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Extremsport Biathlon im "Gefrierschrank": "Oh Gott, ist überhaupt noch alles dran?"

"Oh Gott, ist überhaupt noch alles dran?" Extremsport Biathlon im "Gefrierschrank"
Von Eurosport

09/02/2019 um 16:26Aktualisiert 09/02/2019 um 17:28

Der Sieg der deutschen Frauen-Staffel bei der WM-Generalprobe in Canmore geriet fast zur Nebensache. Bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt und an der Grenze zum körperlich Machbaren wurden die Biathleten hart auf die Probe gestellt. Beim Weltcup in amerikanischen Soldier Hollow soll es nur Temperaturen bis kanpp unter null Grad geben - da werden fast schon Frühlingsgefühle wach.

Wenigstens beim Blick auf die Prognosen des US-Wetterdienstes dürfte den deutschen Biathleten in der arktischen Kälte Kanadas warm ums Herz geworden sein. Temperaturen nur knapp unter dem Gefrierpunkt erwarten die Skijäger in der kommenden Woche beim Weltcup in Soldier Hollow - bei den Strapazen und Qualen, die sie im "Gefrierschrank" von Canmore ertragen mussten, sind dies fast schon frühlingshafte Aussichten. Die Rennen in den kanadischen Rocky Mountains waren zum Extremsport an der Grenze zum körperlich Machbaren geraten.

Die schlimmsten Schmerzen waren immerhin schon wieder gelindert, als die kältegeplagte Frauen-Staffel in dicke Winterjacken eingepackt aufs Podium hüpfte und ihre perfekte WM-Generalprobe feierte. Doch der Sieg in Canmore hatte Laura Dahlmeier und Co. einiges abverlangt, zeigte das Thermometer während des letzten Staffelrennens vor dem Saisonhöhepunkt doch frostige 19 Grad unter Null an, der eisige Wind noch gar nicht mit eingerechnet.

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"Es ist der Wahnsinn. Ich bin ins Ziel und habe gedacht: 'Oh Gott, ist überhaupt noch alles dran?'", sagte Vanessa Hinz entgeistert der "ARD". Eingemummelt in Mütze und Kopftuch, den Schal übers Kinn gezogen und das Gesicht zum Schutz gegen Wind und Kälte mit schwarzen Tapes bepflastert stand sie da und jammerte:

"Ich habe ehrlich gesagt auch geweint. Ich habe ein Mädel gesehen, das hatte ein gefrorenes Ohrläppchen."

Ab minus 20 Grad gibt es keine Rennen mehr

Nach dem Reglement des Weltverbandes IBU dürfen ab minus 20 Grad keine Rennen gelaufen werden, ab minus 15 Grad muss die Jury in Absprache mit Ärzten entscheiden, ob ein Start vertretbar ist. Lange hatte die Rennleitung deshalb über eine Durchführung der Staffeln beratschlagt - und das Go gegeben.

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Nicht überall stieß dies auf Wohlwollen. Frauen-Disziplintrainer Kristian Mehringer und Doppel-Olympiasiegerin Dahlmeier bezeichneten den Beschluss zur Austragung als "grenzwertig", auch Hinz stellte die Entscheidung der Jury infrage:

"Es ist sehr an der Grenze, bis dahin, dass man es hätte absagen müssen, weil es arschkalt ist."

Eifrig hatten die Organisatoren die Rennen des gesamten Kanada-Weltcups hin- und hergeschoben, um noch die "wärmsten" Passagen abzupassen. Die Sportler wappneten sich mit Schals, Mützen und teilweise dicken Wollhandschuhen gegen die beißende Kälte, mit schützenden Pflastern im Gesicht glichen sie wandelnden Mumien - doch all dies half nur bedingt. Gefrorene Tränenflüssigkeit in den Augen behinderte manche Athleten beim Schießen, das so wichtige Feingefühl in den Fingern war arg eingeschränkt, der Fahrtwind sorgte für zusätzliche Schmerzen.

"Ich habe das ganze Rennen eigentlich meinen linken Daumen nicht gefühlt", klagte Roman Rees nach dem vierten Platz mit dem Männer-Team. Sprint-Olympiasieger Arnd Peiffer, der auf die Staffel krankheitsbedingt verzichten musste und auch die WM-Generalprobe in Soldier Hollow auslassen wird, sagte schon nach dem Einzel über eine Abfahrt: "Da friert einem ein bisschen das Jochbein weg." Immerhin das dürfte seinen Teamkollegen in den USA erspart bleiben.

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