Brüssel, Heysel-Stadion, 29. Mai 1985: Endspiel um den Europapokal der Landesmeister zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool. Das mit Spannung erwartete Spiel war am Ende zweitrangig, schwerste Krawalle vor Spielbeginn hatten zu 39 Toten unter den Zuschauern geführt. Eine Katastrophe, die die ganze Fußball-Welt in einen Schockzustand versetzte.
"Uns Spielern wurde die Wahrheit ja verschwiegen. Uns wurde von zwei, drei Toten erzählt. Wir mussten uns in der Kabine nur warm halten", berichtete der spätere UEFA-Präsident Michel Platini, damals Lenker und Denker bei der alten Dame Juve, zu den Umständen, weshalb die Partie trotzdem angepfiffen wurde. Das Spiel begann mit rund 90 Minuten Verspätung.
39 Menschen starben. 32 Italiener, vier Belgier, zwei Franzosen, ein Ire, dazu 454 Verletzte. Die Falle war eine brüchige Mauer am anderen Ende des Blocks Z. Sie ließ Schutzsuchende in die Tiefe stürzen und Flüchtende begraben.
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Ohne die spontane Öffnung der damals noch verschlossenen Zugänge zum Spielfeld, wo die ersten Verletzten behandelt werden konnten und die Sanitäts-Fahrzeuge Zugang hatten, wäre alles noch viel schlimmer geworden. Parallelen zum Love-Parade-Unglück 2010 in Duisburg drängen sich auf.

Übertragung abgebrochen

Es hatte im Stadion unter heute herrschenden Sicherheitsvorkehrungen unfassbare Szenen gegeben. Ein korrupter Funktionär – so der heutige Wissensstand – hatte an ein italienisches Reisebüro Tickets für einen normalen Block direkt neben dem für Liverpool-Fans verkauft. Die Blöcke waren nur durch einen lächerlichen Maschendraht getrennt.
Die Polizei war in der Stadt, um betrunkene Fans aufzugreifen. Die damals überwiegend ehrenamtlichen Ordner waren von Hass und Gewalt überfordert. Das "ZDF" brach die Übertragung vor Anpfiff ab.
Die Entscheidung von 1985, das Endspiel stattfinden zu lassen, erinnert an die Aussage von IOC-Präsident Avery Brundage nach dem Attentat auf Israels Sportler bei den Olympischen Spielen 1972 in München. "The Games must go on – die Spiele müssen weitergehen."
Platini erklärt: "Den Sport schweigen zu lassen, die Musik schweigen zu lassen, heißt, die Kultur schweigen zu lassen. Der Sport darf nur aus Anstand weichen, oder weil er sich selbst nicht mehr regulieren kann. Aber ansonsten vertrete ich die These: Der Sport ist stärker als der Tod."
(SID)

29. Mai 1985: Das Todes-Drama im Heysel-Stadion

Fotocredit: Imago

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