des Vertrages ausgesendet wird, ist fatal und kontraproduktiv im Kampf gegen Doping.

Einer der größten Sponsoren des Weltsports lässt damit die Interpretation zu, dass man sich gerne mit erfolgreichen Athleten schmückt, mit diesen auch Geschäfte tätigt und Marketingaktionen bestreitet, dass man aber kein großes Interesse am Zustandekommen der Leistung hat.

Damit ist kein Wirtschaftsunternehmen mehr an der Finanzierung der NADA beteiligt. Im Umkehrschluss heißt es, dass noch mehr Geld vom Staat und von den Sportverbänden aufgebracht werden muss, um die Dopingtests durchführen zu können.

Weg mit dem Feigenblatt

Es ist ein Rückschlag, vor allem eine moralische Ohrfeige für fairen Sport - aber andererseits ist es konsequent. Sportartikelfirmen haben schon immer gegenüber ihren "Schützlingen" deutlich gemacht, dass es finanzielle Zuwendungen nur gibt, wenn Zeiten und Weiten passen, wenn Medaillen gefeiert werden können.

Und sie waren dabei nicht nur passiv, sondern haben den Druck auf Athleten massiv gesteuert. Die Teilnahme an Antidopingprogrammen war nie mehr als ein Feigenblatt.

Ich habe einen Artikel vor mir liegen der "Süddeutschen Zeitung" über Kelli White. Die US-Amerikanerin, die 2003 nach der WM in Paris überführt wurde, gibt darin unumwunden und ehrlich zu, dass auch ihre damalige Schuhfirma klar gemacht habe, dass sie nur dann mit weiterer Unterstützung rechnen könne, wenn sie gewinnt.

Wie eine Aufforderung zum Doping

Es klang wie eine Aufforderung zum Doping. White hat das jedenfalls so verstanden.

Jetzt also soll die NADA quasi sehen, wo sie bleibt. Dem Sport nahe stehende und auch durch ihn erfolgreiche Firmen wollen nur den Rahm abschöpfen, aber keineswegs mit der Schmuddelecke Doping in Verbindung gebracht werden.

Und es ist auch Augenwischerei, wenn Sponsoren gebetsmühlenartig darauf hinweisen, dass in ihren Verträgen natürlich steht, dass des Dopings überführte Sportler sofort ihre Ansprüche verwirken.

So ein Passus ist auf jeden Fall preiswerter als eine finanzielle Zuwendung an diejenigen, die sich dem Kampf gegen Doping verschrieben haben.

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