Die Nachricht über die Doping-Razzia in Antholz hatte auch Arnd Peiffer kalt erwischt. Wie eine dunkle Wolke überschattete der Verdacht gegen den ehemaligen Dopingsünder und neuen Sprint-Weltmeister Alexander Loginow die strahlende WM in Antholz, und Olympiasieger Peiffer zeigte sich besorgt. "Ich hoffe einfach", sagte der 32-Jährige mit ernster Miene, "dass da nicht wieder was ist und sich keine Verdachtsfälle erhärten. Das wäre mein Wunsch."

Bei einer Polizei-Aktion war am Samstagmorgen unter anderem das Hotelzimmer des Russen Loginow durchsucht worden. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Bozen. Nur eine Woche zuvor hatte der 28-Jährige, der 2014 des Epo-Dopings überführt und für zwei Jahre gesperrt worden war, mit seinem überraschenden WM-Titel im Sprint schon die Gemüter erhitzt.

Biathlon-WM
Razzia bei Weltmeister Loginow: "Das macht mich sehr wütend"
22/02/2020 AM 15:01

Peiffer vermutet konkrete Anhaltspunkte

"Ich tippe mal, dass bei den Italienern auch konkrete Anhaltspunkte notwendig sind, sonst würden die ja nicht einfach so in ein Hotelzimmer gehen", mutmaßte Peiffer. Die Staatsanwaltschaft führte die Durchsuchung auf Basis von Paragraph 586 des Strafgesetzbuches durch. Dieser untersagt die Verwendung oder Verabreichung von Dopingmitteln.

Arnd Peiffer

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Wie Wladimir Dratschew, Präsident des russischen Biathlon-Verbandes RBU, der russischen Nachrichtenagentur Interfax sagte, richtete sich die Aktion auch gegen Loginows persönlichen Trainer Alexander Kasperowitsch.

"Sie haben mein Handy, meinen Laptop und persönliche Dinge von mir beschlagnahmt", berichtete Loginow, der in der Vorwoche einen Tag nach Sprint-Gold auch Bronze in der Verfolgung geholt hatte, beim russischen Sender Match-TV. Die Razzia fand nur wenige Stunden vor dem WM-Staffelrennen statt, in dem Loginow als Schlussläufer das russische Quartett auf Rang vier führte - und teilweise Pfiffe und Buhrufe aus dem Publikum erntete.

Loginow erzählte weiter, er und sein Teamkollege Jewgeni Garanitschew seien "um sechs Uhr davon aufgewacht, dass sie versucht haben, die Tür aufzubrechen. Sie haben sofort unsere Waffen an sich genommen, als wären wir gefährliche Kriminelle." Die Ermittler hätten beide Sportler gebeten, "ruhig sitzen zu bleiben in unseren Unterhosen. Sie waren nur an meinen Sachen interessiert. Ich bat darum, einen Dolmetscher zu bekommen. Das macht mich sehr wütend."

Lesser kritisiert Zeitpunkt der Razzia

Aus dem deutschen Lager gab es Kritik am Zeitpunkt und der Durchführung der Operation. "Es ist natürlich für die Burschen schon hart", sagte Peiffer, "wenn da morgens um sechs die Polizei steht, ohne Dolmetscher, und man weiß gar nicht, was los ist - und man muss dann noch eine Staffel laufen." Auch sein Teamkollege Erik Lesser merkte an: "Das hätten sie wann auch immer machen können, nur nicht vor einem Mannschaftsrennen. Das fand ich ein bisschen fehl am Platz."

Schon seit seiner Sperre wird Loginow in der Szene kritisch beäugt. Dieser sei "wieder auf einem Niveau wie zu den Zeiten, als er diesen Epo-Missbrauch durchgeführt hat. Da ist natürlich schon immer ein bisschen ein Geschmäckle dabei", sagte Peiffer nach dem Sprint. Andererseits müsse "man die Unschuldsvermutung walten lassen. Das fällt nicht immer leicht." Schwedens Staffel-Olympiasieger Sebastian Samuelsson hatte Loginows Sieg gar als "Schande für den Sport" bezeichnet.

Bereits eine Woche vor der Razzia hatte das leidige russische Doping-Thema für Schlagzeilen gesorgt, als der Weltverband IBU Jewgeni Ustjugow, 2014 Olympiasieger mit der russischen Staffel, des Dopings für schuldig befunden hatte. Damit könnten Lesser, Peiffer, Daniel Böhm und Simon Schempp nachträglich Olympia-Gold von Sotschi erhalten.

(SID)

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