Natürlich dachte Franziska Preuß auch an ihren Simon. In diesem so speziellen Moment, auf den sie schier endlose 127 Weltcup-Rennen hatte warten müssen, wollte die überglückliche Premierensiegerin ihren schwächelnden Freund keinesfalls vergessen. "Ich schaue, dass ich ihn aufbaue und ein bisschen von der Energie weitergebe", sagte die 24 Jahre alte Biathletin nach dem Coup in Ruhpolding:
Und ich hoffe, dass er sich auch gefreut hat.
Ganz bestimmt hat das Simon Schempp trotz der eigenen Probleme getan. Während der Massenstart-Weltmeister derzeit die Rennen wegen eines Formtiefs nur auf der Couch verfolgt, verdrängt seine Partnerin Schritt für Schritt ihre negativen Erfahrungen der vergangenen Jahre. Der vorläufige Höhepunkt war nun also am Sonntag der Triumph in der Chiemgau Arena, der Preuß mit einem "wahnsinnig geilen Gefühl" durchflutete.
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"Daheim im Wohnzimmer ganz oben zu stehen, ist echt cool. Das war das perfekte Rennen", schwärmte Preuß, die mit einer tadellosen Leistung am Schießstand und einem beherzten Schlussspurt einmal mehr ihrem Ruf als Massenstart-Expertin gerecht wurde. Zweimal hatte sie in dieser Disziplin - unter anderem bei der WM 2015 - zuvor den zweiten Platz belegt. Beide Male war das aber vor der schwersten Zeit ihrer Karriere geschehen.

Verdacht auf Herzmuskelentzündung

Die erlebte die Bayerin in der Saison 2016/17, die eigentlich gut begonnen hatte. Nach extrem erfreulichen Auftritten in Östersund und Nove Mesto wurde Preuß allerdings von einem Virus niedergestreckt, sie erholte sich nicht wirklich. Ein Ärzte-Marathon begann, kurzzeitig wurde sogar eine Herzmuskelentzündung vermutet - am Ende war es "nur" ein Entzündungsherd in den Nasennebenhöhlen, der entfernt werden musste.
"Ich habe auch ans Aufhören gedacht", gestand Preuß, die sich rückblickend als ein "körperliches Wrack" bezeichnete und zeitweise psychologische Hilfe in Anspruch nahm. Die größte Unterstützung waren in dieser Zeit allerdings die Familie und eben Schempp, "sie haben mich motiviert. Da bleibt einem ja nichts anderes übrig, als weiterzumachen", sagte Preuß.

Gute Leistungen erhöhen das Selbstvertrauen

Mit viel Leidenschaft und großem Kampfgeist holte sie sich seither den Spaß am Sport wieder zurück, gute Leistungen erhöhten das Selbstvertrauen - und führten letztlich zum emotionalen Erfolg in Ruhpolding. "Ich kann es gar nicht fassen und weiß es aufgrund meiner Erfahrungen umso mehr zu schätzen", sagte Preuß, die in der Vergangenheit vor allem in der Staffel herbe Enttäuschungen erlebt hatte. Beispielsweise bei den Winterspielen 2014 in Sotschi, als sie als Startläuferin tränenreich stürzte, die Waffe reinigen musste und das deutsche Quartett aus dem Medaillenrennen warf.
Durch ihren Sieg lieferte Preuß auch die Gewissheit, dass es neben der in dieser Saison schon mehrmals erkrankten Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier noch andere Athletinnen im Deutschen Skiverband (DSV) gibt, die vorne reinlaufen können. Und die bei der WM in Östersund im März um Medaillen kämpfen werden.
Daran will Preuß freilich noch nicht denken, schließlich steht in dieser Woche noch der Weltcup in Antholz an. Erst danach kann sie sich in einer kurzen Pause Gedanken über weitere Ziele machen - und daheim ihren Simon aufbauen.
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