Nach dem WM-Desaster gönnte sich Erik Lesser ein paar Tage Erholung in seiner thüringischen Heimat. Es dauerte, bis der 32-Jährige die herben Rückschläge von Pokljuka verdaut hatte. Doch nun hat der ehemalige Weltmeister vor dem Saison-Endspurt wieder in den Angriffsmodus geschaltet.
"Die Spekulationen über Saisonabbruch und eventuell auch Karriereende haben mich eher belustigt als beschwert", sagte Lesser vor Teil eins des Doppel-Weltcups im tschechischen Nove Mesto und fügte kämpferisch an: "Mein Ziel ist, wieder in die Top 15 zu kommen. Ich werde mich in besserer Form zeigen als zuletzt." Viel schlechter geht es allerdings auch kaum.
Doch nicht nur für Lesser verliefen die Titelkämpfe in Slowenien nicht nach Plan. Einmal Silber für Arnd Peiffer, dazu Silber für die Frauen-Staffel - und fertig war eine historisch schlechte WM für die erfolgsverwöhnten Skijäger.
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Das, betonte der Sportliche Leiter Bernd Eisenbichler vor der Frauen-Staffel zum Auftakt am Donnerstag (16:05 Uhr live live im Free-TV bei Eurosport 1 und bei Eurosport auf Joyn!), sei "nicht unser Anspruch". Deshalb steht bis zum 14. März in Nove Mesto sowie beim Finale im schwedischen Östersund (19. bis 21. März) in insgesamt noch 18 Rennen Wiedergutmachung an.

Bis auf Preuß und Peiffer konnte keiner überzeugen

Der Druck ist hoch, zumal die Saison bisher ohnehin nicht nach Wunsch verlief. Abgesehen von Franziska Preuß, die im Weltcup in diesem Winter zweimal das Podest erreichte und auch bei der WM trotz fehlender Medaille überzeugte, und Peiffer, dem der einzige Sieg gelang, überwogen die Enttäuschungen. Lessers unterirdischer WM-Auftritt war nur die Spitze.
Vor allem Denise Herrmann blieb oft hinter den hohen Erwartungen zurück. Nach einem furiosen Auftakt mit Platz zwei im Einzel von Kontiolahti fehlte der 31-Jährigen gerade am Schießstand die nötige Konstanz.
Der angestrebte Erfolg im Gesamtweltcup ist unerreichbar: Als Zwölfte liegt Herrmann 365 Punkte hinter der führenden Tiril Eckhoff. Preuß ist immerhin Sechste. Bei den Männern ist Peiffer als Zehnter bester Deutscher.

Goldene DSV-Jahre sind vorbei: "Haben einiges an Arbeit vor uns"

Die goldenen Jahre sind längst vorbei. Nationen wie Norwegen, Frankreich oder Schweden sind enteilt, es sind düstere Aussichten mit Blick auf Olympia und die Heim-WM in Oberhof in zwei Jahren. "Wir müssen schauen, dass wir noch konstanter durch die Saison kommen", sagte Eisenbichler: "Da haben wir einiges an Arbeit vor uns." Spätestens 2023, eventuell schon 2022, stehe ein Umbruch an.
Das große Problem des Deutschen Skiverbandes: Zumindest bei den Männern kommt niemand nach, der die Ü30-Generation um Peiffer (33), Lesser (32) oder Benedikt Doll (30) ablösen könnte.
Bei den Frauen feiert in Nove Mesto immerhin Vanessa Voigt ihr Weltcup-Debüt. Die 23-Jährige wurde angesichts ihrer starken Leistungen mit zuletzt drei Siegen im zweitklassigen IBU-Cup erstmals von Bundestrainer Mark Kirchner ins Aufgebot berufen.
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