Laura Dahlmeier lächelte gequält, eine öffentliche Schuldzuweisung verkniff sich die Königin der Biathleten nach der "Chaos-Staffel" von Pyeongchang aber dann doch. "Die Situation ist ja für uns alle blöd", sagte die 24-Jährige, nachdem ihr ausgerechnet die eigenen Teamkolleginnen die Chance auf das Gold-Triple geraubt hatten: "Natürlich sind wir jetzt füreinander da."
Dabei hätte Dahlmeier im bittersten Moment der Olympischen Winterspiele vorwurfsvoll mit dem Finger auf Franziska Preuß, Denise Herrmann und Franziska Hildebrand zeigen dürfen. Schließlich hatte das Trio wegen Unkonzentriertheit (Preuß), Unerfahrenheit (Herrmann) und Unvermögen (Hildebrand) den Top-Favoriten so sehr ins Hintertreffen geschossen, dass selbst die Glanz-Vorstellung von Dahlmeier nur noch Rang acht brachte. Die Doppel-Olympiasiegerin sagte später:
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Als ich vor meinem Start auf das Tableau schaute, habe ich mir schon gedacht, dass es gar nicht leicht wird.
Tatenlos mitansehen, wie die anderen Staffeln um die Medaillen kämpfen, wollte Dahlmeier freilich nicht, "weil in der Staffel ja immer was passieren kann". Allerdings patzten die vor ihr liegenden Läuferinnen nicht mehr in dem Maße, wie es ihre Teamkolleginnen davor getan hatten.

Seit 2012 nicht mehr so schwach

Bei Startläuferin Preuß sah dabei noch alles vielversprechend aus, als sie die fünf Scheiben abräumte. Dummerweise setzte sie eine Ersatzpatrone in das Gewehr, musste diese wieder herausholen - und war danach völlig von der Rolle. Die 23-Jährige, die sich etwas später die erste Strafrunde einhandelte, sagte:
Ich habe es im Kopf einfach nicht mehr unter Kontrolle gebracht.
Die musste Herrmann nach ihrem zweiten Schießen drehen, weil sie dort bei zugegeben extremen Windböen zu lange ausharrte und die Patronen nicht im Ziel unterbrachte. "Da geht einem dann schon ein bisschen die Düse", sagte Herrmann, "es war zwar schwierig, aber vielleicht doch irgendwie möglich."
Definitiv lösbar war die Situation für Hildebrand, die bei nun schon beträchtlichem Rückstand endgültig alle Hoffnungen auf eine Medaille verballerte. Die 30-Jährige musste die dritte Strafrunde drehen - so schwach am Schießstand war eine deutsche Frauenstaffel zuletzt im Januar 2012 aufgetreten. Bundestrainer Gerald Hönig bemängelte:
Andere Staffeln haben gezeigt, dass sie es beherrschen. Wir kamen leider nie in eine Angriffsposition.
Deutschland hatte vor dem olympischen Wettkampf sieben von acht Rennen gewonnen, man wollte die Schmach von Sotschi (11. Platz) tilgen. "Aber leider", sagte Hönig, "haben sich die Mädels um die Arbeit von vier Jahren gebracht."
Dass die größte Gold-Chance also zerstob, nahm Dahlmeier wohl nur so gelassen hin, weil sie zuvor bereits in Sprint und Verfolgung triumphiert und im Einzel Bronze gewonnen hatte. Sie sah darin sogar etwas Positives und sagte:
Auch aus Niederlagen kann man Kraft ziehen. Wir müssen es als Chance sehen, um uns weiterzuentwickeln.
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