Dass ein Olympiasieger unmittelbar nach Ende des Wettkampfs von den Zuschauern ausgepfiffen wird, kommt selten genug vor. Dass das auch noch einem absoluten Superstar vor heimischem Publikum passiert, ist kaum vorstellbar. Und doch musste Carl Lewis am 6. August 1984 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles genau das hinnehmen.
Der Favorit im Weitsprung machte schon im ersten Versuch alles klar. 8,54 Meter für Lewis, es bestand kein Zweifel, dass keiner seiner Konkurrenten das noch überbieten würde. Der US-Amerikaner ließ noch einen zweiten Versuch folgen, der ungültig war. Danach beendete er den Wettkampf.
Es galt Kräfte zu schonen. Schließlich wollte Lewis mit dem legendären Jesse Owens gleichziehen. Die 100 Meter hatte der damals 23-Jährige bereits für sich entschieden.
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Nach dem Weitsprung sollten noch die Titel über die 200 Meter und mit der 4x100-Meter-Staffel folgen.

Show früh vorbei

Die Zuschauer, die hauptsächlich ins Stadion geströmt waren, um "Carl den Großen" zu sehen, nahmen ihm das allerdings übel. Dass die Show so schnell vorbei sein sollte, war nicht Teil des vorgesehenen Programms. Stattdessen sollte ihr Held im Idealfall noch den Fabelweltrekord von Bob Beamon, die 8,90 Meter aus Mexico City, angreifen. Das Publikum buhte, und auch die Presse zeigte Unverständnis für Lewis‘ Entscheidung. Es sei, "als hätte Frank Sinatra nach einem Lied sein Konzert beendet", schrieb die Los Angeles Times.
Lewis hatte mit den Reaktionen offensichtlich nicht gerechnet und gab später an, "schockiert" zu sein. Dabei war es auch der Athlet selbst, der im Vorfeld der Spiele die Erwartungen hochgeschraubt hatte.
"Ich gewinne 4 Goldmedaillen in Los Angeles. Es gibt niemanden, der mich schlagen könnte", machte er deutlich. Zudem wurden Plakate mit der Aufschrift "Lewis wird Beamons Rekord brechen" gedruckt.
Nachdem er in der Tat noch Gold über die 200 Meter und mit der Staffel holte, war der Ärger der Fans schnell verflogen und Lewis wieder der gefeierte Held. Es sollten in seiner Karriere fünf weitere Olympiasiege folgen, darunter in allen Weitsprungwettbewerben bis 1996. 2003 kam ans Licht, dass 1988 ein Dopingtest des US-Amerikaners positiv ausfiel. Das Olympische Komitee der USA hatte das jedoch vor dem IOC verheimlicht und den Athleten mit der Begründung nicht gesperrt, dass er die Mittel versehentlich genommen habe.

Carl Lewis

Fotocredit: Eurosport

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