Für das Fußball-Land Brasilien war es die schwärzeste Stunde in der Geschichte ihrer Nationalmannschaft. Höchstens die 1:7-Pleite gegen Deutschland bei der WM 2014 könnte auf Dauer einen ähnlichen Stellenwert bekommen, wie das sogenannte "Maracanazo", das Spiel gegen Uruguay bei der WM 1950.
Der 16. Juli 1950 sollte ein Festtag für das Land werden. Brasilien hatte die Chance, zum ersten Mal Weltmeister zu werden - und das ausgerechnet im legendären Maracana-Stadion vor rund 200.000 Zuschauern. Daran, dass es klappt, zweifelte kaum jemand. Zeitungen, die an diesem Tag erschienen, titelten: "Heute wird Brasilien Weltmeister."
Ein Unentschieden gegen Uruguay hätte gereicht. Die WM wurde in einer Finalrunde mit vier Mannschaften entschieden. Vor dem letzten Spieltag war Brasilien mit 4:0 Punkten Tabellenführer vor Uruguay mit einer Bilanz von 3:1.
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Zunächst lief alles nach Plan aus Sicht der Gastgeber. Friaça erzielte in der 47. Minute die 1:0-Führung. Selbst der Ausgleich Uruguays in der 66. Minute durch Juan Schiaffino war verschmerzbar. Der kollektive Schock folgte in der 79. Minute. Alcides Ghiggia erzielte die 2:1-Führung für Uruguay, gleichbedeutend mit dem Endstand.

Barbosa als Sündenbock

Laut übereinstimmenden Medienberichten habe im Stadion Totenstille geherrscht. Die FIFA überreichte den neuen Weltmeistern schnell den Pokal, auf eine feierliche Zeremonie für Uruguay wurde verzichtet. Nach nicht bestätigten Gerüchten, die sich bis heute halten, soll Brasiliens Chefcoach Flavio Costa das Stadion heimlich als Frau verkleidet verlassen haben.
In der Öffentlichkeit galten die WM-Zweiten als kollektive Versager und wurden geschnitten. Politiker distanzierten sich von der Mannschaft, im Kader der WM 1954 fand sich nur noch einer von ihnen wieder. Als Hauptschuldiger wurde Torwart Moacyr Barbosa ausgemacht, dessen öffentliches Ansehen sich nie wieder erholen sollte.
Noch 1994 wollte sich Barbosa vor einem Spiel gegen Uruguay mit dem damaligen Keeper Claudio Taffarel treffen. Der abergläubische Trainer Mario Zagallo verbot das kurzerhand. "Ein Mörder kriegt 20 Jahre", sagte Barbosa kurz vor seinem Tod. "Nur ich habe lebenslänglich."
Die heute untrennbar mit der Seleçao verbundenen gelben Trikots waren ebenfalls eine Folge des Spiels. Bis dahin spielte die Nationalmannschaft Brasiliens in Weiß. Nach der Niederlage wurde die Farbe geändert.

Alcides Ghiggia

Fotocredit: SID

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