Johannes Kühn benötigte dann doch einen Augenblick, um seinen famosen Coup zu begreifen. "Null Fehler und ein zweiter Platz", meinte der 27-Jährige nach kurzem Zögern, "das ist natürlich super für mich". Dass der Bayer beim Biathlon-Weltcup in Pokljuka den ultimativen Erfolg um läppische 4,2 Sekunden verpasst hatte, störte ihn letztlich überhaupt nicht: "Ich bin trotzdem superhappy."
Kühn, der in der ersten Liga der Skijäger zuvor nur einmal mit einem fünften Platz auf sich aufmerksam gemacht hatte, besaß auch allen Grund zur Freude. Ausgerechnet im schießlastigen Einzel über 20 km räumte der vermeintlich schwache Schütze alle Scheiben ab und bestätigte damit die gute Form, die ihm bereits im Sommer den Sprint-Titel bei den Deutschen Meisterschaften eingebracht hatte.
Kühn, der nun schon das Ticket für die WM in Östersund in der Tasche hat, sagte der "ARD":
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Ich habe viel daran gearbeitet. Es ist schön, dass es im ersten Rennen gleich super funktioniert hat, und ich hoffe, dass es nun immer so bleibt.
Und wenn er tatsächlich konstant gute Schießleistungen bringt, könnten mit etwas Glück in Zukunft auch die ganz Großen im Biathlon bezwungen werden. Der französische Star Martin Fourcade beispielsweise, der Kühn kurz vor Schluss noch den Erfolg wegschnappte. Dritter wurde der Österreicher Simon Eder (+19,7 Sekunden).

Preuß vergib Sieg mit letztem Schuss

Bei den Frauen durfte Franziska Preuß lange auf den ersten Erfolg ihrer Karriere hoffen. Nach 19 Treffern verfehlte die 24-Jährige, die auf Siegkurs lag, aber mit dem letzten Schuss das Ziel - 59,1 Sekunden hinter der siegreichen Julija Dschyma (Ukraine) landete Preuß daher auf dem zehnten Rang. Preuß sagte:
Beim letzten Schuss war ich vielleicht einen Zacken zu aggressiv. Das ist im Nachhinein ärgerlich.
Kühn hatte zuvor bei perfekten Bedingungen ein "wirklich großartiges und verdammt gutes Rennen" gezeigt, wie auch Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner lobte. Rundum perfekt war es allerdings nicht, denn nach dem ersten Schießen fädelte der Deutsche bei einem Rivalen mit den Skiern ein und rutschte aus. Dadurch verlor er möglicherweise die wenigen Sekunden, die ihn später den Sieg kosteten.
"Das hat mich dann erstmal genervt", sagte Kühn, der dank einer "guten Renneinteilung" aber dennoch eine Zeit in den Schnee brannte, an der sich reihenweise die Arrivierten ihre Zähne ausbissen. Nicht zuletzt die Deutschen.

Für Peiffer war Platzierung zweitrangig

Einzig Simon Schempp schaffte es als Fünfter noch unter die besten 20. Für Arnd Peiffer war sein 52. Platz aber ohnehin zweitrangig - der Sprint-Olympiasieger wurde vor einigen Tagen nämlich erstmals Vater:
Das ist das Wichtigste. Ich musste mich ganz schön losreißen.
Fortgesetzt wird der Weltcup am Freitag mit dem Sprint der Männer (14.15 Uhr/ARD und Eurosport), wo erneut der laufstarke Kühn eine prominente Rolle spielen könnte. Nach dem Sprint der Frauen am Samstag (14.15 Uhr) beenden am Sonntag die Verfolgungsrennen (ab 11.45 Uhr) den Auftakt in die neue Saison. Im Dezember stehen noch Weltcups in Hochfilzen/Österreich (ab 13. Dezember) und in Nove Mesto/Tschechien (ab 20. Dezember) an.
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