Wie teilt man sich die Kräfte ein, um am Ende auch möglichst viele Punkte zu sammeln, trotz der kurzen Pausen und speziellen Belastung?
Lea Sophie Friedrich: Beim Auftakt habe ich mir gesagt: Ich will einfach Spaß am Radfahren haben - und das hat ja ziemlich gut geklappt. Jetzt muss ich schauen, dass ich in Litauen auch wieder mindestens unter den Top 3 bin. Ich hoffe, dass ich auch mal ein Rennen gewinnen kann, das ist bei jedem Event das Ziel. Aber ich gehe es ohne Stress an.
Wie waren Ihre Eindrücke von der Premiere der UCI Track Champions League in Mallorca?
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Friedrich: Es war eine richtig schöne Veranstaltung und man hat gemerkt, dass alles sehr gut durchstrukturiert ist. Die Veranstalter haben sich wirklich bei jedem Detail Gedanken gemacht. Wir haben eigene Anzüge bekommen, es gab Fotoshootings und extra Video-Drehs und das macht richtig viel Spaß! Wir Athleten lernen uns dabei nochmal anders kennen, es ist nicht wie bei einer WM oder EM - keiner kennt das Format schon lange und deswegen ist da eine gewisse Lockerheit dabei. Wenn man dann aber auf die Bahn geht, dann wird voll gefahren!
Auf welcher Position man fährt, dass man im Sprint zuerst zu dritt fährt - das ist einfach mal etwas Neues! Das ist echt cool und macht es neu spannend.
Welches Feedback gab es von Familie und Freunden, die den Bahnradsport ja sehr gut kennen?
Friedrich: Alle haben mir gesagt, dass es eine megageile Show und eine richtig, richtig coole Veranstaltung war! Ich habe wirklich nur positives Feedback bekommen.

Deutsches Finale: So lief der Sprint-Showdown mit Hinze und Friedrich

Was war für Sie der größte Unterschied zu klassischen Bahnrad-Events?
Friedrich: Was für mich besonders war, sind die kurzen Pausen zwischen den Rennen, das war manchmal schon richtig hart. Aber es ist echt eine coole Sache und ich hoffe, dass der Sport dadurch noch bekannter wird und viele Leute sehen, was das eigentlich für ein geiler Sport ist.
Bei der UCI Track Champions League geht es immer gegen dieselben insgesamt 17 Gegnerinnen: Welchen Unterschied macht das zu anderen Events aus?
Friedrich: Ja, man kann die Gegnerinnen jetzt gut einschätzen - aber das Problem ist, dass die Qualifikationsläufe jedes Mal anders besetzt werden und jede Position ausgelost wird. Das finde ich besonders spannend: Auf welcher Position man fährt, dass man im Sprint zuerst zu dritt fährt - das ist einfach mal etwas Neues! Das ist echt cool und macht es neu spannend.
Die UCI Track Champions League besteht ja aus Events in ganz enger Taktung, wie geht man das mit Blick auf das Training am Ende einer sehr langen Saison mit vielen Highlights an?
Friedrich: Es geht jetzt fast nur noch darum, die starke Form möglichst lange zu halten: Nach den anderen Höhepunkten Olympia und WM ist jetzt fast nur noch Feinschliff möglich, um bis in den Dezember zu kommen.
Wenn ich mal Musik brauche, zum Beispiel beim Warmfahren, dann höre ich auch solche 'Motivations-Mixes', die Gas geben und ordentlich Bass haben.
Bei der UCI Track Champions League gehen Sie jetzt erstmals als frischgebackene Dreifach-Weltmeisterin an den Start: Geht man da mit einem anderen Selbstbewusstsein in die Rennen und spüren Sie auch mehr Respekt von den Gegnerinnen?
Friedrich: Ja, auf jeden Fall. Wobei ich selbst auch weiter Respekt vor allen Gegnerinnen haben. Ich will mich da auf keinen Fall überraschen lassen, das ist das Wichtigste.

Drittes Gold: Friedrich auch Weltmeisterin im Keirin

Vor und zwischen den Rennen sehen wir die Fahrerinnen und Fahrer immer mit den Kopfhörern auf der Rolle im Innenraum: Mit welcher Musik pushen Sie sich in diesen Momenten?
Friedrich: Das ist ganz witzig - ich höre eigentlich keine Musik im Wettkampf oder nur ganz selten! Ich mag es gerne, das Wettkampfgeschehen mitzukriegen, das pusht mich auch. Ich weiß aber, dass zum Beispiel Emma Hinze sehr viel Musik hört, meistens mit viel Bass. Dafür gibt es ja auch richtige Playlists, die Richtung Techno gehen. Wenn ich mal Musik brauche, zum Beispiel beim Warmfahren, dann höre ich auch solche 'Motivations-Mixes', die Gas geben und ordentlich Bass haben.
Ich spare aber auch gerne, weil ich mir später ein schönes Haus bauen möchte.
Stichwort Emma Hinze: Wie gehen Sie mit der Situation um, dass sie beide sich sehr gut kennen, aber eben auf der Bahn immer wieder auch Finals gegeneinander bestreiten müssen?
Friedrich: Wir wissen natürlich, wie die andere tickt und lernen uns von Rennen zu Rennen auch immer besser kennen. Emma und ich verstehen uns gut, auch wenn es schon mal Zeiten gab, wo das ein wenig anders und nicht so leicht war. Aber mittlerweile haben wir gelernt, damit umzugehen, dass wir Gegnerinnen sind, aber gleichzeitig auch Freundinnen sein können und das auf der Bahn trennen. Wenn wir im Finale gegeneinander fahren dürfen, freue ich mich darüber: Ich fahre gerne gegen sie und es ist einfach immer wieder ein Vergnügen, mit ihr gemeinsam auf der Bahn zu sein - und mit ihr zusammen Erfolge einzufahren.
Unser deutsches Finale bei der WM hat mich zum Beispiel mega gefreut, das war richtig geil. Ich respektiere ihre Leistung, ich freue mich für sie bei ihren Erfolgen und genieße es, den Sport zusammen mit ihr zu erleben. Ich weiß, wie hart sie arbeitet und es tut uns beiden gut, dass wir auch ab und zu gemeinsam trainieren: Das macht uns beide stärker und bringt uns voran.

Historisch: Hinze als erste Führende der Sprint League geehrt

Im Kampf um den Gesamtsieg bei der UCI Track Champions League zeichnet sich schon jetzt ein Dreikampf um den Gesamtsieg zwischen Ihnen, Emma Hinze und Kelsey Mitchell aus - oder haben Sie noch andere Konkurrentinnen auf der Rechnung?
Friedrich: Wir sind auf jeden Fall die drei Favoritinnen, das haben die Rennen in Mallorca schon deutlich gezeigt. Aber ich denke, dass schon noch ein paar Fahrerinnen da was dagegen haben. Die Russinnen und Ukrainerinnen oder Mathilde Gros aus Frankreich sollte man nicht unterschätzen.
Die Gesamtpreisgelder der UCI Track Champions League sind sehr reizvoll: Falls es mit einem Spitzenplatz nach der Endabrechnung Mitte Dezember klappen würde - welches vorzeitige Weihnachtsgeschenk würden Sie sich machen?
Friedrich: Ein cooler Urlaub wäre eine Idee - falls Corona das zulässt. Ich spare aber auch gerne, weil ich mir später ein schönes Haus bauen möchte.
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