Bronze ist Halbweltergewichtler Harutyunyan nach dem 3:0-Sieg im Viertelfinale gegen den Türken Batuhan Gozgec nicht mehr zu nehmen. "Aber ich träume jede Nacht von Gold", verriet der EM-Dritte, der in Rio "den Fluch" besiegte und die zwölfjährige Durststrecke der Faustkämpfer beendete.
Die erste olympische Medaille eines deutschen Boxers seit Athen 2004 bejubelte Harutyunyan auf seine Weise. Im Ring versuchte sich der Deutsch-Armenier zur Freude der Zuschauer im Pavilion 6 des Riocentro am Capoeira. "Dieser brasilianische Volkstanz ist eine Sache aus dem Leben hier. Das zeigt, dass sich die Jungs auch mit anderen Sachen beschäftigen", meinte der sichtlich stolze und nassgeschwitzte Bundestrainer Michael Timm.
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Als Flüchtling nach Deutschland

Die Lockerheit soll Harutyunyan auch im Halbfinale der Klasse bis 64 kg Flügel verleihen, wo der 13 Zentimeter größere Lorenzo Sotomayor Collazo (Aserbaidschan) am Freitag sein Gegner ist. "Da werden wir uns schon etwas einfallen lassen", kündigte Schlitzohr Timm vor dem Duell mit dem gebürtigen Kubaner an, der neben Harutyunyan (1,72 m) wie ein Riese wirkt.
Die zweitägige Pause bis zu seinem größten Kampf kommt dem 26-Jährigen dabei gerade recht. "Ich werde mich auskurieren und fit halten", kündigte Harutyunyan an. Timm traut seinem Schützling Gold zu. "Wenn er was will, kämpft er darum bis zum letzten Blutstropfen", sagte Timm, für den Harutyunyan längst zum "großen Vorbild" gereift ist.
Auch wegen seiner Lebensgeschichte. Er war gerade ein Jahr alt, als seine Familie 1990 aus Armenien nach Norddeutschland übersiedelte. Die Harutyunyans waren Flüchtlinge, wohnten sechs Jahr lang im Container. "Ich weiß, wie es im Asylantenwohnheim ist", erzählte der Sportsoldat, dessen Vater bis heute als Taxifahrer arbeitet.

Nach Olympia steh Hochzeit an

Harutyunyan will etwas zurückgeben, "meinem Land und meiner Stadt", wie er gerne sagt. Zusammen mit seinem Bruder Robert bot er Flüchtlingen in Hamburg kostenlos Boxstunden an, lud sie zu Kämpfen ein, und er ist noch immer stark engagiert. "Artem musste sich immer alles hart erarbeiten", sagte Timm. Die Medaille sei "der Lohn für alle Mühen".
Nach den Spielen will Harutyunyan seine Verlobte Karina, die Tochter des ehemaligen Profi-Boxweltmeisters Artur Grigorian, ehelichen. "Seine große Aufgabe wird es sein, seine Freundin zu heiraten", sagte Timm. Gold um den Hals wäre das passende Hochzeitsgeschenk.
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