Für den Laien scheint das Training der Bahnradfahrer nichts anderes als viele Runden auf dem Velodrom zu sein. Doch das könnte nicht weiter von der Realität entfernt sein. Der Bahnradsport bietet eine Vielzahl unterschiedlicher Disziplinen mit jeweils eigenen Trainingsmethoden.
Dennoch können wir sie in zwei Hauptkategorien einteilen: Sprint-Events wie der Einzelsprint, die 200 Meter und Keirin; und Ausdauerveranstaltungen wie Verfolgungs- und Ausscheidungsrennen und Punkterennen. Die Trainingstechniken variieren dabei wie die von 100-Meter-Sprintern und Marathonläufern in der Leichtathletik.
Ob Schnelligkeits- oder Ausdauertraining, einem gemeinsamen Feind entkommen Radsportler jedoch nie: der Milchsäure. Diese ist ein Toxin, das bei körperlicher Anstrengung produziert wird und die Sauerstoffversorgung der Muskeln verhindert. Darüber hinaus nimmt es eine andere Form an, je nachdem, ob es schnell und heftig oder im Laufe der Zeit allmählich erzeugt wird.
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Stars des Pelotons glänzen auf der Bahn

Wie François Pervis betont, "kommen die meisten Bahnradfahrer, die sich auf Ausaduer-Disziplinen spezialisiert haben, von der Straße". Diese Rennradfahrer – oder Routiers, wie die Franzosen sie nennen – kommen aus den höchsten Amateurklassen des Straßenradsports oder sind bereits Profifahrer. Es gibt viele Radfahrer, die sich über die Disziplinen hinweg bewegen, und es ist nicht ungewöhnlich, dass viele von ihnen auf dem Asphalt der Straße und den Brettern des Velodroms gleichermaßen glänzen (wie Bradley Wiggins, Mark Cavendish, Filippo Ganna und der Franzose Benjamin Thomas, um nur vier zu nennen).

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Es sind eher die größeren Straßenfahrer und vor allem die Zeitfahrspezialisten, die auf der Bahn brillieren. "Um nach der Straßensaison in Form zu bleiben, verbringen sie den Winter oft auf der Bahn", beobachtet Pervis. Was nicht heißen soll, dass der Übergang immer einfach ist.
"Auch wenn diese Fahrer alle für die Bahn erforderlichen Qualitäten mitbringen, müssen sie dennoch auf ungewohnten Rädern trainieren", so der siebenmalige Weltmeister weiter. "Es dauert sehr lange, sich an das Bahnrad und seine einzigartigen Eigenschaften zu gewöhnen: Starrer Gang, keine Bremsen und so weiter."
Ebenso erfordern einige der sogenannten Ausdauerdisziplinen ganz spezifische Trainingsinhalte – zum Beispiel die Wechsel zwischen den Fahrern in der Teamverfolgung. Dort gilt: Übung macht den Meister! Diese Wiederholung prägt natürlich auch das Training für Sprint-Events, wenn auch auf ganz andere Art und Weise.

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Löschen des Muskelgedächtnisses

Als absoluter Speedspezialist – und ehemaliger Weltmeister im Kilometer, Keirin und Sprint – versteht François Pervis die Feinheiten des Trainings für diese Disziplinen wie kein anderer. "Man muss die Schlüsselbereiche Kraft, Schnelligkeit und Explosivität entwickeln", sagt er.
Und als ob das nicht genug wäre, fügt er noch eine letzte Zutat hinzu: Übergeschwindigkeit. "Da ist die Trittfrequenz bei sehr hohen Geschwindigkeiten. Im Windschatten eines Motorrads muss man so schnell wie möglich in die Pedale treten. Die Idee ist, dass man das Gedächtnis des Muskels außer Kraft setzt, damit er seine eigenen körperlichen Grenzen vergisst." Mit anderen Worten, eine wirklich einzigartige Technik, die darauf abzielt, dem Athleten zu helfen, seine oder ihre Fähigkeiten wirklich zu maximieren. Oder, wie Pervis es ausdrückt, "in eine neue Dimension vorzustoßen".
Es sind viel Zeit und Hingabe nötig, um die Basis zu legen. François Pervis führt uns durch eine typische Trainingswoche aus seiner Zeit als Profi. Wenn Sie gegen Anstrengung allergisch sind, sollten Sie vielleicht jetzt nicht weiterlesen:
"Wir beginnen am Montagmorgen mit dem Krafttraining. Am Nachmittag dann Bahntraining. Am Dienstag eine Stunde Straßentraining, um morgens in Schwung zu kommen, nachmittags dann zurück auf die Bahn. Als nächstes mehr Krafttraining und eine lange Straßenausfahrt (2:30 Stunden) am Mittwoch. Dann am Donnerstag morgens eine Stunde Straßentraining und nachmittags mehr Bahnraining. Am nächsten Tag Gewichte und Bahn und am Samstag sind wir endlich wieder unterwegs." Mit anderen Worten, ein wahrhaft höllischer Plan. Um auf der Bahn gewinnen zu können, müssen nicht nur die Muskeln aus Stahl sein, sondern auch deine Arbeitsmoral und Mentalität.
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