Imago

Sigi-Heinrich-Blog | Eiszeit wegen EPO-Doper: Wo bleibt die Entschuldigung?

Eiszeit wegen EPO-Doper: Wo bleibt die Entschuldigung?

14/01/2019 um 18:17

Der Sieg von Alexander Loginow bewegt noch immer die Biathlon-Welt, nicht nur in Oberhof. Das Doping-Thema sorgt unter den Athleten wie Fans für hitzige Diskussionen, denn es wird weiter gegen Mitglieder des russischen Teams ermittelt, darunter auch den bereits wegen Dopings gesperrten Loginow. Eurosport-Experte Sigi Heinrich nimmt sich des Themas in seinem neuesten Blog an.

Meist ist die Atmosphäre während der Pressekonferenz nach einem Biathlon-Rennen gelöst und locker. Es werden die üblichen Fragen nach dem Rennverlauf gestellt, von einem Vertreter der Kommunikationsabteilung der Internationalen Biathlon-Union (IBU). Manchmal gibt es Nachfragen. Ab und zu sogar witzige Dialoge.

In Oberhof war vieles anderes. Die Stimmung wäre in einem Kühlraum nicht anders gewesen. Pures Eis schien Alexander Loginow zu umgeben als er nach dem Sprint kam, um seine Stellungnahme zu seinem ersten Weltcup-Sieg abzugeben. Neben ihm saßen Johannes Thingnes Bö (Norwegen) und Sebastian Samuelsson (Schweden). Niemand sah Loginow an. Jeder ließ ihn spüren, dass er als ausgegrenzter Athlet gilt, auch die Kontrahenten links und rechts neben ihm.

Samuelson war es gar leid, über ihn zu sprechen. Er sei zum ersten Mal bei einem Weltcup auf dem Podium und lasse sich das nicht kaputtmachen. "Ihr wisst, wie ich darüber denke", sagte er.

Überführter Blutdoper

Ausgerechnet Loginow. Der Russe wurde 2014 als Blutdoper mit EPO überführt. Übrigens erst nach einem verfeinerten Testverfahren, denn seine Probe datierte aus dem Jahr zuvor. Es folgte eine zweijährige Sperre. Danach kam er zurück, gewann Bronze mit der russischen Mannschaft in Hochfilzen bei der Weltmeisterschaft und nun in Oberhof den Sprint und zum Abschluss auch noch die Staffel.

Die Wiederauferstehung der deutschen Damen nach einer historischen Niederlage im Sprint war kaum noch ein Thema, Arnd Peiffers zweiter Platz im Verfolger nur ein Nebensatz. Zum Glück für das DSV-Quartett verschwand auch die Pleite in der Staffel (Platz acht) im russischen Dopingnebel.

Video - Nach zwei Jahren Sperre: Loginov holt ersten Weltcupsieg seiner Karriere

01:23

Neuer Präsident setzt Zeichen

Die IBU versucht gegenzusteuern, die Vergangenheit irgendwie aufzuarbeiten, zu bewältigen, denn die alte Verbandsführung steht im Verdacht, Dopingproben vertuscht und russische Doper gedeckt zu haben. Jetzt hat die IBU mit dem Schweden Ole Dahlin einen neuen Präsidenten. Die russischen Olympiasieger Jewgeni Ustjugow und Svetlana Sleptsowa wurden wegen Dopings angeklagt, Russland ist kein vollwertiges Mitglied der IBU mehr und wird bis auf Weiteres keine internationalen Biathlon-Wettbewerbe mehr austragen.

Zudem hat die österreichische Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass sie wegen Dopingverdachts im Rahmen der WM in Hochfilzen 2017 gegen fünf russische Athleten und fünf Betreuer ermittelt und zwar "wegen schweren Betrugs im Zusammenhang mit Doping". Alexander Loginow ist darunter.

Video - Highlights | Russland jubelt, Deutsche enttäuschen

01:33

Noch immer keine Entschuldigung

Dennoch scheint er sich immer noch zu wundern, dass ihm die Konkurrenten mit Argwohn begegnen. Niemand zieht seine Qualitäten in Zweifel. Er ist ein wirklich guter, ein kompletter Biathlet. Schnell in der Loipe, sicher am Schießstand. Aber er hat es noch nie für nötig gehalten, sich vor versammelter internationaler Mannschaft für sein Vergehen zu entschuldigen. Die russische Mannschaft scheint vielmehr die Schuld bei allen zu suchen, die ihre Machenschaften intensiv beleuchten.

Die Atmosphäre wird sich erst langsam bessern, wenn eine neue und transparent auftretende russische Mannschaft sowohl bei den Damen als auch bei den Herren nominiert wird. So lange Altlasten mitgeschleppt werden, bleiben die Zweifel und wird das Eis nur langsam schmelzen.

Video - Aufreger beim Wechsel: Fourcade bringt Loginow zu Fall

00:29
0
0